Mincha an Rosch Haschana beginnt mit Aschrei und U’Wa L’Zijon, gefolgt von der Toralesung (am Schabbat) oder vom Amida, das demjenigen ähnelt, das an Schacharit gesprochen wird. Nach der Wiederholung des Vorbeters, wird Awinu Malkenu rezitiert, es sei denn, es ist Freitagnachmittag oder Schabbat. Im letzteren Fall wird es weggelassen. In sephardischen Gemeinden wird Awinu Malkenu auch am Schabbat gesprochen.

Nach Mincha wird das Taschlich-Gebet gesprochen (das „Wegwerfen“ der Sünden). Es ist Brauch, zu diesem Zweck an ein Gewässer zu gehen, ans Ufer eines Flusses oder ans Meer. Wenn beide zu weit entfernt sind, reicht eine Quelle, Zisterne oder ein Behälter mit Regenwasser aus. Dabei wird der folgende Vers (Micha 7:18) rezitiert: Wer ist ein G-tt wie du, der dem Rest seines auserwählten Volkes die Sünde vergibt und über Missetaten hinwegsieht. Er behält seinen Zorn nicht für ewig, denn er ist barmherzig. Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Sünden mildern und alle unsere Missetaten in die Tiefen des Meeres werfen.

Dann folgen Verse aus der Schrift über das Mitleid und in manchen Gemeinden auch ein Gebet, das R. Chayim David Azulai (der Chida) verfasst hat. Es ist Brauch, anschließend seine Taschen und die Falten der Kleider dreimal auszuschütteln, so dass sie leer sind. Das symbolisiert den Vorsatz des Herzens, die Sünden wegzuwerfen und von Missetaten rein zu werden. Eine Anspielung darauf können wir in Nechemja 5:13 sehen: Auch ich habe meinen Mantel ausgeschüttelt und gesprochen: So soll G-tt all jene ausschütteln, die sich nicht an dieses Versprechen halten.

Taschlich erinnert uns auch an die Verdienste der Patriarchen. Der Midrasch lehrt, dass Abraham, als er an Rosch Haschana Izchak opfern wollte, Satan in Gestalt eines breiten Flusses sah. Abraham und Izchak wateten bis zum Hals ins Wasser, und Abraham sagte: „Herr der Welt! Das Wasser droht uns zu vernichten. Wenn ich sterbe oder mein Sohn - wer wird dann deinen Namen heiligen?“ Sofort bedrohte G-tt den Fluss, und die beiden waren gerettet (Jalkut Schimoni, Paraschas Wajera). Darum ist es Brauch, Taschlich an einem Gewässer zu sprechen, um der Verdienste unserer Vorväter zu gedenken, die ihr Leben opferten, um G-ttes Geboten zu gehorchen.

Wenn der erste Tag von Rosch Haschana auf Schabbat fällt, wird Taschlich in aschkenasischen Gemeinden am zweiten Tag nach Mincha gesprochen. In sephardischen Gemeinden wird Taschlich immer am ersten Tag rezitiert.