Bo
Lieber Leser,
im Gegensatz zu den anderen neun Plagen, welche die Ägypter auf eine sehr praktische Weise trafen und großen persönlichen oder materiellen Schaden anrichteten, löste die Plage der Finsternis keinen greifbaren Schaden aus.
Die Abwesenheit des Lichts hindert uns nur daran, die Umgebung zu sehen und Gegenstände oder Menschen in der Nähe zu erkennen. Obwohl wir noch vier andere Sinne haben, die es uns ermöglichen, unsere Umwelt ein wenig zu erfassen, ist keiner von ihnen so wichtig wie das Sehvermögen. Blindheit ist eine derart starke Behinderung, dass unsere Weisen einen Blinden in gewisser Weise mit einem Toten vergleichen.
Warum sind Licht und das Sehvermögen so bedeutsam? Darauf gibt es eine praktische und eine psychologische Antwort:
Wir sind von Dingen umgeben, die unser Leben verbessern sollen. Ohne Licht werden sie zu bloßen Hindernissen. In der Dunkelheit stoßen wir mit einem Stuhl, einem Tisch oder einem Haufen Gold zusammen.
Licht ermuntert uns zur Tat, während die Dunkelheit Depressionen und Trägheit auslöst. In einer hellen Umgebung können wir uns über unsere egoistischen Neigungen erheben und echtes Mitgefühl für andere empfinden.
Die Plage der Finsternis spiegelte den traurigen spirituellen Zustand der Ägypter wider. Die Israeliten litten nicht an der Plage, weil die Tora und die Mizwot ihnen Licht spendeten. „Eine Mizwa ist eine Kerze, und die Tora ist Licht“ (Sprüche 6:23).
Dank des Lichtes, das die Tora und ihre Gebote uns schenken, sehen wir eine völlig neue Welt. Plötzlich erkennen wir vermeintliche Hindernisse als Schöpfungen G-ttes, die uns auf unserer spirituellen Reise helfen sollen. Mit dem geistigen Auge sehen wir den Haufen Gold.
Schabbat Schalom
Die jüdische Mystik lehrt uns, dass die Unterschiede zwischen Sonne und Mond nicht nur physischer, sondern auch spiritueller Natur sind. Bei dieser Polarität geht es nicht nur darum, ein Mann oder eine Frau zu sein, sondern vielmehr darum, dass diese Energien und Eigenschaften in jedem Menschen vorhanden sind.
Sie ist unbeständig und impulsiv. Ihre schwankenden Gefühle werden von Ausbrüchen inspirierter Kreativität unterbrochen. Gelegentlich leuchtet ihre Persönlichkeit wie der Vollmond, doch ebenso oft kommen Phasen untätiger Düsterkeit vor.
Ursprünglich stellten die jüdischen Erstgeborenen die heilige priesterliche Klasse dar. Als aber die Juden einschließlich der Erstgeborenen das goldene Kalb anbeteten, haben die Erstgeborenen ihren besonderen Status verwirkt. Seit dieser Zeit müssen alle israelitischen Erstgeborenen ausgelöst werden.
Warum das Blut an den Türen? Die Tora berichtet von den letzten Schritten, die zur Befreiung Israels aus der Knechtschaft im alten Ägypten führten. In einer schicksalhaften Nacht versetzte G-tt den Ägyptern den endgültigen Schlag, indem er die Erstgeborenen in ihren Häusern tötete, aber die Erstgeborenen in jüdischen Häuser verschonte.