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Der halbe Schekel

Der halbe Schekel

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Der heutige Schabbat ist "Schabbat Schekalim"; an ihm wird zusätzlich aus der Tora ein besonderer Absatz verlesen (Exodus 30, 11 ff.), der von der Abgabe des halben Schekels spricht. Wir haben in der vorwöchentlichen "Betrachtung" (Anm. des Editors: siehe "Betrachtung – Zwei Stadien von Sühne") kurz darauf Bezug genommen; dort wurde spezifisch der eine Aspekt der Zahlung für die Sockel aufgezeigt.

Was die wesentliche Beziehung zwischen G-tt und Menschen betrifft, so nennt die Tora (Exodus 30, 12) diese Zahlung "eine Sühne für seine Person (Seele)". Mit seinem halben Schekel wurde ein Jude zu einem vollen Teilhaber alles dessen, was im Heiligtum vor sich ging, auch an den Opfern. Und er war davon rein individuell, als Einzelperson, betroffen. Deshalb sah sich Moses (zum Beispiel) genötigt, im Augenblick von Korachs Rebellion, zu G-tt zu beten (Numeri 16, 15): "Wende Dich nicht zu ihrem Oper." Der Ausdruck "zu ihrem Opfer" bezog sich auf den Anteil den Korach und seine Rotte an den Gemeindeopfern hatten. Obwohl ihr halber Schekel viele Monate vorher gezahlt worden war und dieses Geld daher schon zum Gemeinde-Fonds gehörte, bedurfte es dennoch eines eigenen Gebetes, um ihre individuelle Beziehung dazu – und damit ihr individuelles Verdienst – zunichte zu machen.

Oberflächlich betrachtet ist diese ganze Idee schwer zu begreifen. Ein halber Schekel reicht nicht einmal aus, um ein einziges Opfer zu finanzieren. Jedes Opfer bestand aus einem Tier, einem Weinopfer und einem Mehlopfer. All diese Dinge kosteten ein Vielfaches eines halben Schekels. Und dennoch: obwohl ein Jude einen so kleinen Betrag beisteuert (und er darf ja weder weniger noch mehr als einen halben Schekel zahlen), erwirbt er für sich damit einen Anteil an allen Gemeindeopfern.

Damit wird die Kraft, der Einfluss jedes einzelnen Juden klar illustriert, die Wirkung, die er mit nur einem geringen Teil seines Vermögens ausüben kann. Um diese Kraft zu betonen, verlangt die Tora genau und präzise den Beitrag eines halben Schekels, statt – zum Beispiel – zehn Gera zu fordern (was diesem Betrage gleichkäme). Die Tora will so darauf hinweisen, dass der Jude den anderen halben Schekel für sich selbst behält; obwohl er die eine Hälfte an G-tt abführt, verbleibt die andere auf jeden Fall ihm selber. Obwohl diese Abgabe scheinbar so unbedeutend ist, liegt in ihr dennoch die "Sühne für seine Person", und sie verschafft ihm einen Anteil an allen Gemeindeopfern, die das ganze Jahr hindurch dargebracht werden.

Eigentlich wird mit dem halben Schekel diese Idee eindringlicher zum Ausdruck gebracht als durch irgendeine andere Mizwa. Ein ähnliches Prinzip ist gewiss bei anderen Vorschriften zu erkennen, wie zum Beispiel bei der ursprünglichen Errichtung des Heiligtums (und daher, in kleinerem Rahmen, beim Bau einer Synagoge oder eines Lehrhauses). Der Unterschied hierbei ist jedoch, dass die Wirkungskraft dann nicht eine fortwährende ist. Die Errichtung des Heiligtums war ein einmaliges Ereignis, und danach blieb es bestehen. Die Vorschrift des halben Schekels dagegen musste jedes Jahr erneut ausgeführt werden. Hinzu kommt noch, dass die Opfer nicht auf einmal gekauft wurden, sondern der Einkauf erstreckte sich über eine Zeitspanne, er wiederholte sich von Zeit zu Zeit. Diese Unterschiedlichkeiten zeigen daher, dass ein stärkeres Band bestand zwischen einem Juden und den Opfern als zwischen ihm und anderen Mizwot.

Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt der Abgabe des halben Schekels ist, was hiermit über das Prinzip von zwischenmenschlichen Beziehungen ausgesagt und gelehrt wird. Nachdem – wie gezeigt – der Juden durch den halben Schekel einen Anteil an allen Gemeindeopfern erwirbt, folgt daraus, schon nach der Definition, dass er sich dabei mit allen anderen Juden vereint. Mit seiner eigenen kleinen Münze kann man nicht einmal ein einziges Opfer kaufen. Auf diese Weise wird also durch diese Mizwa des halben Schekels das hohe Prinzip symbolisiert, das da lautet: "Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst" (Lev. 19, 18).

Und die zitierte Paraschat Schekalim wird eingeleitet mit den Worten "Ki Tisa et rosch" – "wenn du den Kopf der Israeliten erhöhst". Durch die Zahlung des halben Schekels war es den Juden ermöglicht, "ihren Kopf hoch zu halten"!

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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