Nach dem Auszug aus Ägypten versorgte G-tt täglich die Israeliten in der Wüste mit einer Tagesportion himmlischem Manna, bis sie ins gelobte Land einzogen.1 Um dem jüdischen Volk zu ermöglichen, Schabbat zu beachten und das Manna am Ruhetag nicht ins Zelt zu tragen oder vorbereiten zu müssen2, belieferte sie G-tt vorsorglich schon am Freitag mit einer doppelten Portion Manna.3 Diesem Wunder feierlich zu gedenken, ordneten unsere Weisen an, das Brotbrechen zu Beginn jeder Schabbat-Mahlzeit stets mit zwei vollständigen Laiben Brot auszuführen. Diese zwei Brote werden umgangssprachlich auch Challot genannt, wobei dieser Begriff nichts mit der "Challa" zu tun hat, wie sie die Tora beschreibt: Eine Portion Teig, die dem Kohen weitergegeben wird. Deshalb werden die zwei Brote auch Lechem Mischne genannt.
(Der Arisal, der große Kabbalist des 16. Jahrhunderts aus Safet, stellte sein Lechem Mischne zu allen drei Schabbat-Mahlzeiten aus zwölf Broten zusammen. Sie entsprachen den zwölf Schaubroten, die seine Priester jeden Schabbat im Heiligen Tempel zu sich nahmen.4)
Feiertagsmahlzeiten
Die Verbindlichkeit, auf Lechem Mischne zu achten, bezieht sich auch auf Feiertage,8 da das Manna auch an den Feiertagen nicht vom Himmel herunterfiel.9 An Chol HaMoed, Rosch Chodesch, Purim, am Tag vor Jom Kippur und an anderen "Halbfeiertagen", an denen arbeiten nicht verboten ist, sind wir nicht verpflichtet, beim Brotbrechen Lechem Mischne vor uns zu haben.
Von welcher Art Brot-Laib ist denn hier die Rede?
Die Brotlaibe müssen eine Mindestgröße von "Kesait" (Olive) haben10 und etwa 28 Gramm wiegen, wobei das Mehl aus Getreide (Weizen, Gerste, Dinkel, Roggen oder Hafer) hergestellt werden muss, damit der über dieses Brot gesagte Segensspruch "Hamozie" lautet11 – denn die Tora bezeichnet das Manna als Brot. Da das Brot das Grundnahrungsmittel des Menschen darstellt, legten unsere Weisen fest, dass jede wichtige Mahlzeit Brot enthalten soll.12 Ein Grund für die Brotanforderung ist auch die durch erforderliche Erwähnung des Schabbats während des Tischgebets.13
Wird weniger Wasser bei der Zubereitung des Brotes verwendet als andere Flüssigkeiten, wie z.B. Eier, Öl, Fruchtsaft, Honig, flüssiger Zucker, dann wird dieses Brot als "Kuchen" betrachtet, und sein Segen lautet Mesonot.14 Ein solches Brot soll nicht für Lechem Mischne verwendet werden, soweit der Betreffende nicht plant, davon eine große Menge zu essen. Für Sepharadim sind das über 230 Gramm Teig netto, für Aschkenasim werden bei dieser Berechnung alle begleitenden Nahrungsmittel miteinbezogen. Auch darf der Esser nicht beabsichtigen, bei dieser Mahlzeit vom Brot und den übrigen Speisen, die bei dieser Gelegenheit serviert werden, satt zu werden.15
Aschkenasim können auch Mazzot (keine Eier-Mazza!) für Lechem Mischne verwenden.16 Gemäß sephardischem Brauch lautet der Segensspruch über der Mazza das ganze Jahr über, außer zu Pessach, Mesonot.17 Wer diesem Brauch folgt, sollte keine Mazzot für Lechem Mischne verwenden, es sei denn, er will zur selben Mahlzeit die oben angegebene Menge an Backwaren essen.
Was bedeutet "ganz"?
