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Zwei Hälften des Schekels

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Auf diesem Schabbat wird, zusätzlich zur laufenden Sidra, in der Synagoge der Tora-Absatz verlesen, der die Abgabe des Halben Schekels zum Thema hat. Der Anlass dafür ist dieser:

Zur Zeit des Tempels in Jerusalem war der erste Tag des Monats Adar das jährliche Datum des "Schekel-Aufrufs" (Mischna Schekalim 1, 1). Dieser Aufruf bezog sich auf die Pflicht jedes Juden, einen Halben Schekel zur Tempelkasse beizutragen, aus der die für das ganze Jahr darzubringenden öffentlichen Opfer bezahlt wurden.

Dort wo der dritte Lubawitscher Rebbe – genannt der, "Zemach Zedek" nach dem Titel seines bedeutenden halachischen Werkes – diese Mizwa diskutiert, erklärt er spezifisch, warum gerade ein "halber" Schekel zu zahlen war. Damit wird angezeigt, so erläutert er, dass jede Abgabe eines Juden für einen heiligen Zweck sofort durch eine entsprechende Handlung G-ttes ausgeglichen wird, mit der Er Seine Güte und Sein Wohlwollen dem Juden gegenüber zeigt. Diese Idee liegt in dem Prinzip verankert, dass jede menschliche Initiative eine ihr angemessene Antwort von G-tt erhält. So machen dann die zwei – das menschliche Tun und die G-ttliche Reaktion darauf – zusammen den "vollständigen" Schekel Hakodesch (den "Heiligen Schekel") aus.

Gewiss: Der physische Tempel wurde zerstört, und der dort durchgeführte Opferdienst ist unterbrochen worden. Dennoch hat die Existenz des Heiligtums im geistigen Sinne – mit allem, das damit verbunden war – nie aufgehört; dies besteht weiter in unserem täglichen Leben, in unserer Beobachtung der Tora-Lehren und der Mizwot. Es ist dies in der Tat eines der charakteristischen Merkmale unserer unendlichen Tora, die da keine zeitlichen oder räumlichen Beschränkungen kennt.

Das Gebot des Halben Schekels lehrt uns also, dass jedes menschliche Unternehmen, wenn es nur ehrlich gemeint ist und entschlossen durchgeführt wird, "auf halbem Wege" auf eine G-ttliche Erwiderung stößt. Daher sind wir, wie anspruchsvoll und unerreichbar auch unser geistiges Ziel erscheinen mag, im Grunde nicht auf unsere eigenen beschränkten Mittel allein angewiesen. Vielmehr löst unsere eigene anfängliche Bemühung eine Wechselwirkung von seiten G-ttes aus, wodurch wir versichert sind, dass wir auch das scheinbar Unmögliche erwirken können.

Als die Mizwa des Halben Schekels noch auf den Tempel selbst Bezug hatte, da wurden durch den Akt der Heiligung und des Opfers sogar einfache materielle Gegenstände wie der Altar, die Menora usw. in von Heiligkeit erfüllte Dinge verwandelt. Damit ist uns ein wichtiges äußeres Zeichen gegeben für die unbegrenzte Kraft und Stärke, die der Schöpfer jedem Juden durch Tora und Mizwot verliehen hat. Jeder Jude hat somit die Macht und das Vermögen, die einfachen materiellen Angelegenheiten seines Lebens in geistige Güter umzuformen, dadurch dass er sie im Einklang mit G-ttes Willen und Gebot zum Einsatz bringt.

Auf diese Weise erfüllt der Jude den Endzweck seines Daseins und das schließliche Ziel der Schöpfung; und damit schafft er einen Sitz in dieser Welt für G-tt in Seiner ganzen Heiligkeit, in Erfüllung des G-ttlichen Auftrages (Exodus 25, 8): "Sie sollen Mir ein Heiligtum machen, und Ich werde in ihrer Mitte Niederlass finden."

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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