Lieber Leser,

die dieswöchige Sidra schildert unter anderem Jakobs Hochzeit mit Labans Töchtern Lea und Rachel; und viele Toraerklärer ringen mit der Frage, wie es sein konnte, dass er zwei Schwestern heiraten durfte. Er hielt doch (nach Genesis 32, 5 und Raschi dort) die ganze Tora ein, und die Tora verbietet ausdrücklich (Lev. 18, 18) die Ehe mit zwei oder mehreren Schwestern. Wir geben im Folgenden – notwendigerweise jedoch in nur knappen Umrissen – unsere eigene Erläuterung dazu.

Unsere Vorväter hatten es auf sich genommen, die gesamte Tora einzuhalten, obwohl sie – es war ja noch vor der Offenbarung am Sinai – nicht ausdrücklich dazu verpflichtet waren. Es war dies eine zusätzliche Dimension ihrer G-ttergebenheit. Wo immer jedoch Mizwot der Tora, deren Einhaltung ihnen nicht befohlen worden war, mit Vorschriften in Widerspruch standen, deren Beobachtung ihnen von G-tt positiv vorgeschrieben worden war, befolgten sie selbstverständlich nicht die unaufgetragenen Mizwot. In der Tat bedeutete eben dieses Nicht-Tun für sie eine wahrhafte Einhaltung der Tora; denn die Tora selbst verlangte, dass sie einen positiven Akt von Frömmigkeit unterlassen sollten, wenn dieser einem ausdrücklichen Befehl zuwiderlief.

Schabbat Schalom