Dwarim
Lieber Leser,
mit der dieswöchigen Sidra beginnen die Vorlesungen aus dem fünften Buche der Tora – Dwarim (Deuteronomium). Darin wird dargestellt, wie Moses zusammen mit dem Volke auf die mannigfachen Ereignisse während ihrer 40jährigen Wüstenwanderung zurückblickt. Eine der Begebenheiten, auf die Moses sich im heutigen Wochenabschnitte ganz besonders bezieht, ist die Episode bezüglich der 12 Kundschafter, die er ausgesandt hatte, um das Land Kanaan zu erkunden. Von ihrer Mission zurückgekehrt, hatten zehn von ihnen die Israeliten vom Einzug in das Land abzubringen versucht. "Es ist ein Land, das seine Bewohner verschlingt", hatten sie gesagt.
Wie konnten die Kundschafter es wagen, den Israeliten mit ihrer Beschreibung der stärke Kanaans Angst einzujagen? Hatten sie nicht alle persönlich die großen Wunder miterlebt, die G-tt für sie bei ihrem Auszuge aus Ägypten getan hatte, und danach tägliche Wunder in der Wüste?
Der Chassidismus legt die folgende Erklärung für die Worte der Kundschafter vor, und damit gewährt er gleichzeitig ein tieferes Verständnis für ihre Motive: Die Kundschafter vertraten die Ansicht, die einzige für das jüdische Volk mögliche Lebensweise sei diejenige, der sie gerade um jene Zeit folgten. Völlig von der übrigen Welt isoliert, hatten sie keine andere Wahl, als sich für ihren Unterhalt auf Wunder zu verlassen. Nach ihrem Einzug in Kanaan dagegen würde sich ihre Lebensweise radikal ändern. Fortan würden sie unter normalen, nicht unter übernatürlichen Bedingungen zu leben haben; und um ihren Lebensunterhalt zu finden, würden sie arbeiten müssen.
In einer solchen Situation aber, so behaupteten die Kundschafter, könnte man kein gesetzestreuer Jude sein. Das war es, was sie meinten, als sie sagten: "Es ist ein Land, das seine Bewohner verschlingt." Sie unterstellten damit, in Kanaan zu leben würde zur Folge haben, dass sie vom Lande "verschluckt" würden, das heißt, sie würden sich völlig in den irdischen Beschäftigungen des täglichen Lebens verlieren und darin untergehen. Unter solchen Umständen würde die Religion, notwendigerweise, einen minimalen, sehr zweitrangigen Platz einnehmen. Ihr großer Irrtum war, dass sie die übernatürliche Existenz in der Wüste als einen endgültigen Zustand betrachteten, statt zu erkennen, was er in Wirklichkeit war: Vorbereitung für das kommende natürliche und weltliche Leben in Kanaan – wo sie das Ideal eines von der Tora bestimmten Lebens verwirklichen würden.
Schabbat Schalom
Mit diesem Tora-Abschnitt beginnen wir das Buch Deuteronomium, das fünfte und letzte Buch der Fünf Bücher Moses. Moses beginnt seine letzte Ansprache fünf Wochen vor seinem Ableben. Er erinnert sich an die Geschichte der Wüstenwanderungen Israels. Er betont die Geschichte der Spione und rügt sie dafür. Er beschreibt Israels Eroberung der Emoriter und Baschaniter.
Unser Wochenabschnitt wird jedes Jahr vor dem Fasttag des Neunten Aw rezitiert. Die dazugehörige Lesung aus dem Prophetenbuch beginnt mit den Worten Die Vision des Jesaja, Sohn des Amoz und handelt von der Prophezeiung der Zerstörung des Ersten Tempels. Davon kommt auch der besondere Name dieses Schabbats – „Schabbat der Vision“.
Wie bekümmert sind Sie, wenn Sie Ihrem eigenen Ideal nicht entsprechen? Wenn Sie zu wenig gespendet haben, andere nicht respektvoll behandelt haben, böse Worte gesprochen haben, oder einen anderen spirituellen Fehler begangen haben ... werden Sie dann missmutig?
Wer auf Vaters oder Großmutters Schoss sitzend Plätzchen isst und Milch schlürft, während Geschichten einer vergangenen Zeit erzählt werden, der zementiert die Generationenverbindung auf unvergleichliche Weise.
Für die augenblicklichen "Neun Tage", die zum "Tischa beAw" hinüberleiten, ist es angebracht, frei übersetzte Auszüge aus einem Briefe zu zitieren, den der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem M. Schneerson, s.A. an einen israelischen General nach dem "Sechstage-Krieg" schrieb.
Der himmlische Befehl lautete: „Der Heilige Tempel wird zerstört, und die Juden werden aus ihrem Land vertrieben!“ Dann sagte G-tt: „Aber die westliche Mauer soll nicht zerstört werden, damit sie immer daran erinnert, dass G-ttes Herrlichkeit dort wohnt!“