König Schaul hatte G-ttes Gnade verloren. G-tt befahl dem Propheten Schmuel, nach Beit Lechem zu reisen, wo er unter den Söhnen Jischais den neuen König finden werde. Obwohl die älteren Söhne tüchtige junge Männer waren, fragte Schmuel sofort: „Hast du noch einen Sohn?“

Ja, der jüngste hütete die Herde. Als David gerufen wurde, wusste Schmuel, dass dieser Knabe der neue König war. David wurde rasch gesalbt, aber seiner Thronbesteigung gingen viele schwere Prüfungen voraus.

Schaul war damals depressiv, und man rief David, damit er für den König Harfe spielte und ihn mit schöner Musik aufheiterte. Schaul wusste nicht, dass der Knabe, der so lieblich spielte, ihn bald vom Thron verdrängen würde.

Der Krieg gegen den bitteren Feind der Juden, die Philister, ging unvermindert weiter. Eines Tages, als die zwei Heere einander gegenüberstanden, löste sich ein riesiger Krieger, ganz in Rüstung, aus den Reihen der Philister.

Goliath brüllte die Juden an: „Schickt einen Mann, der gegen mich kämpft!“

Niemand traute sich. David hütete die Schafe seines Vaters und wusste nicht, welche Gefahr seinen Brüdern drohte, bis sein Vater ihn ins Lager der Juden schickte, um seinen Brüdern Verpflegung zu bringen. Als David den Riesen sah, erklärte er sich bereit, gegen ihn zu kämpfen. Aber König Schaul wollte dem schmächtigen Knaben nicht erlauben, sich zu opfern. Doch David bestand darauf und bewies einen so tiefen Glauben an G-tt, dass Schaul schließlich einwilligte.

David trat Goliath nur mit einem Stock und einer Schleuder gegenüber. Als der Riese seinen Gegner sah, lachte er verächtlich. Aber David sagte: „Du kommst zu mir mit Schwert, Speer und Schild, aber ich komme zu dir im Namen des H-rrn der Heerscharen, der die Krieger Israels anführt, welche du herausgefordert hast. Jeder hier soll sehen, dass Schwerter und Speere nichts gegen G-tt ausrichten. Der Kampf ist des H-rrn, und er wird dich in unsere Hände geben.“

Goliath stürmte los, und David zielte mit seiner Schleuder auf ihn. Der Stein durchschlug den Schädel des Riesen, und er stürzte zu Boden. David sprang nach vorne und enthauptete ihn. Die Philister flohen in Panik.

Zum Lohn für seinen Mut verheiratete Schaul seine Tochter Michal mit David. Schauls Sohn Jonathan wurde Davids bester Freund. Aber der König fühlte sich von dem Jungen Krieger bedroht, der immer beliebter wurde. Schauls Eifersucht nahm zu und wurde bald zu Hass, zumal Schaul erkannte, dass seine Tage als König gezählt waren und dass G-tt seinen jungen Schwiegersohn auserwählt hatte. Jonathan warnte David vor dem unversöhnlichen Zorn des Königs. David musste in die Berge fliehen, bis in die Stadt Nob, wo viele Priester lebten.

Weil David als großer Held und Schwiegersohn des Königs bekannt war, gaben sie ihm Essen und ein Schwert. Aber er wurde beobachtet. Während er seine Reise fortsetzte, erfuhr der König, was die Priester in Nob getan hatten. Er ließ sie rufen und verurteilte alle 86 unschuldigen Priester zum Tode. Davids Not war damit nicht zu Ende, denn Schaul jagte ihn zwischen den Kämpfen gegen die gefürchteten Philister quer durchs Land.

Einmal ruhte er sich in einer Höhle aus, ohne zu wissen, dass sich David und seine Krieger darin versteckten. Davids Freunde wollten ihm einreden, dies sei ein g-ttlicher Plan: Er müsse seinen königlichen Feind beseitigen. Aber David war dem gesalbten König immer noch treu.

Als der König sich müde und mutlos setzte, schlich sich David zu ihm und schnitt mit seinem Schwert unbemerkt ein wenig Stoff vom Mantel des Königs ab. Dann wartete er auf einen günstigen Moment, näherte sich respektvoll dem König und zeigte ihm das Stück Stoff. Schaul starrte diesen Beweis für Davids Größe an und begriff, dass David ihn hätte töten können.

„Du bist rechtschaffener als ich“, sagte er, „denn du hast Böses mit Gutem vergolten.“

Die beiden trennten sich; aber Schauls Krieg gegen David ging weiter. Ein andermal lagerten die Soldaten des Königs in einem Tal, während David sie von oben beobachtete. Schaul war unbewacht, weil seine Männer schliefen, und zum zweiten Mal lag sein Schicksal in Davids Händen. Erneut wurde David gedrängt anzugreifen, aber er erwiderte:

„Tötet ihn nicht, denn wer darf ungesühnt die Hände gegen den Gesalbten G-ttes erheben?“

Dann stieg er ins Lager des Königs hinab und nahm heimlich Schauls Wasserflasche und Speer an sich. Auf seinem Posten zurück, rief er den Wachen des Königs zu: „So wahr G-tt lebt, seid ihr des Todes schuldig, denn ihr habt euren König, den Gesalbten G-ttes, nicht beschützt. Seht, wo die Wasserflache und der Speer des Königs jetzt sind!“

Schaul erkannte Davids Stimme, und einen Augenblick lang erlosch seine Eifersucht. „Gesegnet bist du, mein Sohn David“, rief er. „Du wirst Großes vollbringen und siegen.“

Diese prophetischen Worte waren die letzten, die der tragische König jemals zu David sprach. Denn G-tt wollte, dass die beiden sich in dieser Welt nie wieder begegneten.