Pessach
Lieber Leser,
eine der bekanntesten Stellen der Erzählung ist: "Die Tora erwähnt vier Söhne, einen weisen, einen bösen, einen einfältigen und einen, der nicht einmal eine Frage zu stellen weiß".
Beim ersten Blick erscheint diese Stelle zwar ganz klar, jedoch löst die Reihenfolge, in der die Haggada die Söhne aufzählt, einiges Erstaunen aus. Sie hätten doch in der Reihenfolge gebracht werden können, in der sie in der Tora angedeutet sind: Böser Sohn; einfältiger Sohn; Sohn, der nicht zu fragen versteht; und schließlich der weise Sohn. Oder wiederum, die Söhne hätten ihrem Wert gemäß eingeordnet werden können: Weiser; einfältiger; der nicht zu fragen vermag; und schließlich der böse. Was ist der tiefere Grund für eine Reihenfolge, die den bösen Sohn bevorzugt und gleich neben den weisen Sohn stellt?
Hinsichtlich des individuellen Juden betonen die Weisen des Talmud: "Wenn er auch sündigen mag, bleibt er doch ein Jisrael" (Sanhedrin 44a). Die Wahl ihrer Worte ist äußerst bezeichnend, denn der Ausdruck "Jisrael" bedeutet mehr als einfach "Jude". "Jisrael" ist ein Akrostichon für "Jesch Schischim Ribba'e Otijot Latora – es gibt sechs hunderttausend Buchstaben in der Tora". Dem gegenüber waren 600.000 Juden bei der Gesetzgebung am Sinai anwesend. Damit wird jeder einzelne Jude als stellvertretend für einen Buchstaben der Tora angesehen.
Wenn nur ein einziger Buchstabe in einem Sefer Tora fehlt, ist damit die Vollkommenheit aller Buchstaben beeinträchtigt. Ein unvollständiges Sefer Tora, wenn auch nur ein Buchstabe fehlt, ist für die Tora-Vorlesung in der Synagoge unbrauchbar, bis es ausgebessert und wieder "vollkommen" gemacht ist. Ganz ähnlich: wenn ein einziger Jude aus dem Volke fehlt, wird das Volk als unvollkommen betrachtet, bis das betreffende Individuum "ausgebessert" und wieder ganz gemacht ist.
Die Heiligkeit des gesamten jüdischen Volkes hängt von jedem einzelnen Mitgliede ab. Selbst der "böse" oder der "rebellische" Sohn steht für einen Buchstaben der Tora und ist für ihre Vollkommenheit unersetzlich. In der Haggada wird er neben den weisen Sohn gestellt, um unsere Verantwortung für jede Einzelperson hervorzuheben. Es ist unsere Pflicht, seinen Charakter zu verbessern und seinen jüdischen "Kern" herauszuschälen. Diese unsere Verantwortung für unsere rebellischen Söhne ist nicht um eine Haaresbreite geringer als unsere Verpflichtung unseren einfältigen Söhnen, unseren unwissenden Söhnen oder unseren weisen Söhnen gegenüber.
Chag Pessach Sameach
Das Pessach-Fest ist nicht nur das erste der drei Feste Israels, Pessach, Schawuot und Sukkot, sondern bildet Kern und Ursprung derselben. Der Auszug aus Ägypten war die unmittelbare Vorstufe für das monumentale Weltereignis – der G-ttesoffenbarung am Berg Sinai!
Die Haggada verbindet geschichtliche Tatsachen, um eine Geschichte zu erzählen. Eine Geschichte eines unvollendeten Volkes, das große Herausforderungen bestehen muss. Es ist eine Geschichte unserer Vorfahren. Und es ist unsere Geschichte ...
Aus den Antworten eines Kindes können Sie etwas darüber erfahren, was das Kind weiß. Aus den Fragen eines Kindes erfahren Sie, wer das Kind ist.
Die Geschichte des Pessach ist allen bekannt ... Weniger bekannt ist jedoch, wie unsere Weisen die spirituelle Bedeutung dieser Ereignisse bewerten.
Ma nischtana halaila hase... „Warum ist dieser Abend anders als alle anderen?" fragen unsere Kinder uns beim Pessach-Seder.
But first another question: Why were these particular chapters of Psalms (113–118) chosen to express praise and our gratitude to G‑d?
Wenn jemand einen blühenden Obstbaum das erste Mal zur Blütezeit im Monat Nissan (April/Mai) sieht, spricht man diesen Segensspruch.