Ein kleiner Junge muss ausgelöst werden, wenn er der Erstgeborene ist und von israelitischen Eltern abstammt. Nun wollen wir die Bedeutung genauer untersuchen.

Erstgeborener

Der Begriff, der in der Tora für Erstgeborener benutzt wird, ist „der Öffner des Uterus“. Das bedeutet, dass das erste Kind der Mutter, wenn es männlich ist, eine Pidjon HaBen (Auslösungszeremonie) braucht, selbst wenn der Vater schon andere Kinder hat.

Wird zuerst eine Tochter geboren, brauchen die weiteren männlichen Kinder nicht ausgelöst zu werden.

War die erste Schwangerschaft der Mutter eine Totgeburt, so hat das nachfolgende Kind keine Pidjon HaBen. Hatte die Mutter eine Fehlgeburt innerhalb der ersten 40 Tage der Schwangerschaft, braucht der als nächstes Kind geborene Sohn eine Pidjon HaBen. Bei einer Fehlgeburt nach mehr als 40 Schwangerschaftstagen sollte ein Rabbiner konsultiert werden, ob das nächste Kind, soweit es ein Junge ist, als „Öffner des Uterus“ angesehen werden kann.

Die Verpflichtung zur Auslösung tritt nur in Kraft, wenn beide Eltern Israeliten sindKommt der erstgeborene Sohn durch Kaiserschnitt zur Welt, gibt es keine Pidjon HaBen, weder für ihn noch für den zweiten Sohn, selbst wenn dieser auf natürlichem Wege zur Welt kam.

Werden Zwillingsjungen geboren, wird nur der Erstgeborene ausgelöst. Bei einem Zwillingspaar wird der Junge nur dann ausgelöst, wenn er vor dem Mädchen geboren wurde.

Israelit

Die Verpflichtung trifft nur in Kraft, wenn beide Eltern Israeliten sind. Wenn entweder der Vater oder die Mutter Kohen (Priester) oder Lewit sind, ist keine Pidjon HaBen nötig.1

Wenn eine Frau zum Judentum konvertiert, selbst während sie schwanger ist, dann braucht ihr Erstgeborener eine Pidjon HaBen. Wenn eine Frau, die schon Kinder gehabt hat, konvertiert, dann braucht ihr erster jüdisch geborener Sohn nicht ausgelöst zu werden.

Wer löst das Kind aus?

Die Verpflichtung, den erstgeborenen Sohn auszulösen, liegt beim Vater. Die Mutter ist zur Arrangierung der Auslösung nicht verpflichtet. Diese Pflicht des Vater tritt in Kraft, wenn das Kind 30 Tage alt ist. Falls die Pidjon HaBen nicht zu diesem Zeitpunkt arrangiert wurde, bleibt sie bis zur Bar Mizwa des Erstgeborenen in Kraft. Hat er das Erwachsenenalter erreicht, wird diese Mizwa auf ihn übertragen. Danach ist der junge Mann selbst verpflichtet, sich von einem Kohen auszulösen, wobei ein Rabbiner wegen genauer Anleitungen für die „Selbstauslösung“ zu konsultieren ist.

Steht der Vater zur Auslösung seines Sohnes nicht zur Verfügung, weil er z.B. inzwischen verstorben oder kein Jude ist, besteht keine Verpflichtung zur Auslösung dieses Erstgeborenen. Der Junge selbst erwirbt mit seiner Bar Mizwa die Pflicht, sich auszulösen. Trotzdem können die Mutter, ein Großvater oder sogar die Jüdische Gemeinde das Kind auslösen, wobei ein Rabbiner zur Vorgehensweise bei der "vaterlosen Auslösung" zu konsultieren ist.