Obdachlosigkeit ist eines der bedauerlichsten sozialen Phänomene. Unabhängig davon, wie mittellos ein Mensch sein mag, bietet ein Zuhause stets ein notwendiges Gefühl der Sicherheit und Zugehörigkeit. Tatsächlich ist das Bedürfnis nach einem Zuhause so groß, dass es im Talmud heißt: „Wer kein Zuhause hat, ist kein Mensch.“ Physisch mag man vielleicht ohne Zuhause überleben können, aber emotional gesehen ist ein Zuhause das grundlegendste menschliche Bedürfnis.

Es versteht sich von selbst, dass es bei Obdachlosigkeit nicht darum geht, wo man sich gerade befindet. Man kann bei der Arbeit sein, Freunde besuchen, im Stau stehen oder Tausende von Kilometern von zu Hause entfernt im Urlaub sein – es geht nicht darum, wo man sich befindet, sondern um das Wissen, dass es einen kleinen Ort auf der Welt gibt, den man sein Eigen nennen kann und der einem die Geborgenheit eines Zuhauses vermittelt. (Meine Mutter wiederholt oft den Spruch: „Zuhause ist der Ort, der dich aufnehmen muss, wenn dich sonst niemand aufnimmt.“) Ein Ort, an dem man sich entspannen und so sein kann, wie man möchte.

Dies, erklärt der Rebbe, ist das Besondere an der Mizwa der Sukka. Normalerweise sind wir mit einer bestimmten Mizwa (und durch die Mizwa mit demjenigen, der die Mizwa geboten hat) verbunden, solange wir tatsächlich an ihrer Ausführung beteiligt sind. Die Sukka bildet jedoch eine Ausnahme. Sieben Tage lang sind wir dazu verpflichtet, in einer Sukka zu wohnen; sieben Tage lang wird die heilige Hütte der Sukka zu unserem Zuhause. Und wie oben erläutert, beschränkt sich die Verbindung eines Menschen zu seinem Zuhause nicht auf die Zeit, die er dort verbringt. Es handelt sich um eine stets vorhandene Verbindung.

Sieben Tage lang sind wir eng mit einer Mizwa verbunden, unabhängig davon, wo wir uns befinden oder was wir tun. Und es handelt sich nicht um eine nebensächliche Verbindung – genauso wie unsere Beziehung zu unserem Zuhause niemals nebensächlich ist, sondern grundlegend für unsere Identität.


Vielleicht können wir die Lehre der Sukka noch einen Schritt weiterführen.

Rosch Haschana und Jom Kippur liegen gerade hinter uns. Das Thema dieser Feiertage sowie des vorangehenden Vorbereitungsmonats Elul ist Teschuwa – was normalerweise mit „Umkehr” übersetzt wird, dessen wörtliche Bedeutung jedoch „Rückkehr” ist. Nach einem Jahr des Umherirrens und Umhertreibens kehren wir zurück. Zurück in die Arme unseres Vaters, zurück zu unserem wahren Zuhause, zurück an den Ort, an den wir immer gehört haben.

Eine Sache habe ich von G‑tt erbeten, diese eine suche ich: Dass ich alle Tage meines Lebens im Hause G-ttes sitzen darf, um die Freundlichkeit G-ttes zu schauen. – König David, Psalmen 27:4

Doch nun winkt uns ein weiteres Jahr. Wieder einmal werden wir gezwungen sein, unser Zuhause für eine längere Reise zu verlassen. Eine beängstigende Aussicht, ein bedrückender Gedanke für jemanden, der gerade seinen kurzen Aufenthalt zu Hause genießt.

Hier kommt die Botschaft der Sukka ins Spiel: Unser inneres GPS wird immer mit dem Pfeil in Richtung Heimat zeigen. Sobald wir festgestellt haben, wo unser wahres Zuhause ist, verlieren wir nie unsere Verbundenheit mit ihm, egal wo wir uns befinden.

Was auch immer in diesem neuen Jahr kommen mag, egal wie weit uns das Leben von zu Hause wegführt, unser inneres GPS wird immer in Richtung Heimat zeigen. Und dieses Wissen wird uns Gelassenheit und Sicherheit geben.

Und wir müssen nicht bis zum nächsten Rosch Haschana warten, um zurückzukehren. Nehmen Sie sich jeden Tag etwas Zeit, um nach Hause zu entfliehen – sei es beim Morgengebet in der Synagoge oder auch nur für die wenigen Sekunden, die Sie brauchen, um einen Segen über einen Apfel zu sprechen, in den Sie gleich beißen werden.

Wenn das die beruhigende Lektion ist, die wir aus dem Laubhüttenfest lernen, ist es kein Wunder, dass es der fröhlichste aller Feiertage ist! Gibt es etwas Erhebenderes als das Wissen, dass man niemals heimatlos ist?