Pessach
Lieber Leser,
mit dem Herannahen des Pessach-Festes ist es am Platze, die Haggada zu überdenken. Eine der bekanntesten Stellen der Erzählung ist: "Die Tora erwähnt vier Söhne, einen weisen, einen bösen, einen einfältigen und einen, der nicht einmal eine Frage zu stellen weiß".
Beim ersten Blick erscheint diese Stelle zwar ganz klar, jedoch löst die Reihenfolge, in der die Haggada die Söhne aufzählt, einiges Erstaunen aus. Sie hätten doch in der Reihenfolge gebracht werden können, in der sie in der Tora angedeutet sind: Böser Sohn; einfältiger Sohn; Sohn, der nicht zu fragen versteht; und schließlich der weise Sohn. Oder wiederum, die Söhne hätten ihrem Wert gemäß eingeordnet werden können: Weiser; einfältiger; der nicht zu fragen vermag; und schließlich der böse. Was ist der tiefere Grund für eine Reihenfolge, die den bösen Sohn bevorzugt und gleich neben den weisen Sohn stellt?
Hinsichtlich des individuellen Juden betonen die Weisen des Talmud: "Wenn er auch sündigen mag, bleibt er doch ein Jisrael". Die Wahl ihrer Worte ist äußerst bezeichnend, denn der Ausdruck "Jisrael" bedeutet mehr als einfach "Jude". "Jisrael" ist ein Akrostichon für "Jesch Schischim Ribba'e Otijot Latora – es gibt sechs hunderttausend Buchstaben in der Tora". Dem gegenüber waren 600.000 Juden bei der Gesetzgebung am Sinai anwesend. Damit wird jeder einzelne Jude als stellvertretend für einen Buchstaben der Tora angesehen.
Wenn nur ein einziger Buchstabe in einem Sefer Tora fehlt, ist damit die Vollkommenheit aller Buchstaben beeinträchtigt. Ein unvollständiges Sefer Tora, wenn auch nur ein Buchstabe fehlt, ist für die Tora-Vorlesung in der Synagoge unbrauchbar, bis es ausgebessert und wieder "vollkommen" gemacht ist. Ganz ähnlich: wenn ein einziger Jude aus dem Volke fehlt, wird das Volk als unvollkommen betrachtet, bis das betreffende Individuum "ausgebessert" und wieder ganz gemacht ist.
Chag koscher weSameach und
Schabbat Schalom
Wenn sich Pessach nähert, gedenken wir des großen Ereignisses am Anfang unserer Geschichte: Unser Volk wurde aus der ägyptischen Knechtschaft befreit, damit freie Männer und Frauen die Tora empfangen konnten.
Die Juden verließen Ägypten in einer dartigen Eile, dass der Teig nicht genug Zeit hatte, um aufzugehen. Wen interessiert's? Es erscheint überhaupt nicht von Bedeutung. Warum steht Mazza dann während Pessach überhaupt im Mittelpunkt? Ich dachte, Pessach geht um Freiheit, nicht ums Essen!
Wenn wir unsere Pessach-Erfahrung maximieren möchten, so müssen wir uns mit der Seele der Mazza verbinden, unserem wohlbekannten Mürbebrot.
Es ist einfach, Pharao abschätzig zu sehen, wenn man die Dinge oberflächlich betrachtet.
Das wunderbare Gewebe von Symbolen, Bräuchen und Feierlichkeiten des Pessach-Seders wird vom alles überragenden Thema der Freiheit durchzogen.
Während Mosche mit dem Pharao verhandelte, bat er ihn die ganze Zeit über nur darum, das Volk Israel drei Tage lang reisen zu lassen, um G-tt zu opfern.
Gibt es so etwas wie einen „toralosen“ Juden? Inwieweit kann man jüdisch sein ohne die Gebote und ohne das Ethos der Tora im täglichen Leben zu beachten?