Nasso
Sehr geehrte Leserschaft,
Die vorige Sidra, Bamidbar, wie die dieswöchige, Nasso, haben ein Thema gemeinsam: sie befassen sich mit dem Heiligtum in der Wüste und der Verteilung der mit ihm verbundenen Aufgaben, wenn es von einem Ort zum anderen getragen wurde.
Selbst wenn Juden sich in einer Wüste befinden, ist ihnen die Fähigkeit gegeben, ein Heiligtum zu errichten, damit G-ttes Allgegenwart unter ihnen und in jedem einzelnen von ihnen verweilen kann. Es gibt eine physische Wüste, ein Gebiet von Einöde, von rauhem Klima, von giftigen Schlangen. Es gibt aber auch eine spirituelle Wüste, und diese kann sich selbst in den blühendsten Gartenanlagen ausbreiten. Die Tora lehrt uns: Wenn Juden sich in einer solchen geistigen Einöde befinden, auch dann ist es möglich, nein, es ist dringend erforderlich, ein Heiligtum zu errichten und es mit uns zu tragen, wenn wir weiterwandern und fortschreiten, bis schliesslich alles ringsherum zu einem gesegneten und geheiligten Lande wird, Grundlage für die Erfüllung des Versprechens einer wahren und vollständigen Erlösung durch das Kommen des Maschiach.
Schabbat Schalom
Der Tora-Abschnitt dieser Woche ist der längste Abschnitt in der Tora und umfasst 176 Verse. Der Abschnitt beginnt mit der Fortsetzung des Leviten-Zensus sowie mit den Tabernakel-Pflichten. Danach werden die Sota- und Nasir-Gesetze behandelt. Der Abschnitt endet mit dem Priestersegen und den Opfern, die von den Stammesältesten zu Ehren der Tabernakel-Einweihung dargebracht werden.
Über den Vers Wenn die Frau eines Mannes ihm untreu wird, welcher die Gesetze über eine unsittliche Frau einführt, lehren unsere Meister: „Der Mensch begeht nur eine Sünde, weil der Geist des Leichtsinns ihn überfällt“.
Waren Sie schon einmal zelten? Haben Sie Fische gefangen und ausgenommen, essbare Beeren gesammelt, gegen Ungeziefer gekämpft, die Unbilden des Wetters erduldet?
Der stärkste Mann in der Bibel ist natürlich Schimschon. Er besiegte die wildesten Bestien und zertrümmerte mit bloßen Händen ein Stadion. Am Ende wurde ihm ein Haarschnitt zum Verhängnis.
Der Hauptteil unseres Lebens verbringen wir damit, mit der Welt zurechtzukommen. Wir arbeiten, erziehen, putzen, reparieren, zahlen, schreiben, planen, essen, schlafen.
In der rabbinischen Literatur wird vermerkt, dass G-tt Bürgen forderte, bevor er dem jüdischen Volk die Tora anvertraute. Das Volk stellte mehrere Kandidaten vor – die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, Moses und andere Propheten, aber G-tt wies sie alle zurück.