III. In mystischen Texten1 heißt es, dass zwischen Bilam und Amalek eine innere Verbindung besteht. Eine Anspielung darauf ist zu sehen, wenn man diese beiden Namen untereinander schreibt, Bilam oben und Amalek direkt darunter: Wenn man die ersten beiden Buchstaben von Bilam (Bet-Lamed) mit den ersten beiden Buchstaben von Amalek (Ajin-Mem) direkt darunter kombiniert, erhält man: Bilam; und wenn man die restlichen beiden Buchstaben von Bilam (Ajin-Mem) mit den restlichen beiden Buchstaben von Amalek (Lamed-Kuf) direkt darunter kombiniert, erhält man: Amalek.
Wir können uns von der Kelipa von Bilam und Amalek befreien durch Ahawa (Liebe [zu G-tt]) und Jira (Furcht, Ehrfurcht [vor G-tt]). Ahawa und Jira haben eine analoge Beziehung, wie man sieht, wenn man diese beiden Wörter untereinander schreibt, Jira oben und Ahawa direkt darunter: Wenn man die ersten beiden Buchstaben von Jira (Jud-Resch) mit den ersten beiden Buchstaben von Ahawa (Alef-He) direkt darunter kombiniert, erhält man: Jira; und wenn man die verbleibenden beiden Buchstaben von Jira (Alef-He) mit den verbleibenden beiden Buchstaben von Ahawa (Bet-He) direkt darunter kombiniert, erhält man: Ahawa.
Was bedeutet das?
Amalek konnte gegen Israel Krieg führen, weil dieses Volk von Esaw abstammte. Amalek argumentierte, dass auch er ein Urenkel Jizchaks und ein Ur-Ur-Enkel Awrahams sei; daher sei auch er berechtigt, sich zu Fragen der Tora und der Heiligkeit zu äußern.
Indem Amalek eine kleine Öffnung gewährt wurde, war es möglich, dass er jemand wurde, der „seinen Meister kennt und sich dennoch absichtlich gegen ihn auflehnt.“2 Dies führte zu den Folgen von Amaleks Angriff.3
Ähnlich verhält es sich mit Bilam. Die Gemara sagt, dass Bilam von Lawan abstammte.4 Lawan argumentierte: „Die Töchter sind meine Töchter, und die Söhne sind meine Söhne ... und alles, was du siehst, ist mein!“5 Mit anderen Worten, auch er ist mit den Juden verwandt, denn das ganze Haus Israel ist aus seinen Töchtern hervorgegangen.
All dies hat eine Lektion für jede Generation:
Es kann sein, dass jemand kommt und Dinge sagt, die im Widerspruch zu Tora und Mizwot stehen. Er kann sogar seine Autorität behaupten, indem er eine Urkunde vorlegt, die beweist, dass er ein Urenkel von Jizchak und ein Ururenkel von Awraham ist. Außerdem kann er beweisen, dass er der Vorfahre derer ist, aus denen das ganze Haus Israel hervorgegangen ist.
Diesem Menschen muss klar gesagt werden: „Wir haben nur unseren Vater im Himmel! Unser einziges Kriterium für alles ist die Tora! Weder die Abstammung noch irgendetwas anderes in dieser Art ist für uns entscheidend. Die Tora ist der alleinige Prüfstein und Maßstab: Was mit der Tora übereinstimmt, ist in Ordnung; aber wenn etwas im Widerspruch zur Tora steht, selbst wenn es von Bilam oder Amalek kommt, beweist allein die Tatsache, dass es im Widerspruch zur Tora steht, dass es für uns keinerlei Bedeutung hat.“
Bei der Entscheidung über die Gültigkeit eines Vorschlags, ob er mit der Tora übereinstimmt, ist es wichtig, Folgendes zu bedenken: Wenn man von einem Gefühl der Selbstüberschätzung oder Arroganz besessen ist, kann man nicht feststellen, ob er den Vorschlag oder die Entscheidung eines anderen ablehnt, weil dies im Widerspruch zur Tora steht oder weil dies gegen seinen eigenen Stolz verstößt.
Awoda muss daher auf Ahawa (Liebe [zu G-tt]) und Jira (Furcht, Ehrfurcht [vor G-tt]) beruhen. Diese selbst müssen in der richtigen Reihenfolge sein: zuerst Jira und dann Ahawa, genau wie in der Reihenfolge der Lesung dieser beiden Begriffe, wenn sie wie oben erwähnt kombiniert werden. So heißt es im Tanja, dass Jira „der eigentliche Anfang der Awoda, ihr Kern und ihre Wurzel“ ist.6
Im Chinuch Katan von Tanja7 heißt es, dass Ahawa die Wurzel für alle positiven Gebote ist und Jira die Wurzel für alle negativen Gebote.8 Darüber hinaus unterliegen diese dem Chinuch, dem Lehren und Einprägen. Das bedeutet, dass auch jemand, der noch nicht rational denkt und verständig ist (und jeder kennt seinen eigenen Status), gelehrt und geprägt werden kann.
Eine Herangehensweise, die auf dem Bewusstsein von Ahawa und Jira beruht, schließt jede Beeinflussung durch Amalek aus – ungeachtet der Tatsache, dass Amalek von Awraham und Jizchak abstammt, und durch Bilam – ungeachtet der Tatsache, dass „‚[kein anderer Prophet wie Mosche] in Israel aufgestanden ist;‘9 in Israel ist ein solcher nicht aufgestanden, wohl aber unter den Nationen, nämlich Bilam.“10 [Zwar vergleicht Sifre Bilam mit dem Koch des Königs;11 dennoch bleibt eine Analogie bestehen.]
Das gilt selbst für den einfachsten unter den Juden: Wenn er die Reihenfolge beachtet, zuerst Jira und dann Ahawa, können Bilam und Amalek ihm nichts anhaben.
(Adaptiert aus einer Sicha gehalten an Jud-Bet Tammus 5716)
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