Nicht nur Jude mögen Hühnersuppe und nicht nur religiöse Juden besuchen eine Synagoge. Und je religiöser ein Jude ist, umso wahrscheinlicher wird er den Schabbat halten und koscher leben. Trotzdem gibt es zwei Mizwot, die fast alle Juden einhalten und hoch schätzen: Pessach und Brit Mila (Beschneidung).

Unsere Synagogen mögen an jedem Jom Kippur voll sein, aber auf allen Plätzen in unseren Synagogen fänden nur 20 % aller Juden Platz. Chanukka und Purim machen der ganzen Familie Freude, und vielleicht nimmt das Interesse daran zu. Aber was die Beliebtheit anbelangt, so können sie sich nicht mit Pessach und Brit messen. Assimilierte Juden, auch Juden aus Mischehen, lassen ihre Söhne beschneiden. Warum? Was haben diese zwei Gebote mit den anderen zu tun?

Das Pessachfest erinnert uns an die Befreiung aus der Sklaverei, - an einen konzeptionellen Sprung von einem Zustand in den nächst höheren. So stellt auch die Brit eine Transformation dar, die unsere Partnerschaft mit G-tt, also unseren Körper und unsere Seele mit dem unbegrenzten Wesen von G-tt verbindet.

Wir wurden als Nation geboren, waren aber immer noch Sklaven. Deshalb gebot uns G-tt, ein Schaf mit in unsere Wohnungen zu nehmen, um es zu schlachten und zu verzehren.

Allein diese Tatsache und die Erwähnung des Schächtens bedeutete für unser Volk ein großes Risiko, denn die Ägypter verehrten Schafe und beteten sie an. Die öffentliche Bekanntgabe unser Absichten gegenüber ihrer Gottheit, war für die Ägypter eine regelrechte Aufforderung, die Juden zu verfolgen. Nur unser außergewöhnlicher Glaube in unseren Schöpfer und unsere totaler Hinhabe zu Ihm, gaben uns den Mut, diese Mizwa auszuführen.

Nicht weniger mutig ist die Stärke und der Willen der Eltern, die ihren neugeborenen Jungen zur Beschneidung zu geben. Als Mohel (ritueller Beschneider) wird es mich immer verblüffen, wie Eltern ihr über alles geliebtes Kind einem Mohel anzuvertrauen. Doch sie tun dies für eine höhere Sache.

Nur diesen beiden, Pessach und Brit, die in einer Mischung von Selbstaufopferung und Gefühl empfangen wurden, ist es gelungen, unserer historischen Psyche einen Stempel aufzudrücken. Die Generationen von Vorfahren, die uns mit ihren individuellen und kollektiven tapferen Taten vorausgegangen sind und den Bund mit unserem G-tt immer und überall eingehalten haben, gaben ihre Fackel an uns weiter.

Und als Hüter ihres Geistes haben wir gelobt, diesen Bund und dieses Band an unsere Kinder weiterzugeben.