Viele Dinge, die wir tun und erleben, erfordern eine Kombination aus Emotion und Handlung. Das Fehlen von Gefühlen kann die Aufrichtigkeit der Handlung beeinträchtigen und ihre Wirksamkeit mindern. Einem engen Freund beispielsweise „Mazel Tov“ zu wünschen, ohne dabei Begeisterung zu zeigen, hat nur minimale Bedeutung. Einem Freund in Not mechanisch zu helfen, ohne Empathie und Interesse, führt zu unvollständiger Unterstützung. Nur mit den Lippen zu beten, wirkt wie eine sinnlose Übung.
Doch Gefühle entstehen nicht von selbst. Wir können nicht einfach den „Glücksschalter“ umlegen oder plötzlich Liebe für einen anderen Menschen empfinden. Was tun wir also, wenn wir kein Glück und kein Mitgefühl empfinden oder uns völlig uninspiriert und desinteressiert fühlen?
Im Wochenabschnitt der Tora erfahren wir, dass der Kohen Gadol (Hohepriester) beim G-ttesdienst im Tempel aufwendige Gewänder tragen musste. Diese Gewänder mussten nach einem ganz bestimmten Schnitt genäht werden, und ihr Tragen während des G-ttesdienstes war von entscheidender Bedeutung.
Die Bedeutung dieser Gewänder wird in einem der frühen Kommentare anhand des Prinzips erklärt, dass das Herz den Handlungen folgt. Das bedeutet: Zwar können Gefühle tatsächlich zu effektiverem Handeln motivieren, doch gilt auch das Gegenteil. Wenn jemand uninspiriert oder desinteressiert ist, sich aber mit größter Anstrengung dazu zwingt, das Richtige zu tun, ist die Kraft der Handlung so stark, dass sie Gefühle und starke Emotionen nährt und entwickelt.
Der Kohen Gadol trug eine gewaltige Verantwortung. Er diente im Tempel als Vertreter des gesamten jüdischen Volkes, um g-ttliche Sühne und Segen zu erlangen. Diese Aufgabe erforderte höchste Konzentration und ein intensives Gefühl der Hingabe – eines, das er von Natur aus vielleicht nicht empfunden hätte. Das Anlegen wunderschöner Gewänder jedoch – eine Handlung, die ihn „der Rolle gerecht werden ließ“ – stellte sicher, dass sein Herz und sein Geist voll und ganz auf diese Aufgabe ausgerichtet waren.
Wenn du also schlecht gelaunt zur Hochzeit eines Freundes kommst, schließe dich einfach dem Tanzkreis an. Wenn du von jemandem in Not hörst, dich aber apathisch fühlst, zwinge dich, hinüberzulaufen und zu fragen, wie du helfen kannst. Wenn du keine Lust zum Beten hast, nimm einen Siddur (Gebetbuch) zur Hand und sprich die Worte sorgfältig aus. Handlungen, die Anstrengung erfordern, wecken starke Gefühle. Tu etwas Gutes. Das Herz wird folgen.
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