Susan bemerkt Veränderungen bei ihrem Sohn.

In letzter Zeit klingen seine Worte und sein Ausdruck anders, in ihren Ohren etwas derber. Auch sein Kleidungsstil hat sich verändert. Es ist keine große Umstellung, sondern nur ein paar kleine Dinge, mit denen er seine Garderobe „auf den neuesten Stand gebracht“ hat. Auch seine Stimmungsschwankungen sind so stark geworden. Er behauptet, mit seinem neuen Freundeskreis glücklich zu sein, doch intuitiv fragt sich Susan, ob er sich selbst treu bleibt.

Susan fragt sich, ob sie sich Sorgen machen sollte. Vielleicht überreagiert sie.

Doch eine quälende Stimme in ihr vermutet, dass diese kleinen Veränderungen vielleicht ein Warnsignal sind, das auf etwas Bedeutenderes hindeutet…

In den Tora-Lesungen von Wajekhel und Pekudej übermittelte Mosche G‑ttes Anweisungen bezüglich der Errichtung des Stiftszeltes. Ein Team von „weisen“ Handwerkern wurde beauftragt, das Stiftszelt und seine Ausstattungsgegenstände anzufertigen.

Und die Weisen unter euch sollen herkommen und alles anfertigen, was G‑tt geboten hat. … das Stiftszelt, sein Zelt und seine Decke … die Lade und ihre Stangen … den Tisch … die Menora zur Beleuchtung … und die Pflöcke des Stiftszeltes und die Pflöcke des Vorhofs sowie ihre Seile …“ (Exodus 35,10–18)

Bezüglich des zuletzt oben zitierten Punktes erklärt Raschi:

Die Heringe: Diese wurden in den Boden geschlagen und an den Enden der Wandteppiche befestigt, damit die Wandteppiche nicht vom Wind weggeweht würden.

Die Heringe waren eine Art Kupfernägel, die für die Vorhänge bestimmt waren, welche als Zeltüberzug des Stiftszeltes und als Stoffwände des Vorhofs dienten, um diese an ihrem Platz zu halten, damit der Wind sie nicht hin und her wehte. Wie alle anderen wichtigen Geräte des Stiftszeltes mussten auch diese Heringe von denen angefertigt werden, die „weise im Herzen“ waren.

Verständlicherweise mussten die Hauptbestandteile des Stiftszeltes – die Vorhänge selbst, die Lade, der Altar und so weiter – von Handwerkern angefertigt werden, die diese Gegenstände gemäß G-tt’s Willen fachkundig entwerfen und ihr Werk mit einer angemessenen Heiligkeit erfüllen konnten. Doch warum war es notwendig, dass die „Heringe“ und „Seile“ – scheinbar nebensächliche Kleinigkeiten – von denen angefertigt wurden, die weise im Herzen waren?

Jeder Mensch ist ein „Stiftszelt“, ein heiliges Bauwerk, das das Potenzial birgt, G-tts Willen zu beherbergen. Wenn wir dabei helfen, unsere Kinder zu „formen“, können wir nicht einfach nur Wissen vermitteln oder Fertigkeiten lehren; wir müssen auch die Persönlichkeit formen und den Charakter entwickeln.

Die Vermittlung von Werten erfolgt sowohl durch die großen als auch durch die kleinen Details im Leben unserer Kinder. Selbst kleine, nebensächliche Dinge, die unbedeutend erscheinen mögen – wie die Stifte und Seile des Stiftszeltes –, dürfen nicht übersehen werden, sondern müssen mit Geduld, Ausdauer und Weisheit des Herzens angegangen werden.

Die äußeren „Winde“ fremder Werte können verlockend sein. Diese heftig wehenden Winde können die Werte entwurzeln, die wir mit so viel Mühe zu vermitteln versuchen. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, dafür zu sorgen, dass selbst die Heringe und Seile fest verankert sind, damit die Wände und Wandteppiche nicht im Wind flattern und unsere Kinder nicht auf einen abwegigen Pfad abdriften.

Es mag mit einer Kleinigkeit beginnen – etwa einem „Haken“, der fehl am Platz ist –, einem kleinen Aspekt seiner Charakterentwicklung und einer unbedeutenden Abweichung in seinem Verhalten. Zeigt Ihr Kind eine traurige, niedergeschlagene Stimmung, die nicht vorüberzugehen scheint? Hat es eine bissige Bemerkung gemacht, die sonst nicht zu ihm passt? Leidet es unter Appetitlosigkeit? Hat es seinen Kleidungsstil geändert, um sich einer Gruppe anzupassen?

Sich um die Details im Leben unseres Kindes zu kümmern bedeutet, die kleinen „Steckstifte“ nicht zu vernachlässigen, die seine Werte verankern. Unsere Kinder für diese Feinheiten zu sensibilisieren – und zu wissen, wie man im richtigen Moment mit der nötigen Anleitung und Feingefühl eingreift – erfordert jemanden, der wirklich weise im Herzen ist.