Die beiden Brote müssen ganz, also nicht angeschnitten sein.18 Wenn dem Brot nur eine kleine Menge (bis zu 1/48) fehlt, sehen es einige immer noch als ganz an,19 andere sind nicht damit einverstanden.20 Wenn ein Brotlaib auseinanderbricht sagen einige, dass es immer noch verwendbar ist, wenn er inwendig zusammengesetzt werden kann, wie z.B. durch einen kleinen Stab zusammengesteckt, so dass das Brot ganz aussieht.21
Wenn zwei Brotlaibe beim Backen aneinanderkleben, so dass sie auseinandergebrochen werden müssen, können diese immer noch als zwei vollständige Brote gelten.22 In diesem Fall soll der Brotlaib von jener Seite her angeschnitten werden, an der er nicht zusammen geklebt war.23
Ein gebrochener Brotlaib kann "geflickt" werden, indem er vor Schabbat in den Ofen zurückgelegt und neu gebacken wird.24 (Rabbiner Avraham Hirsch Cohen seeligen Andenkens aus Jerusalem sagte, dass ein abgebrochener Teil der Mazza wieder vollständig gemacht werden kann, indem die gebrochene Stelle mit Hilfe eines Streichholzes wieder wie gebacken aussieht. Das kann auch an einem Festtag, der nicht auf Schabbat fällt, durchgeführt werden. Dabei muss das Streichholz von einer bereits vorhandenen Flamme gezündet werden, wobei viele Autoritäten davon abraten, das Streichholz an jenem Ende anzuzünden, das normalerweise an der Schachtel gerieben wird, weil das nicht nur der Übertragung, sondern auch der Entfachung eines Feuers dient. Nach der Bearbeitung der gebrochenen Stelle muss das Streichholz so abgelegt werden, dass es von allein erlöschen kann , wie z.B. auf einen Teller.25)
Das Abdecken
Die Brotlaibe sollten während des Kiddusch abgedeckt sein. Das erinnert uns an das Manna, das durch eine Tauschicht schützend bedeckt wurde. Das Tischtuch unter dem Brot erinnert an die Tauschicht, die sich unter dem Manna befand.26
Dazu kommt noch, dass im Allgemeinen die chronologische Reihenfolge der Segenssprüche so lautet, dass der Segensspruch über das Brot vor dem Segensspruch über den Wein kommt, doch beim Kiddusch wird die Reihenfolge umgedreht. Daher verdecken wir das Brot während des Kiddusch und fangen mit dem Wein an, als ob die Challa gar nicht anwesend wäre.27 Außerdem macht das Verdecken des Brotes allen deutlich, dass die Mahlzeit erst danach, und gerade wegen des Kiddusch, das die Heiligkeit des Schabbates zum Ausdruck bringt, beginnt.28
Die Challot sollte bis nach dem Segensspruch "Hamozi" zugedeckt bleiben.29
Wie wir die Brote richtig halten sollen
Es gibt verschiedene Meinungen und Bräuche, was die korrekte Handhabung des Haltens der Lechem Mischne während des Hamozi-Segensspruches betrifft.
Das betrifft jedoch nur die Freitagabend-Se'uda. Am Schabbat-Morgen, sowie am Morgen der Festtage, die nicht auf Schabbat fallen, benutzen wir ganz einfach den oberen Brotlaib.
Es ist Chabad-Brauch, am Freitagabend beim Sagen des Segensspruches beide Brotlaibe nebeneinander vor sich zu halten, und dann das rechte Brot zu brechen bzw. anzuschneiden. Am Schabbat-Morgen halten wir die Brote Seite an Seite mit dem rechten Brot ein wenig über dem linken, wenn wir den Segensspruch sagen und brechen, bzw. schneiden das Brot auf der rechten Seite an.33
Während des Segensspruchs sollten alle zehn Finger das Brot berühren.34
Das Markieren des Brotes
Normalerweise schneiden wir das Brot, bevor wir den Segensspruch sagen, um zwischen dem Segensspruch und dem Essen keinen Unterbruch zu machen.35 Am Schabbat jedoch können wir das Brot nicht vor dem Segensspruch schneiden, weil es eine Mizwa ist, den Segen über zwei vollständigen Brote zu sagen.36
Daher pflegen wir stattdessen, mit dem Messer eine Markierung zu zeichnen, wo wir vorhaben, das Brot im mittleren Teil des Brotlaibes37 anzuschneiden.38. So minimieren wir die Zeit zwischen Segensspruch und Essen, da wir uns jetzt nicht mehr überlegen müssen, wo wir mit dem Schneiden beginnen. Nach dem Segensspruch wird das Brot im Bereich der Markierung geschnitten, muss jedoch nicht genau auf der Markierung geschnitten werden.
