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Zwei Stadien von Sühne

Zwei Stadien von Sühne

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In der dieswöchigen Sidra berichtet die Tora (Exodus 35, 4 ff. und 35, 21 ff.), dass alle Juden – Männer, Frauen und Kinder – Gaben für das Heiligtum herantrugen, und zwar mehr, als eigentlich notwenig war. Die Abgabe des halben Schekels unterlag Beschränkungen, sowohl was den Betrag anging (es musste genau ein halber Schekel sein) wie auch in Bezug auf den Spender selbst (nur Männer, und auch dann nur, wenn über 20 Jahre alt). Die Gaben für das Heiligtum dagegen, von denen unsere Sidra spricht waren solchen Beschränkungen nicht unterworfen; jeder einzelne durfte sich beteiligen, und jeder konnte so viel geben, wie er wollte.

Der wesentliche Grund dafür, dass alle Israeliten hierbei mitmachen durften, ist darin zu sehen, dass die Errichtung des Heiligtums als eine Sühne für die Sünde des Goldenen Kalbes anzusehen war. Diese Sünde hatte sie alle betroffen, ganz Klal Jisrael (die jüdische Gemeinschaft) bis hin zu den kleinen Kindern.

Diese unterschiedliche Einschätzung der Abgabe für das Heiligtum ist jedoch beim ersten Hinblick schwer zu verstehen; denn die Steuer des halben Schekels war an sich ja gleichfalls Sühne für das Goldene Kalb. Weshalb also waren im letzteren Falle allein die über 20 Jahre alten Männer berechtigt, sich daran zu beteiligen, während jedermann zu den allgemeinen Spenden für das Heiligtum beitragen durfte?

Wir sind zu der Schlussfolgerung gezwungen, dass die Wiedergutmachung für die Sünde des Goldenen Kalbes tatsächlich aus zwei Teilen bestand – einmal darin, dass alle männlichen Erwachsenen davon betroffen waren, und zum zweiten darin, dass alle Israeliten sich zum Dienst für G-tt verpflichten konnten.

Götzenkult bedeutet nicht unbedingt (nach Maimonides) die völlige Ableugnung der Existenz G-ttes. Nein, schon der bloße Gedanke, dass es unabhängige, autarke Kräfte außer dem Ewigen geben könnte, oder dass etwas anderem, außer Ihm, absolute Existenz beigemessen werden könnte – schon das ist Götzendienst. Der Gegensatz dazu ist die Überzeugung der vollständigen Allmacht G-ttes, die Erkenntnis, dass "nichts außer Ihm" Bestand hat. Er allein ist Herrscher über die Welt, und die Existenz der Welt insgesamt ist lediglich die Ausstrahlung Seiner G-ttlichkeit.

Dieses Gefühl ist es, welches einen Juden zum G-ttesdienst führt, denn ("Sprüche der Väter" 2, 12 – im Gebetbuch 2, 17): "All dein Tun geschehe zur Ehre G-ttes." Wenn jemand wahrhaft glaubt, dass G-tt nicht nur der Herr und Besitzer der Welt ist, sondern dass das Bestehen der Welt als solches eine Ausstrahlung des G-ttlichen ist, dann wird er automatisch immer so handeln, dass all sein Tun durch G-tt bestimmt und auf Ihn ausgerichtet ist. Das bedeutet, dass er nicht nur seine eigenen Interessen hinter den Anordnungen G-ttes zurückstellen wird, sondern dass er eigentlich gar keine Eigeninteressen kennt, weil all sein Tun nur um G-ttes willen geschieht.

Deshalb war das Heiligtum eine Sühne für das Goldene Kalb. Seine Thematik findet Ausdruck in dem Vers (Exodus 25, 8): "Sie sollen Mir ein Heiligtum machen, und Ich werde in ihrer Mitte verweilen" – das heißt, in der Mitte jeder einzelnen Person. Der Ewige hat Wohnstätte in jeden Juden. Er macht ein Heiligtum aus dessen rein persönlichen Angelegenheiten. Und dies war daher die tiefere Bedeutung der Errichtung des Heiligtums, als Sühne für das Goldene Kalb: dass durch es und in ihm G-ttes Oberherrschaft zum Ausdruck kam und damit die Ablehnung und Widerlegung jedes Götzenkultes.

"Kenne Ihn in all deinen Wegen" – diese Bindung und Verpflichtung hat als Grundlage und Voraussetzung: "All dein Tun geschehe zur Ehre G-ttes." Man muss mit dem Leichteren anfangen und zum Schwereren hinstreben, bis zum schließlichen Zustand von "Und Ich werde in ihrer Mitte verweilen", inmitten jeder einzelnen Person. Diese zwei Stadien finden ihren Ausdruck in der Abgabe des halben Schekels einerseits und den von der Allgemeinheit gegebenen Spenden andererseits. Aus dem Fonds des halben Schekels wurden die Sockel des Heiligtums bezahlt, also die erste Grundlage und Stütze, auf der es stand. Die ganze Gemeinschaft beteiligte sich dann an den allgemeinen Abgaben für das Heiligtum, damit "in der Mitte" jedes einzelnen G-ttlichkeit reifen und so die Sünde des Goldenen Kalbes ausgemerzt werden konnte.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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