Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 593, ab Tet.

[Diese Sicha wurde vor Kindern bei der Einweihung des Ferienlagers „Gan Jisrael“ gehalten.]

IX. Wir befinden uns jetzt in den Tagen von Jud-Bet Jud-Gimmel Tammus.1 Dies sind die Tage der Befreiung des Rebben aus dem Gefängnis nach seiner Verhaftung wegen der Verbreitung von Tora und Mizwot.

Der Rebbe setzte sich über alle Schwierigkeiten und Hindernisse hinweg und setzte seine Arbeit fort. Am Ende triumphierte er und wurde freigelassen. Dies ist für jeden von uns eine Lehre, im Studium von Tora und der Einhaltung von Mizwot stark zu bleiben. Wir dürfen nicht davon ablassen, auch wenn wir mit allen möglichen Hindernissen konfrontiert werden, und am Ende werden wir triumphieren.

X. Unter den Themen, die der Rebbe bei verschiedenen Gelegenheiten erörtert hat, gibt es viele, die mit Kindern zu tun haben, und ich werde jetzt einige davon aufzählen.

Dieses Lager trägt den Namen Gan Jisrael (Garten Israels). Jisrael ist der Name für alle Juden. Alle Juden werden mit dem Namen Jisrael bezeichnet.2 Dies war auch der persönliche Name des Ersten, der Chassidut in der Welt verkündete. Er hieß Jisrael, und später wurde er unter dem Titel Baal Schem Tow bekannt.

Der Rebbe erzählte3 das Folgende. Als der Baal Schem Tow ein Kind von fünf Jahren war, sagte sein Vater zu ihm: „Mein liebes Kind, fürchte dich vor niemandem außer vor G-tt. Liebe jeden einzelnen Juden mit der ganzen Inbrunst deiner Seele, egal wer er ist oder was er sein mag.“

Der Baal Schem Tow verfolgte dann sein heiliges Werk sein ganzes Leben lang mit diesen beiden Prinzipien von Jirat Haschem (Furcht vor G-tt) und Ahawat Jisrael (Liebe zu Israel).

Da der Rebbe uns diese Begebenheit erzählte, folgt daraus, dass sie eine Lektion für uns alle und natürlich auch für Kinder darstellt: Die beiden erwähnten Prinzipien müssen das Licht sein, das uns unser ganzes Leben lang leitet.

XI. Manche, auch Kinder, fragen: Wie ist es möglich, dass sich ein so junges Kind vor nichts anderem fürchtet als vor G-tt? Eine Antwort findet sich in einer Lehre des Schülers des Baal Schem Tow, des Maggid von Mesritsch:4

Ein Vater ist viel gebildeter und weiser als sein Kind. Dennoch wird er die Liebe zu seinem Kind dadurch zum Ausdruck bringen, dass er sein höheres Niveau zurückhält und sich auf die kleinen Dinge des Kindes herablässt, so dass sogar das Kind auf seinem niedrigeren Niveau die Liebe des Vaters verstehen kann.

Genauso verhält es sich mit dem jüdischen Volk, den Kindern G-ttes:5 Der Allmächtige „bückt sich“ zu ihnen und versorgt sie mit allem, was sie brauchen, auch mit materiellen und „kleinen Dingen“, und er schützt sie vor allem. Es gibt also überhaupt keinen Grund, sich vor irgendetwas auf der Welt zu fürchten.

XII. Andererseits kann die Tatsache, dass das jüdische Volk die Kinder G-ttes sind, möglicherweise zu Arroganz führen. Man könnte argumentieren: „Da ich das Kind dieses großen G-ttes bin, kann ich alles tun, was ich tun will, und der Allmächtige wird mir sicher vergeben!“

In diesem Zusammenhang erzählte der Rebbe6 eine Begebenheit mit dem Alten Rebben, dem Ersten, der die Chabad-Chassidut der ganzen Welt bekannt machte:

Wenn ein Kind anfängt, Chumasch zu lernen, ist es üblich, mit Paraschat Wajikra zu beginnen.7 Als also einer der Enkel des Alten Rebben drei Jahre alt wurde8 und Paraschat Wajikra lernte, fragte er seinen Großvater: „Warum wird das Wort Wajikra mit einem kleinen Alef geschrieben?"9

Der Alte Rebbe antwortete, dass jeder Jude mit einzigartigen Talenten geboren wird, und mit Sicherheit auch Mosche Rabbenu, unser Meister Mosche. Dennoch war Mosche sehr bescheiden10 und betrachtete sich selbst als „klein“ und unbedeutend – ein „kleines Alef11 (im Gegensatz zu dem großen Alef, das bei Adam12 geschrieben ist). Gerade deshalb hat Mosche die höchsten Leistungen verdient: Er hat die Tora empfangen, er hat das jüdische Volk aus Ägypten geführt, und er wird es auch aus der letzten Galut, der jetzigen,13 mit der wahren und endgültigen Erlösung befreien.

