Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 597, ab Jud-Tet.

XIX. Jud-Bet Tammus, das chassidische Fest im jetzigen Monat Tammus, ist der Tag der Befreiung des Rebben aus der Gefangenschaft wegen der Verbreitung des Judentums.

Bar-Mizwa ist der Zeitpunkt, an dem ein Jude seine Reife erreicht. Als der Rebbe Bar-Mizwa wurde, sagte ihm sein Vater, der auch sein Mentor war, er solle eine Frage stellen. (Dies war bei allen Rebbes seit den Tagen des Alten Rebben üblich.)1

Der Rebbe fragte dann, warum es im Siddur des Alten Rebben heißt, dass man vor dem Gebet sagen soll: „Ich nehme hiermit das positive Gebot ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst‘ auf mich“:2 Was ist der Zusammenhang zwischen dieser Mizwa und dem Gebet? Wenn sie uns lehren soll, dass man sich jeden Tag als erstes mit seinen jüdischen Mitmenschen verbinden soll, dann sollte man es doch früher sagen, mit den Segenssprüchen am Morgen, und nicht bis zum Beginn des regulären Morgengebets warten!

Sein Vater erklärte, dass man im Gebet um alle Bedürfnisse bittet. G-tt ist der Vater im Himmel für alle Juden, ob jung oder alt, männlich oder weiblich.

Wenn man einen Vater um etwas bittet, sollte man zuerst etwas tun, um ihm zu gefallen. Es gibt für einen Vater kein größeres Vergnügen, als zu sehen, wie seine Kinder harmonisch und in brüderlicher Liebe miteinander umgehen:3 Obwohl es viele Kinder gibt, von denen sich jedes vom anderen unterscheidet, liebt jedes den anderen wie sich selbst – „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“

Deshalb soll man diese Mizwa unmittelbar vor dem Gebet auf sich nehmen.

Diese Begebenheit markierte den Beginn des Lebens des Rebben als reifer Jude, und sie diente als Vorbereitung für seine zukünftige Führungsrolle.

Die Tatsache, dass der Rebbe uns von diesem Vorfall erzählt hat, zeigt zweifellos, dass er auch für jeden von uns eine Lehre darstellt. Jeder von uns hat einen gewissen Einfluss und eine gewisse Autorität über einen bestimmten Kreis, sei es nur über seine Familie oder zumindest über sich selbst. So muss jeder zu Beginn seiner Arbeit an sich selbst und als Einführung in seine besondere Form der „Führung“ wissen, dass der erste Schritt und die Vorbereitung, wenn man um den G-ttlichen Segen für den Erfolg in diesen Bereichen bittet, eine liebevolle Verbindung mit jedem Juden ist.

Dies wird die Vorbereitung und das Instrument sein, damit der Allmächtige die eigenen Bitten erfüllt. Denn Frieden ist das Gefäß, das sowohl materiellen als auch geistigen Segen enthält.4

XX. Dieser Grundsatz bezieht sich in besonderer Weise auf die heutige Zeit.

Wir befinden uns jetzt inmitten der „Drei Wochen“, in denen wir uns an den Churban und die Ereignisse erinnern sollen, die Bejn haMezarim stattfanden.5

Unsere Pflicht, uns an diese Ereignisse zu erinnern, besteht offensichtlich nicht nur darin, ein gutes Gedächtnis zu haben, sondern auch darin, eine Lektion für unser gegenwärtiges Verhalten und Handeln abzuleiten.

Was sollen wir aus dem Gedenken und der Trauer um den Churban lernen?

In erster Linie müssen wir die eigentliche Ursache des Churban aufheben.

Unsere Weisen sagen uns, dass der Churban durch Sinat Chinam, grundlosen Hass, verursacht wurde.6 Daher müssen wir diese Ursache beseitigen: Sinat Chinam (grundloser Hass) wird durch Ahawat Chinam (grundlose Liebe) beseitigt.7

Jeder Jude muss geliebt werden – Chinam, ohne Einschränkung. Das gilt sogar für jemanden, der dir nie einen Gefallen getan hat, und den du nie um einen Gefallen bitten musst. Es gilt sogar für einen Juden, den man nie getroffen oder gesehen hat,8 und sogar für einen, der Chinam ist,9 für den man keinen Grund, keine positive Eigenschaft finden kann, die Gefühle der Liebe rechtfertigen würde; auch eine solche Person muss man lieben.

Diese Liebe, dieser Friede und diese Einheit, ist das Gefäß des Segens, einschließlich des größten Segens, dass G-tt uns bald unseren gerechten Maschiach schickt, um uns mit der vollständigen und endgültigen Erlösung zu erlösen.

XXI. Möge der Allmächtige gewähren, dass jeder Einzelne von uns sich in dieser Richtung bemüht. Dies wird dann „Pinchas ist Elijahu“10, d. h. den Propheten Elijahu, den Vorboten der Erlösung, hervorbringen.11 Denn in der jetzigen Parascha heißt es von Pinchas: „Siehe, Ich gebe ihm Meinen Friedensbund“12, was auch zu dem Grundsatz „Pinchas ist Elijahu“ gehört:13

Pinchas bedeutet „Mein Bund des Friedens“, d. h. Frieden und Einheit zwischen einem Juden und einem anderen, und er wird mit Elijahu identifiziert;14 d. h., dieser Friede wird sehr schnell den Propheten Elijahu bringen, um zu verkünden, dass wahrlich schon morgen15 der Maschiach kommen wird, um uns mit der endgültigen Erlösung zu erlösen.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am 21. Tammus 5721)