Mikez
Lieber Leser,
Chanukka, das Lichterfest, erinnert uns den Sieg des militärisch schwachen, aber spirituell starken jüdischen Volkes über die mächtigen Heere eines gnadenloses Feindes, der das Heilige Land überrannt hatte. Das war vor über 2100 Jahren. Damals waren Land und Leute in Dunkelheit gehüllt.
Der wundersame Sieg gipfelte in der neuen Weihe des Heiligtums zu Jerusalem und dem erneuten Anzünden der Menora, die der Feind entweiht und gelöscht hatte. Seither feiern wir diesen Sieg während der acht Tage von Chanukka, vor allem indem wir die Chanukka-Menora anzünden, auch als Symbol und Botschaft des Triumphs der Freiheit über die Unterdrückung, des Geistes über die Materie, des Lichtes über die Dunkelheit.
Das ist eine aktuelle und tröstliche Botschaft, denn die Kräfte der Dunkelheit sind immer da. Und die Gefahr lauert nicht nur draußen, sondern auch bei uns zu Hause: Uralte Werte und Grundsätze drohen ausgehöhlt zu werden, obwohl sie das Fundament jeder anständigen Gesellschaft sind. Natürlich lässt die Dunkelheit sich nicht mit Besen und Stöcken vertreiben, sondern nur durch Licht. Unsere Weisen sagen: “Ein bisschen Licht verjagt eine Menge Dunkelheit.”
Das Chanukka-Licht erinnert uns ganz offensichtlich daran, dass die Erleuchtung zu Hause beginnt, in uns selbst und in unserer Familie.
Schabbat Schalom
Josefs Lebensgeschichte ist mit verschiedenen Träumen verbunden. Zuerst hatte er den Traum, in dem sich alle Brüder vor ihm bücken, dann deutete er die Träume der Diener Pharaos und schliesslich träumte Pharao selbst einen Traum, den Josef zum königlichen Palast führte.
Im Wochenabschnitt Mikez bereitet Josef, der neue Vizekönig von Ägypten, das Land auf die bevorstehende Hungersnot vor. Er lässt große Lagerhäuser füllen. „Und er sammelte alle Nahrungsmittel ..., die es im Lande Ägypten gab, und er brachte Nahrung und Boden von den Feldern in die Städte“.
In der dieswöchigen Parascha Mikez lesen wir davon, wie nachdem Schimon in Ägypten in Arrest genommen wurde, seine Brüder Bedauern über das zum Ausdruck brachten, was sie einst ihrem jüngeren Bruder Josef angetan haben.
Dann, wenn die Sonne untergeht, und die Schatten sich über das Land legen, zünden wir im Dunkeln die Chanukkia. Für diejenigen, die gut zuhören können, erzählen die Flammen eine tiefgründige Geschichte über uns selbst, eine Geschichte, die uns befähigen kann, ein erfüllteres Leben zu führen.
Es ist eine erfreuliche Tatsache, daß die Welt das Buch Genesis wieder entdecken will. Bestseller erforschen seine Wunder, und in Fernsehserien wird – fast in der Art des Talmuds – darüber diskutiert.
Es heißt im Sohar, dass jeder Tag "seinen eigenen Dienst" tut, dass es also für jeden Tag einen auf ihn "zugeschnittenen" Dienst gibt. Nichtsdestoweniger sind es bestimmte Tage im jüdischen Jahr, die sich gegen die anderen noch abheben, und das sind die Festtage.
Die Chanukka-Lichter, die wir in der dunklen Nacht anzünden, wecken in uns Erinnerungen an die Vergangenheit: an den Krieg der Hasmonäer gegen das gewaltige syrische Heer, an ihren Sieg, die Tempelweihe, die neu entzündete Menora, die kleine Menge Öl, die viele Tage lang reichte und so weiter.