Bo
Lieber Leser,
die dieswöchentliche Sidra berichtet, dass den Juden vor ihrem Auszug aus Ägypten befohlen wurde, ein Lamm zu opfern.
Kultur und Zivilisation der Ägypter waren weitgehend auf den Naturkräften und Naturerscheinungen aufgebaut, insbesondere wo diese auch mit dem Nil zusammenhingen. In Ägypten regnet es sehr selten, doch hatte die menschliche Erfindungsgabe ein Bewässerungssystem geschaffen, mit Hilfe dessen Ägypten in einen blühenden Garten verwandelt wurde, wiewohl auf allen Seiten von Wüstenlandschaften umgeben. Diese Umstände brachten einen ausgedehnten und ausgeklügelten Götzenkult mit sich, der zwei charakteristische Merkmale zeigte: eine Vergötterung der Naturkräfte einerseits, und andererseits eine Vergötterung der Macht des Menschen, der da die Begabung hatte, sich die Natur nutzbar zu machen. Kult und Aberglaube der Ägypter erreichten ihren alljährlichen Höhepunkt zu der Zeit, da die Naturkräfte erwachten und sich erneuerten, d. h. im Frühlingsmonat. Dieser Monat stand unter dem Tierkreiszeichen "Widder" (Aries), und der Widder war eins der wichtigsten "heiligen" Symbole des ägyptischen Kultes.
Nach 210 Jahren der Unterwerfung unter die Pharaos wurde den Israeliten plötzlich von Moses verkündet, dass G-tt sie befreien würde – unter einer Bedingung: "Ziehet zurück und nehmt euch ein Lamm für eure Familien, und schlachtet das Pessachopfer".
Zahlreiche Juden hatten sich assimiliert und waren vollständig in der ägyptischen Kultur und Religion aufgegangen. Mit dem Gebote "ziehet zurück" wurde ihnen bedeutet, dass sie sich vom Götzenkult des Landes "zurückziehen" und diesen absolut verwerfen sollten, indem sie G-tt das den Ägyptern heilige Lamm opferten. Es genügt nicht, wenn man dem ägyptischen Götzendienst bloß in seinem Herzen entsagt, oder auch in der häuslichen Zurückgezogenheit, heimlich und verstohlen. Nein, dieses muss in aller Öffentlichkeit geschehen, ohne Furcht, und bis zur kleinsten und letzten Einzelheit – so wie es mit dem Pessachopfer in die Tat umgesetzt wurde. Wenn es auf diese Weise geschieht, dann – so versichert Moses dem Volke im Namen G-ttes – wird die Befreiung kommen, nicht zu einer Zeit, da die Naturkräfte schlafen und verborgen liegen, sondern genau im Frühlingsmonat, wenn die Natur ihre größten Kräfte offenbart.
Schabbat Schalom
In der entscheidenden Nacht der letzten Plage, der Tod der Erstgeborenen, welche den Auszug aus Ägypten zur Folge hatte, sollten die Kinder Israels das Pessachopfer darbringen. Die Darbringung des Pessachopfers ist ein Gebot, das zur Zeit des Tempels jedes Jahr erfüllt wurde und dennoch gab es ein Detail darin, das nur beim ersten Mal in Ägypten vorkam: Jede Familie sollte sein Schaf bereits vier Tage vor seiner Darbringung zu sich nach Hause nehmen.
Die dieswöchige Parascha Bo enthält insgesamt zwanzig Mizwot, wovon die meisten den Auszug aus Ägypten betreffen. Die erstgenannte Mizwa in diesem Wochenabschnitt betrifft jedoch eine viel allgemeinere Angelegenheit, nämlich die Festlegung des Neumondes. Zugleich ist dies die erste Mizwa der Tora, die sich an die gesamte Gemeinde Israels und nicht nur an das jüdische Individuum richtet. Warum eigentlich?
Erfahren Sie die Antwort auf diese scheinbar einfache Frage im Lichte der Geschichte, des jüdischen Rechts und der Kabbala.
Die Beachtung des jüdischen Gesetzes hängt oft von der Zeit ab. Viele Mizwot können nur zu ganz bestimmten Tages-, bzw. Nachtzeiten ausgeführt werden.
Ein Jude ist jeder, der von einer jüdischen Mutter geboren wurde und nach Halacha (jüdisches Gesetz) zum Judentum konvertiert ist.