Wajeze
Lieber Leser,
die dieswöchige Sidra schildert unter anderem Jakobs Hochzeit mit Labans Töchtern Lea und Rachel; und viele Toraerklärer ringen mit der Frage, wie es sein konnte, dass er zwei Schwestern heiraten durfte. Er hielt doch (nach Genesis 32, 5 und Raschi dort) die ganze Tora ein, und die Tora verbietet ausdrücklich (Lev. 18, 18) die Ehe mit zwei oder mehreren Schwestern. Wir geben im Folgenden – notwendigerweise jedoch in nur knappen Umrissen – unsere eigene Erläuterung dazu.
Unsere Vorväter hatten es auf sich genommen, die gesamte Tora einzuhalten, obwohl sie – es war ja noch vor der Offenbarung am Sinai – nicht ausdrücklich dazu verpflichtet waren. Es war dies eine zusätzliche Dimension ihrer G-ttergebenheit. Wo immer jedoch Mizwot der Tora, deren Einhaltung ihnen nicht befohlen worden war, mit Vorschriften in Widerspruch standen, deren Beobachtung ihnen von G-tt positiv vorgeschrieben worden war, befolgten sie selbstverständlich nicht die unaufgetragenen Mizwot. In der Tat bedeutete eben dieses Nicht-Tun für sie eine wahrhafte Einhaltung der Tora; denn die Tora selbst verlangte, dass sie einen positiven Akt von Frömmigkeit unterlassen sollten, wenn dieser einem ausdrücklichen Befehl zuwiderlief.
Schabbat Schalom
Die Frage lautet nicht, ob wir diesen Teil haben, sondern, worum genau es sich dabei handelt. Geht es um Weiterbildung wie bei einem Handarbeitskurs, oder um eine Therapie? Ist es eine Pflicht wie das Einhalten der Gesetze oder der Gang zur Arbeit am Morgen? Oder gehört dieser „Teil“ einfach zu uns?
Wie unendlich ist die Tora? Wie oft können Sie eine Passage lesen und jedes Mal etwas Neues daraus lernen? Natürlich lesen manche Menschen die Tora ihr Leben lang.
Die Thora, als ewig geltender Wegweiser für die Menschheit, ist auch in ihren geschichtlichen Abhandlungen Träger aktueller Botschaften. All die Ereignisse des jüdischen Volkes und seiner Erzväter gehören keinesfalls zu den historischen Geschichten der antiken Welt, auch wenn sie gern gelesen werden.
Durch die Tora werden wir befreit, weil in ihr steht, dass wir uns nur vor einem fürchten sollen: Nicht mal vor dem Tod. Wir sollen uns nur vor G-tt fürchten.
Ja, es gibt ein Gebet, in dem wir G-tt bitten, uns eine sichere Reise ohne Zwischenfälle zu ermöglichen. Es ist das Tefillat HaDerech.