Bamidbar
Lieber Leser,
oft wird in der Tora erwähnt, dass sie in der Wüste Sinai gegeben wurde. So auch in unserer Parascha, welche mit den Worten „G-tt sprach zu Mosche in der Wüste Sinai ...“ beginnt. Nach der Wüste ist auch unsere Parascha benannt – „Bamidbar“ bedeutet in der Wüste.
Der Midrasch kommentiert das und sagt: „Nur Jemand, der sich wie die Wüste als Herrenlos erklärt, kann darauf hoffen, die Tora zu erwerben.“ Wie sollen wir diese Worte des Midrasch verstehen? Ist es nicht gerade derjenige, welcher sich selbst und sein Leben sehr ernst nimmt, der sich das Torastudium zur Lebensaufgabe machen würde?
Wir können dies so erklären: Die meisten Menschen verfolgen in ihrem Leben verschiedene Ziele. Diese Ziele könnten lauten: Beruflich Karriere zu machen, in finanzieller Hinsicht erfolgreich zu sein und ein glückliches Familienleben zu haben. Manchmal gesellt sich dann auch der Wunsch nach Spiritualität und Lernen hinzu und bildet ein viertes Ziel. All diese Ziele sind verständlich und gut. Dennoch lehrt uns der Midrasch, dass ein gründliches, vertieftes Toraverständnis auf diesem Wege nicht erreicht werden könne. Natürlich kann der Mensch auch auf diesem Wege sehr viel lernen und verstehen, aber die wahre Krone der Tora schmückt nur ein Haupt, dass sich voll und ganz nur diesem, einzigen Ziel, nämlich sich die Tora anzueignen, verschrieben hat.
Schabbat Schalom
Das vierte Buch Mose heißt auch „das Buch der Volkszählung“, da das erste Gebot darin die Volkszählung Israels in der Wüste ist.
Wenn Sie zum ersten Mal eine Wüste betreten, erkennen Sie sie an dem, was ihr fehlt: Bäume und Gras. Sie sehen nur Steine und Sand. Das finden viele Menschen so öde und fremd.
Wie viele Juden gibt es auf der Welt? 13 Millionen, oder - großzügig gerechnet - vielleicht 14 Millionen. Und vor dem zweiten Weltkrieg? Damals gab es über 19 Millionen!
Es ist interessant, wie wir Menschen mit der Zeit umgehen. Anstatt Wege zu finden, sie nach unseren Bedürfnissen zu strukturieren und unser Leben ihrem Fluss anzupassen, ziehen wir es vor, auf Fragmente und Ausschnitte Bezug zu nehmen.