„Und dies sind die Namen der Kinder Israel, die nach Ägypten kamen“ (Schmot 1:1).

„Namen. Einerseits ist der Name nur ein oberflächliches Etikett für einen Menschen und gewiss kein Teil seiner Natur und seines Charakters. Dennoch ist der Name mehr als alles andere, was der Mensch besitzt, ein Zugang zu seinem Wesen; denn wenn wir ihn beim Namen rufen, meinen wir ihn und nicht nur einen bestimmten Aspekt seiner Persönlichkeit, und nur er antwortet uns.

Darum heißt der Abschnitt der Tora, der vom Galut (Exil) berichtet, „Namen“ (hebräisch „Schmot“). Galut ist für einen Juden ein völlig äußerlicher Zustand, der mit seinem wahren Selbst gar nichts zu tun hat. Doch wie der Name ruft Galut seine höchsten Fähigkeiten wach und erschließt die tiefsten Reserven der Seele, Reserven, die ansonsten im innersten Teil seines Wesens verborgen blieben.“

(Der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem M. Schneerson)


Rabbi Menachem Mendel von Lubawitsch, der im Alter von drei Jahren seine Mutter verlor, wurde von seinem Großvater, Rabbi Schneur Salman von Ladi, erzogen.

Eines Tages saß der Kleine auf dem Schoß des Großvaters, zupfte an dessen Bart und rief: „Sejde, Sejde!“ („Großvater, Großvater!“) „Nein, das ist nicht dein Sejde“, protestierte Rabbi Schneur Salman. „Das ist nur sein Bart!“

Dann griff das Kind nach dem Kopf des Großvaters. „Das ist Sejde“, sagte er. „Nein“, erwiderte Rabbi Schneur Salman. „Das ist sein Kopf. Wo ist dein Sejde?“

So ging es weiter. Der Knabe zeigte der Reihe nach auf die Augen, die Hände und die Brust des Großvaters. Doch jedes Mal fragte ihn Rabbi Schneur Salman: „Wo ist dein Sejde?“

Auf einmal sprang das Kind vom Schoß des Großvaters und versteckte sich hinter der Tür. Von dort aus rief der kleine Mendel: „Sej-de!!“ „Was ist los?“, rief der Großvater seinem Enkel zu. „Aha!“, rief der Kleine. „Da ist Sejde!“