Die augenblicklichen Tage zwischen Purim und Pessach sind eine passende Zeit, um einige Gedanken über die wichtige historische Rolle auszudrücken, welche jüdische Frauen an diesen Festen spielten, und über die Lehren, die wir daraus ziehen können.

Nachdem es zweifellos die oberste Pflicht einer Frau ist, ihre ganze Zeit dem Haushalte, der Kindererziehung usw. zu widmen, hat die Tora sie von der Verbindlichkeit befreit, viele der Mizwot auszuüben. Es wird jedoch von ihr verlangt, dass sie die für Purim und Pessach gültigen Mizwot befolgt; so muss sie die Vorlesung der Megilla anhören und die Haggada lesen. Unsere Weisen erklären, dass diese Gebote deswegen auch den Frauen auferlegt sind, weil sie wesentlich zu den an Purim und Pessach gefeierten Befreiungen beigetragen haben (Schulchan Aruch, Orach Chajim, Kap. 689 – siehe Kommentare und Quellen dazu).

Die Megilla (das Buch Esther) zeigt, welch entscheidenden Anteil Esther an der Herbeiführung des Wunders von Purim hatte. Denn Esther war es, die den ersten Schritt auf dem Wege zur Befreiung tat, als sie nämlich dem Mordechai auftrug: "Geh hin und versammle alle Juden, die sich in Schuschan befinden, und fastet für mich. Esst nicht und trinkt nicht, drei Tage lang, Tag und Nacht; ich und meine Mägde werde ebenfalls fasten" (Esther 4, 16). Und nach den drei Tagen des Fastens und Betens begab sich Esther in den Thronsaal und stand vor dem Koenig, um für ihr Volk Fürbitte einzulegen. Als sie so, ungeheißen, vor den König trat, setzte sie ihr Leben aufs Spiel; denn wer immer ohne Vorladung in den Thronsaal kam, war des Todes schuldig. Daher darf es uns gar nicht weiter verwundern, dass Esthers wesentliche Rolle dadurch anerkannt worden ist, dass nach ihr das "Buch Esther" und das "Fasten Esthers" genannt worden sind.

In Bezug auf Pessach wiederum betonen unsere Weisen im Midrasch, dass es die jüdischen Frauen waren, die in den schlimmsten Tagen der ägyptischen Unterdrückung den Mut und die Zuversicht ihrer Männer aufrecht erhielten. Außerdem zogen sie die Generation auf, die würdig befunden wurde, die Tora am Sinai zu empfangen, und auch diejenige, die später in das Heilige Land zog, das unveräußerliche Erbe unseres Volkes.

Man muss beachten, dass die Rollen, die jüdische Frauen jeweils bei diesen beiden Ereignissen spielten, ziemlich verschiedenartig waren. Am Pessach konzentrierte sich der Einfluss der Frau auf Haus und Familie, und damit stellte sie all die wahrhaft jüdischen weiblichen Tugenden unter Beweis: Bescheidenheit, Frömmigkeit und Glaube. Am Purim dagegen zeigte Esther, dass eine jüdische Frau, wenn ihr durch die Vorsehung eine Stellung gesellschaftlichen Vorranges und Einflusses angewiesen wird, sie diese ganz zum Wohle ihres Volkes nutzt und bereit ist, dafür ihr eigenes Leben zu opfern.

Jüdische Frauen, Mütter und Töchter! Folgt dem großen Beispiel eurer Mütter aus früheren Zeiten und haltet die hohe Tradition jüdischer Frauentugend wach. Denkt stets daran, dass ihr für die Zukunft unseres Volkes verantwortlich seid!

Wenn ihr euch getreu euren Pflichten widmet, wird es euch an G-ttes Beistand dabei nicht fehlen. Dann werden nicht nur – wie es bei Esther der Fall war – alle Schwierigkeiten und Hindernisse beseitigt werden, sondern der reiche Segen G-ttes wird euch zuteil werden, und all eure und eurer Familien Bedürfnisse werden erfüllt, die materiellen wie die spirituellen.