Die folgende Sicha stammt aus den Ergänzungen von Bd. II, S. 591, ab Daled.

IV. „Und es begab sich im dreißigsten Jahr ...“1

Jeder Monat hat seine einzigartigen Aspekte. Einige davon sind für den ganzen Monat von zentraler Bedeutung, und in manchen Monaten sind diese Aspekte für das ganze Jahr von zentraler Bedeutung.

Ein Monat ist ein Zeitkonzept, und jeder Aspekt in einem Monat hat seine eigene Zeit, in der er sich manifestiert.

Was den Monat Tammus betrifft, so gab es bis vor dreißig Jahren nur die Manifestationen negativer Dinge, die in diesem Monat geschahen.2 Vor dreißig Jahren (im Jahr 5687) gab es jedoch eine Manifestation des positiven Inhalts dieses Monats: die Tage der Erlösung des 12.-13. Tammus, mit der damit verbundenen Stärkung von Tora und Mizwot.

Die Erlösung des 12.-13. Tammus ist zweifellos ein zentraler Aspekt. Wie der Rebbe (in seinem Brief zur Feier des ersten Jahrestages3 ) feststellte, war es keine Befreiung für eine einzelne Person, sondern für alle, die sich um unsere heilige Tora kümmern, die Mizwot befolgen und sogar für jeden, der einfach „den Namen Jisrael annimmt.“4

Tora und Mizwot stellen den eigentlichen Zweck der gesamten Schöpfung dar.5 Die Erlösung des 12.-13. Tammus bedeutet daher eine Erlösung für alle Aspekte des Schöpfungsprozesses, einschließlich der erhabensten Manifestationen bis hin zur letztendlichen Essenz. Da Tora und Mizwot der Zweck von allem sind, folgt daraus, dass die Tage des 12.-13. Tammus eine Erlösung für all diese Aspekte bis hin zur letztendlichen Essenz brachten.

V. Alle Aspekte eines Monats beginnen zu wirken am Schabbat Mewarchim, dem vorangehenden Schabbat, an dem der Monat gesegnet wird. Außerdem sagten unsere Weisen,6 dass „alle Tage durch den [vorangehenden] Schabbat gesegnet werden.“7 Das schließt auch den Tag von Rosch Chodesch, den Monatsanfang, ein, der alle Tage des Monats zusammenfasst. Dieser Schabbat, Schabbat Mewarchim [von Tammus], markiert also den Beginn der Erlösung des 12.-13. Tammus.

Tatsächlich liegt der eigentliche Beginn noch früher, wenn auch nur als Potenzial: Unsere Weisen führen den Grundsatz an, dass der Heilige, gesegnet sei Er, die Heilung vor dem Leiden vorbereitet.8 Da die Gefangenschaft in der Mitte von Siwan stattfand, muss die Erlösung also vorher vorbereitet worden sein.

VI. Alles, was gesagt wurde, gilt jedes Jahr aufs Neue. Jedes Jahr werden die Dinge erneuert. So heißt es in den Schriften von R. Jizchak Luria,9 in einem Kommentar zu dem Vers „Diese Tage bleiben in Erinnerung und werden gefeiert“:10 Mit dem „bleiben in Erinnerung “, d. h., wenn diese Tage richtig in Erinnerung gerufen werden, gibt es auch das „werden gefeiert“, und so kehren alle [ursprünglichen] Wirkungen und Ausstrahlungen dieser Tage wieder und werden [an ihrem Jahrestag] erneut gefeiert.11

Dennoch ist dies nur so wie die Erneuerung von etwas Altem. Es handelt sich nicht um ein ursprüngliches, neues Ereignis, wie es beim ersten Mal der Fall war.

Zwar heißt es im Iggeret haKodesch,12 dass jedes Jahr eine ganz neue Erleuchtung zum Vorschein kommt, die es vorher nicht gegeben hat. Jedes Jahr gibt es also neue Aspekte. Diese sind jedoch in Relation zu den früheren zu sehen: Die früheren Aspekte werden von einem neuen Licht durchdrungen, was bedeutet, dass es sich nur um eine Erneuerung des Alten handelt.

VII. Eine „Erneuerung des Alten“ ist selbst einer Reihe von Variationen unterworfen. Das Verstreichen bestimmter Zeitabschnitte nach dem Ereignis, wie z. B. ein oder mehrere Jahrzehnte usw., markiert eine größere Ausstrahlung und Veränderung, die sich von der jährlichen Auswirkung und Erneuerung gänzlich unterscheidet.

Dieses Konzept ist analog zu den Unterscheidungen in der Mischna13 von „Mit zwanzig Jahren ... mit dreißig Jahren ... mit vierzig Jahren ...“: Jedes Jahrzehnt bringt etwas Neues mit sich.14 Dies kann im Zusammenhang mit dem in Pardes Rimonim15 dargelegten Prinzip erklärt werden, dass alles in einer Zehnerfolge angeordnet ist, die den zehn Sefirot entspricht. Das Gleiche gilt für den heutigen Tag [30. Jahrestag der Erlösung am 12.-13. Tammus].

In der Zehnerskala selbst wird der Zahl Dreißig eine besondere Bedeutung beigemessen. Der Zemach Zedek interpretiert16 den Vers „Und es begab sich im dreißigsten Jahr“ so, dass er der Verbindung der zehn Kelim, der zehn Orot Pnimijim und der zehn Orot Makifim entspricht, die alles miteinander verbinden.17

Daraus folgt, dass die Vollendung von dreißig Jahren seit der Erlösung einen neuen Aspekt dieser Erlösung markiert, der erhabener und umfassender ist als zuvor.

VIII. Vieles wurde bisher in Sachen Tora und Mizwot durch diese Erlösung erreicht. Ab jetzt und darüber hinaus ist dies jedoch nicht mehr genug. Neue und größere Aspekte der Erlösung haben sich jetzt manifestiert, und das bedeutet, dass es auch immer größere Errungenschaften und Manifestationen in Sachen Tora und Mizwot geben muss.

Tora und Mizwot drücken sich auf drei Arten und Weisen aus: „Tora, Awoda (Dienst an G-tt) und Gemilut Chassadim (Ausüben von liebender Güte und Wohltaten durch Wort und Tat).“18 Das bedeutet also, dass der Aspekt von Tora, der Aspekt von Awoda und der Aspekt von Gemilut Chassadim gesteigert werden muss.

Die Fähigkeit und Energie dazu ist ab Schabbat Mewarchim vorhanden. Denn am Schabbat Mewarchim werden alle Tage des kommenden Monats gesegnet, „zum Leben und zum Frieden ...“, d. h. alle im Gebet zur Segnung des Monats aufgezählten Ausdrücke und Facetten. Dazu gehört auch der Segen und die Fähigkeit, Tora und Mizwot zu verbessern.

Awoda mit Tora und Mizwot wird in der Tat sehr schnell die Offenbarung der endgültigen Erlösung durch unseren gerechten Maschiach herbeiführen.

(Adaptiert aus einer Sicha gehalten am Schabbat Paraschat Korach 5717)