Der Segensspruch
Üblicherweise sagt der Gastgeber den Segensspruch für alle Anwesenden laut und bricht, bzw. schneidet dann das Brot an. Doch kann er diese Ehre auch einem seiner Gäste weitergeben.39 Es ist Brauch, mit dem Segensspruch zu warten, bis alle versammelten Gäste sich die Hände gewaschen haben.40
Alle Anwesenden hören den Segensspruch und antworten "Amen". Falls sie zwischen dem "Amen" und dem Erhalt des Brotes nicht gesprochen haben, können sie essen, ohne selber einen Segensspruch sagen zu müssen, nachdem sie ihre Pflicht durch das Hören des Segensspruchs von ihrem Gastgeber erfüllt haben.41 Falls sie in der Zwischenzeit versehentlich gesprochen haben, müssen sie selber den Segensspruch über dem Brot sagen.42 Gemäß Chabad-Brauch sagt jeder der Anwesenden den Segensspruch selbst.43
Schneiden und Essen
Falls die Anwesenden ihre Pflicht, den Segensspruch zu sagen, durch das Hören des Segensspruchs des Gastgebers erfüllen, sollte der Gastgeber zumindest ein kleines Stück vom ersten Stück essen, bevor er das Brot für alle üblichen Anwesenden schneidet.46
Obwohl nach dem üblichen Brauch nur einer der Brotlaibe konsumiert wird (es sei denn, es werde mehr Brot gebraucht), gibt es Ansichten, dass man von beiden Laiben schneiden und essen soll.47
Beim Verteilen des Brotes an alle Anwesenden soll darauf geachtet werden, es nicht direkt von Hand zu Hand an die nächste Person weiterzugeben, da das ein Zeichen der Trauer ist. Es soll stattdessen auf den Tisch gelegt werden, so dass die Personen es von dort sich nehmen können.48
Wir sollen eine Mindestmenge an Brot in der Größe einer großen Olive von etwa 3cm3 innerhalb einer Zeitspanne von 4 bis 7 Minuten (halachisch: "k'dej achilat pras")49 und nach der ersten gleich noch eine zusätzliche "Olivengrösse" an Brot essen50
Salz
Es ist Tradition, am Schabbat und in der Woche das Brot nach dem Segensspruch "Hamozi" in Salz zu tauchen. Das erinnert uns am Tisch, an dem wir essen, dass dieser dem heiligen Altar gleicht, an dem die Priester Salz für die Opfergaben verwendeten. Das Salz dient auch als Schutz, da es G-tt an den immerwährenden "Salzbund erinnert", den Er mit dem jüdischen Volk geschlossen hat. Gemäß Kabbala ist es Tradition, das Brot drei Mal in Salz ein zu tauchen51
Schritt für Schritt
1) Bedecken Sie die Brote, bis der Segensspruch gesagt wird.
2) Nachdem sich alle Anwesenden die Hände gewaschen haben und bereit sind, markieren Sie das Brot mit dem Messer.
3) Halten Sie die Brote Seite an Seite und sagen Sie den Segensspruch.
4) Schneiden Sie ein Stück von der Mitte des Brotlaibes ab und nehmen Sie einen Biss, nachdem Sie das Brot in Salz eingetaucht haben.
5) Schneiden Sie eine ausreichende Menge an Brotscheiben und verteilen Sie diese an alle Anwesenden, wobei jedes Stück Brot zuerst ins Salz getaucht wurde.
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