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Willensfreiheit und Aufgabe

Willensfreiheit und Aufgabe

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Eine wichtige Frage, die oft gestellt wird, lässt sich ungefähr so formulieren: Wenn wir – immer wieder – sagen, der Endzweck der Schöpfung sei, dass wir G-tt dienen, dass wir also Ihm dauernd etwas zu "geben" haben, sind wir dann nicht (sozusagen) wie Roboter oder Marionetten? – Die Antwort darauf kann so lauten:

Nicht alles Tun wird "von oben" kontrolliert. Es stünde nicht im Einklang mit dem Judentum, wollte man meinen, alles und jedes sei dem menschlichen Spielraum entzogen. Im Gegenteil, der Mensch hat "Bechira Chofschit" – Willensfreiheit. Es wäre unlogisch, auf der einen Seite zu erwarten, dass der Mensch Gebote erfülle, und ihm, andererseits, jedoch die Fähigkeit, sie auszuführen, zu nehmen. Daher hat G-tt dem Menschen die freie Wahl gesetzt – eine Fähigkeit, die Roboter nicht besitzen. Mit G-ttlicher Eingebung hat der Mensch die Möglichkeit, Mizwot auszuüben. Ihm hat der Ewige zwei Alternativen gezeigt, und er selbst kann wählen, welche ihm zusagt (Deut 30. 15): "Siehe, Ich habe dir heute das Leben und das Gute, und auch den Tod und das Schlechte vorgesetzt".

Die Menschheit steht auf einem höheren Niveau als das Tierreich; und dieses wiederum steht höher als das Pflanzenreich. Innerhalb des menschlichen Bereiches selbst gibt es sehr untenschiedliche geistige Standorte. Man muss versuchen, von einem jeweiligen Zustand zu einem höheren emporzusteigen; man muss immer das höchste Niveau anstreben.

Zur Erhellung dieses Problems, ob also Mizwot Taten ohne irgendeinen denkbaren Zweck wären, sei eine Analogie herangezogen: Wenn man einem kleinen Kinde einen Apfel gibt und es zum Essen anhalten will, muss man sich hinunter auf sein Verständnisniveau begeben. Man kann dem Kinde nicht sagen, es solle essen, weil dies ihm gut tut, oder weil es gesund ist, oder ihm mit anderen derartigen Vorstellungen kommen. Sagt man ihm vielmehr nicht gewöhnlich dieses? "Iss einen Bissen für Mutti, für Vati, und jetzt einen für die Schwester, und für den Bruder." Erst wenn das Kind älter und vernünftiger wird, sieht es ein, dass es isst, um gesund zu bleiben.

Im Verhältnis zwischen G-tt und Menschen ist es ähnlich. G-tt, der danach trachtet, dass der Mensch die Mizwot um seines eigenen Nutzens willen tut, steigt gleichsam auf die Ebene von menschlicher Einsicht und Intelligenz hinab. Daher spricht er so zum Bauern: "Halte Meine Gebote ein, und dann werde Ich den Regen für deine Felder bringen." Und schon befolgt der Bauer G-ttes Gebote. Wenn er geistig reifer und verständiger wird, dann leuchtet ihm allmählich ein, dass diese Mizwot in Wahrheit für sein persönliches Wohlergehen bestimmt sind.

Dies ist die Methode, die ihn dazu bringt, immer höher anzusteigen, auf dem Wege zu jener Vervollkommnung, deren Endzweck die Vereinigung mit G-tt ist. Der Ewige aber ist jenseits aller Begrenzungen; und um somit dem Unbegrenzten und Unendlichen vereint zu sein, muss man selbst seine eigenen Grenzen und Beschränkungen überschreiten.

Noch ein weiterer Gedanke lässt sich hierzu äußern: Wir alle sind noch jung und wir haben s.G.w. noch Jahre unseres Lebens vor uns. Nachdem leider sechs Millionen aus unserem Volke durch Hitler vernichtet worden sind, ist uns die besondere Aufgabe gestellt, das auszuführen und zu Ende zu bringen, das sie getan hätten. Auf jeden einzelnen von uns kommt es an. Kein Jude ist überflüssig. Im täglichen Leben muss man sich auf die Seite des Guten stellen, und damit wird man sein Dasein zu einem glücklichen und harmonischen machen. Dies allerdings kann nur durch ein von Tora und Mizwot bestimmtes Leben erfolgen. Diese Pflicht obliegt einem jeden Juden; G-tt hat uns die Kraft und Fähigkeit geschenkt, um dies erfolgreich durchzuführen.

Und das Wunder besteht darin, dass jeder von uns morgen mehr Tora und mehr Mizwot in sein Leben hineinbringen sollte. Wenn wir alle dies tun können, dann wird dies fürwahr ein Wunder sein.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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