Auch das ist eine Lektion für alle Juden: Man muss demütig sein und alles tun, was G-tt befiehlt, unabhängig davon, ob man es gerne tut oder nicht. Allein die Tatsache, dass es ein Gebot des Allmächtigen ist, beweist, dass es gut sein muss.

XIII. Dennoch gibt es einen Jezer haRa, eine böse Neigung, die den Menschen stört. In diesem Zusammenhang verwies der Rebbe14 auf den Rat des Sohnes des Alten Rebben, des Mittleren Rebben, wie man den Jezer haRa leichter überwinden kann:

Besprecht das Problem, den Jezer haRa zu bekämpfen, mit einem jüdischen Freund, einem Maschpia oder mit deinem Tora-Lehrer. Auf diese Weise werden zwei Jezer Tow – zwei G-ttliche Seelen – gegen einen Jezer haRa (eine natürliche Seele) antreten; und ihr wisst sehr gut, dass in einem Kampf von zweien gegen einen die beiden siegen werden.

XIV. (Der Rebbe bat die Kinder, Ani Ma-amin zu singen, und fuhr dann fort:)

Um all das, was oben erwähnt wurde, zu verdienen, wurde uns die Mizwa von Tefilla, das Gebet, gegeben.

Im Gebet bitten wir G-tt, uns alle unsere Bedürfnisse zu geben. Daher ist es wichtig, die Bedeutung der Worte im Gebet zu kennen, oder – im Falle von sehr kleinen Kindern – zumindest zu wissen, worum es im Gebet geht.

So erzählte der Rebbe,15 dass sein Urgroßvater (der Zemach Zedek) die Lehrer seiner kleinen Enkelkinder anwies, ihnen auch die Bedeutung der Gebetsworte beizubringen. Ungeachtet des vollen Terminkalenders des Zemach Zedek prüfte er seine Enkelkinder einmal im Monat, um zu sehen, ob sie wissen und verstehen, was sie in ihren Gebeten sagen.

XV. Im Schemone Esre, dem Hauptgebet, lautet unsere erste Bitte:16 „Gewähre uns ... Weisheit, Kenntnis und Wissen.“ Wir bitten den Allmächtigen, uns Intelligenz zu geben. Ein weiser Mensch kennt das Wichtigste, nämlich den Sinn des Lebens.

XVI. So erzählte der Rebbe,17 wie sein Großvater (der Rebbe Maharasch) seinen Kindern (als sie noch recht jung waren) erklärte, dass jeder Jude sich ein Ziel im Leben setzen muss, ein Ziel, das über Essen, Trinken, Schlafen und Spielen hinausgeht: ein Ziel, sich nach dem Willen G-ttes zu richten.

XVII. Mit all dem verbunden ist eine Regel, die man immer im Auge behalten muss. Diese Regel wurde vom Vater des Rebben (Rebbe Raschab) ausgedrückt, als er zum Rebben (der damals ein Kind von vier Jahren war) sagte:18 G-tt hat dem Menschen zwei Augen gegeben, damit er seine Spielsachen und Süßigkeiten mit dem „linken Auge“ betrachtet und einen Mitjuden mit dem „rechten Auge“ – das heißt, um seine guten Eigenschaften zu sehen.

Die Akzeptanz dieser Prinzipien verleiht euch die Fähigkeit zu gutem Verhalten, das ihr immer weiter verbessern solltet, damit alle mit euch zufrieden sind, vor allem eure Eltern und Lehrer.

XVIII. Die Tora sagt, dass der Mensch mit einem Baum verglichen wird.19

Bei einem Baum können wir sehen, dass jede gute Veränderung oder Anpassung des Samens, wie klein auch immer, sich in dem Baum widerspiegelt, der aus ihm wächst: Der Baum wird viel besser wachsen und ein großer, guter Baum werden, der viele gute Früchte trägt.

So ist es auch bei einem Menschen. Jede noch so kleine Verbesserung bei einem Kind wird sich in einer viel größeren Verbesserung niederschlagen, wenn das Kind älter wird. Wie viel mehr noch, wenn es eine große Verbesserung gibt, während man noch jung ist.

Möge der Allmächtige euch Erfolg gewähren, damit ihr alles befolgt, was erwähnt wurde. Ihr solltet immer höher und besser werden, bis wir mit euch sehr bald zum Maschiach gehen und sagen werden: „Sieh diese Kinder, die wir aufgezogen haben; sie sind würdig, Soldaten des Maschiach zu sein!“

Der Maschiach wird sehr bald kommen, in unseren Tagen, und uns von der Galut durch die wahre Erlösung erlösen. Amen.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am 15. Tammus 5717)