Das jüdische Volk war begierig zu spenden. Das Projekt, der Bau des Stiftszeltes in der Wüste, führte zu dem Symbol, dass die Beziehung trotz des schmerzhaften Verrats mit dem Goldenen Kalb wiederhergestellt und gestärkt worden war. G-tt hatte den Wunsch, inmitten des jüdischen Lagers zu wohnen.
Das Volk spendete begeistert: Armbänder, Ohrringe, Ringe, blaue, purpurne und karmesinrote Wolle, Leinen, Ziegenhaar, rot gefärbte Widderfelle, Tachasch-Felle, Silber und Kupfer waren einige der Gegenstände, die geschenkt wurden.
Es gab jedoch einen Gegenstand, den Mosche sich weigerte, anzunehmen.
Die Tora beschreibt, dass die Frauen noch mehr beitrugen als die Männer. Sie brachten sogar ihre Spiegel mit, die im Heiligtum verwendet werden sollten. Aber Mosche weigerte sich, die Spiegel anzunehmen. Ein Spiegel, so argumentierte er, ist das Gegenteil des Heiligtums. Ein Spiegel wird benutzt, um das Äußere einer Person zu schmücken; er verstärkt den Stolz und den Narzissmus einer Person. Ein Spiegel ist reine Eitelkeit und Oberflächlichkeit, ein Werkzeug der Selbstanbetung. Er hat keinen Platz im G-ttesdienst.
Mosche sah den Spiegel als Feind an. Er führte bestenfalls dazu, die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu lenken, anstatt auf das G-ttliche, und schlimmstenfalls dazu, zerstörerische Lust und Verführung zu erzeugen.
Mosche wollte ein transparentes „Fenster“ schaffen; er wollte die Menschen lehren, die Welt als ein Fenster zu betrachten, durch das man die ehrfurchtgebietende Macht des Schöpfers sehen kann. Der Spiegel, der das Licht blockiert und die Sicht auf den Betrachter zurückwirft, führte zum Gegenteil von allem, wofür Mosche stand.
G-tt war damit nicht einverstanden.
Der Midrasch beschreibt, wie G-tt dem Mosche erklärte, dass die Spiegel nicht nur angenommen werden sollten, sondern dass sie sogar wertvoller seien als alle anderen Geschenke. Denn gerade der Spiegel steht für den Zweck der Erschaffung des Heiligtums und im weiteren Sinne für den Zweck der Schöpfung selbst.
G-tt erklärte Mosche, dass der Spiegel ebenso heilig wie zerstörerisch sein konnte. Begierde und Versuchung könnten nicht vom Ego getrieben sein, sondern vielmehr ein Ausdruck von intensiver Heiligkeit. Wie Raschi erklärt:
Auch diese [Spiegel] hielten sie nicht davon ab, als Beitrag für den Mischkan mitzubringen, aber Mosche lehnte sie ab, weil sie zur Versuchung gemacht waren [d.h., um lüsterne Gedanken zu wecken]. Der Heilige, gepriesen sei Er, sagte zu ihm: „Nimm sie an, denn sie sind mir wertvoller als alles andere, weil die Frauen durch sie viele Legionen in Ägypten aufstellten [d.h. durch die Kinder, die sie gebaren].“ Wenn ihre Männer von der schweren Arbeit müde waren, gingen sie [die Frauen] hin und brachten ihnen zu essen und zu trinken und gaben ihnen zu essen. Dann nahmen sie [die Frauen] die Spiegel und jede sah sich mit ihrem Mann im Spiegel, und sie verführte ihn mit den Worten: "Ich bin schöner als du. Und auf diese Weise weckten sie die Begierde ihrer Männer und kopulierten mit ihnen, wobei sie schwanger wurden und Kinder bekamen.1
Jedes Geschöpf auf dieser Erde hat eine Seele, eine Energie, die sowohl zum Guten als auch zum Bösen eingesetzt werden kann. Ironischerweise kann diese Energie umso zerstörerischer sein, je mehr Potenzial sie für das Gute hat. Umgekehrt gilt das Gleiche: Je zerstörerischer die Kraft ist, desto tiefer kann das Gute und die Erleuchtung sein, wenn sie transformiert oder kanalisiert wird.
Der Spiegel fängt eine tiefe Wahrheit ein. Wenn das Glas mit einer Silberschicht überzogen ist, die die Transparenz behindert, ist das Ergebnis noch tiefgründiger. Wenn man einen Spiegel betrachtet, kann man zwar nicht nach vorne sehen, aber man kann dahinter sehen. Man wird das Unerwartete sehen.
Der Spiegel blockiert das Licht nicht vollständig, wie es andere Objekte tun. Stattdessen reflektiert er das Licht, das auf ihn scheint. Er symbolisiert, wie die Schöpfung selbst das g-ttliche Licht reflektieren und ausdrücken kann.
Mosche bevorzugte die Klarheit der Sicht. Er fühlte sich zu Transparenz hingezogen, zu einem Ort, an dem die Heiligkeit offensichtlich ist. G-tt erklärte, dass der Zweck des Stiftszeltes, das den Zweck der Erschaffung der Welt widerspiegelt, dazu führt, dass man die Heiligkeit dort sieht, wo man sie am wenigsten erwartet, dass man versteht, dass Verlangen ein Ausdruck von Transzendenz und Spiritualität sein kann. Der Spiegel erinnert uns daran, dass man, um die wahre Tiefe des unendlichen G-tt zu erfahren, nicht direkt nach oben in den durchsichtigen Himmel blicken sollte, sondern vielmehr hier unten auf der Erde, wo die Verborgenheit des Materiellen eine tiefere Reflexion der Einheit G-tts schafft.2
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