Haasinu
Lieber Leser,
Jom Kippur bewirkt Sühne für unsere Verfehlungen gegenüber G-tt, aber bei dem, was wir anderen Menschen angetan haben, genügt der Tag allein nicht.
Vielmehr müssen wir uns vor Jom Kippur bei Verwandten, Freunden und Bekannten entschuldigen und sie um Verzeihung bitten, um alles Unrecht wiedergutzumachen und Verstimmungen zu überwinden.
G-tt hat Jom Kippur als Seinen Tag der Verzeihung ausgewählt. An diesem Tag nahm Er das jüdische Volk nach der Sünde des goldenen Kalbs wieder an. Das klingt noch nach, und unsere Verbindung zu G-tt ist stärker als jede Verfehlung, sie ist der Kern unseres Wesens.
Die Vergebung an Jom Kippur entspringt aus der grenzenlosen Liebe von Eltern für ihre Kinder, die unabhängig von der Situation und von ihrem Verhalten ist. So wenden wir uns mit ganzem Herzen zu G-tt, damit Er unsere Beziehung wieder zu einer reinen und gesunden machen möge. Wir geben unsere Fehler zu, bitten um Verzeihung und bekräftigen unsere Loyalität, wir nehmen uns vor, zu lernen und in G-ttes Wegen zu gehen, wenigstens eine Mizwa mehr zu machen.
Zu Jom Kippur – dem Versöhnungstag – lesen wir im Gebet vom Dienst des Kohen Gadol (Oberpriesters) im Heiligen Tempel an diesem ehrfürchtigen Tag. Heute gibt es zwar keinen physischen Tempel mehr und keinen Kohen Gadol, der diesen Dienst verrichten kann, doch der „spirituelle Tempel“ besteht in der Seele jedes Juden.
Höhepunkt der "ehrfurchtgebietenden Tage" ist Jom Kippur, und zur Zeit des Tempels stand im Mittelpunkt dieses Tages der vom Kohen Gadol, dem Hohepriester, verrichtete Dienst im Heiligtum.
Jom Kippur markiert den Tag, an dem G-tt dem Jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat.
Das Buch Jona, das an Jom Kippur nachmittags im G-ttesdienst ganz gelesen wird, ist die Geschichte Ihres Lebens. Das sagt die Kabbala.
Unser Leben ist geteilt zwischen Geist und Materie, zwischen dem heiligen und dem Alltäglichen.
Israel wollte, dass seine Inspiration wie Regen fließen möge. Aber G-tt erwiderte: „Nein, nicht wie Regen, sondern wie Tau.“
Jedes neue Jahr wird eingeleitet durch die Zehn Tage von Tschuwa (Rückkehr), die mit den beiden Tagen von Rosch Haschana beginnen und im Jom Kippur ihren Höhepunkt finden.