I. Wir erfahren, dass die Konfrontation mit Simri in Anwesenheit von Mosche, den Söhnen Aarons und den Ältesten stattfand,1 doch keiner wusste, wie er reagieren sollte. Pinchas war in dieser Versammlung von untergeordnetem Rang.2 (Dies ergibt sich aus der Beschreibung der Gemara über die Reihenfolge, in der Mosche Israel die Tora lehrte: Zuerst lehrte er Aaron, dann Elasar und Ithamar, dann die siebzig Ältesten und schließlich das ganze Volk.3 Pinchas lernte also zusammen mit dem Volk.) Trotzdem trat er vor und erklärte, dass der Fall Simri dem Gesetz unterliege: „Eiferer dürfen ihn niederstoßen.“ Daraufhin wurde ihm gesagt: „Wer den Brief liest, soll der Beauftragte [für die Ausführung des Inhalts] sein.“4
Diese Begebenheit enthält eine Lektion:
Manchmal geschehen Dinge, über die die Anführer der Generation schweigen. Das bedeutet nicht, dass nichts unternommen werden soll. Es bedeutet auch nicht, dass dieses Schweigen als Argument benutzt werden kann, um sich von dem Ereignis zu distanzieren. Im Gegenteil: Wenn man weiß, dass man etwas tun kann, ist man verpflichtet, es zu tun. Die Tatsache, dass andere, die größer sind als man selbst, nichts sagen, kann sehr wohl dazu dienen, dass „Pinchas das Priestertum erwirbt.“5 Mit anderen Worten, das Ereignis kann eine besondere Bedeutung für einen selbst haben: Es gehört zu den Dingen, die man läutern und korrigieren muss, um die eigene Vollkommenheit zu erreichen.
Auf der physischen Ebene hat jeder seinen eigenen Anteil, und „Niemand darf den Lebensunterhalt eines anderen antasten.“6 Genauso ist es auf der spirituellen Ebene, und selbstverständlich sogar noch um so mehr: Jeder hat seinen persönlichen Anteil an der Tora und an der Einhaltung von Mizwot, die er zu erfüllen hat, und „Niemand darf den Lebensunterhalt eines anderen antasten.“
[Deshalb sagen wir: „Gib uns unseren Anteil an Deiner Tora.“7 Dies bezieht sich nicht nur auf das Verständnis der Tora, sondern auch auf die Entdeckung neuer Einsichten in ihr.8 So berichtet die Gemara,9 dass Rabbi Akiwa einmal eine gesetzliche Regelung vortrug, die Mosche nicht kannte.]
Was den Grundsatz betrifft: „Wenn er verdienstvoll ist, nimmt er seinen eigenen Anteil und den eines anderen“,10 so bezieht sich dies auf Gan Eden, das Leben nach dem Tod, auf die Belohnung für Mizwot. Was jedoch die Mizwa selbst betrifft, die selbst über die Belohnung für ihre Erfüllung hinausgeht,11 so hat jeder seinen eigenen Anteil.
Daraus folgt, dass der Grund dafür, dass niemand anderer etwas in bestimmten Angelegenheiten unternimmt, darin liegen kann, dass es sich um etwas handelt, das einen selbst betrifft, dass es einem selbst obliegt, das Ergebnis zu bewirken.
II. Von Pinchas wird gesagt: „Pinchas ist Elijahu.“12 Diese Aussage wird in Frage gestellt angesichts der Tatsache, dass Pinchas dem Propheten Elijahu vorausging; daher wäre es angemessener zu sagen: „Elijahu ist Pinchas!“13 Das Paradoxon wird im Zusammenhang mit einer Stelle im Sohar14 aufgelöst, die besagt, dass Elijahu tatsächlich Pinchas vorausging, nur dass er damals kein Mensch, sondern ein Engel war. Deshalb heißt es: „Pinchas ist Elijahu.“15
Für die Awoda des Menschen ergibt sich daraus Folgendes:
Es wurde oben gesagt, dass man nicht darauf achten sollte, was andere tun oder unterlassen. Wenn sich eine Gelegenheit ergibt, etwas zu tun, muss man es tun. Auf die Frage: „Woher soll man die Kraft dazu nehmen?“, wird uns gesagt: „Pinchas ist Elijahu!“ Wenn der Allmächtige eine Person in eine Situation bringt, die Mesirat Nefesch erfordert, erhält diese Person auch die notwendigen Fähigkeiten16 und kann sogar mit einem Funken von jemandem durchdrungen sein, der kein Mensch ist.
III. Dies ist eine Lektion für alle jungen Menschen in unserer Zeit. Man darf nicht in Kategorien wie „Er oder sie kann die Arbeit erledigen“ denken. Man muss sich bewusst sein, dass alles, was auf einen zukommt, zum eigenen Anteil gehört. Man hat die Fähigkeiten, damit umzugehen, und muss dies mit Mesirat Nefesch tun.
Der Rebbe sagte, dass Mesirat Nefesch nicht bedeutet, auf ein Dach zu steigen und sich – G-tt bewahre – hinunter zu stürzen. Mesirat Nefesch muss ohne Lärm und Hektik sein, denn „der Ewige ist nicht im Tumult.“17 Mesirat Nefesch muss alle Aktivitäten unseres täglichen Lebens durchdringen – „die Ohren zuhalten ... und die Augen schließen ...“18 Auch für die Tora muss es Mesirat Nefesch geben: nicht die Tora zu sich nahezubringen, sondern sich selbst zur Tora nahezubringen. Mit einem wirklich aufrichtigen Willen wird man Erfolg haben.
Dem Beispiel von Mesirat Nefesch von Pinchas zu folgen, wird auch bewirken, dass „Pinchas ist Elijahu“ – d. h., derjenige, der die Erlösung verkündet.19 Mit anderen Worten, die gesamte gegenwärtige Awoda ist eine Vorbereitung auf Maschiach, um diese Welt in ein Heiligtum für G-tt zu verwandeln.
(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Jud-Bet Tammus 5714)
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