Und dies ist die Bedeutung des Verses: „Ständig sind die Augen des Ew‑gen, deines G‑ttes, darauf gerichtet“, denn „Augen“ dient als Bezeichnung für den Fluss und die Ausstrahlung des Lichtes der Chochma. Aus diesem Grund werden die Weisen als „Augen der Gemeinde“1 bezeichnet, und „die Luft des Landes Israel macht weise“2. Obwohl diese Ausstrahlung und dieser Fluss ununterbrochen stattfinden, verweilen sie dennoch nicht auf einerlei Rang und Stufe seit dem Beginn der Welt. Vielmehr herrscht jedes Jahr ein neues Oberes Licht; das Licht, das an diesem Rosch HaSchana erneuert leuchtete, zieht sich am Vorabend des kommenden Rosch HaSchana zu seinem Ursprung zurück. Und dies ist die Bedeutung des Verses: „vom Anfang des Jahres bis“ bloß „zum Ende des Jahres“. Und aus diesem Grund ist MeReschit [„vom Anfang“] ohne Alef geschrieben3: Es deutet auf das Weichen des Lichtes, das in der Nacht von Rosch HaSchana bis nach dem Blasen [des Widderhorns] weicht. Dann sinkt ein neues, höheres Licht herab – seit dem Anbeginn der Welt hatte noch nie ein so hohes Licht geleuchtet, und es kleidet und verbirgt sich im Erez HaChajim droben und hienieden, um alle Welten für die Dauer dieses Jahres zu beleben. Seine Offenbarung aus dieser Verborgenheit ist indes von der Tat derer abhängig, die hienieden sind, und von ihren Verdiensten und ihrer Umkehr während der Zehn Tage der Umkehr4. Dies genüge dem Verständigen.
ב"ה
Heutiger Tanja-Abschnitt
Iggeret HaKodesch, Ende von Brief 14
Fußnoten
1.
Siehe Num. 15:24; Taanit 24a.
2.
Bava Batra 158b.
3.
Das Wort ראשית – „Reschit“ – wird im Allgemeinen mit einem Alef geschrieben.
4.
Die zehn Tage zwischen Neujahrstag und Sühnetag werden als „Zehn Tage der Umkehr“ bezeichnet. Siehe R. Menachem M. Schneerson, Likkutej Sichot, Bd. XXIX, New York 2000 (4. Auflage), S. 203‑210 für eine Erklärung, warum die Formulierung im Talmud (Rosch HaSchana 18a; Jevamot 49a; ebd. 105a) lautet „Z e h n Tage z w i s c h e n Rosch HaSchana und Jom Kippur“, wo doch zwischen diesen beiden Festtagen nur sieben Tage liegen.
