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Abweichung und Durchbruch

Abweichung und Durchbruch

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Einer Erklärung des früheren Lubawitscher Rebben zufolge geht das Wort "Schittim" (Akazienholz), das mehrfach in der dieswöchigen Sidra als Material für das Stiftszelt erwähnt wird (Exodus 25, 10 und anderswo), auf das hebräische Wort "Hataja" zurück, das "Beugung", "Neigung" oder "Abweichung" bedeutet.

Es gibt einen Durchschnitt, einen Mittelweg, den Weg logischer und intellektueller Einsicht. Eine Abweichung von diesem Wege ist "Schittim", dieser kann zwei Formen annehmen: Erstens eine Abweichung zu einem Punkt unterhalb der normalen Intelligenz, wie unsere Weisen es andeuten, wenn sie sagen: "Niemand begeht eine Sünde, es sei denn, ein Geist von Torheit hat ihn ergriffen"; zweitens eine Abweichung nach oben, höher als alle logischen Schlüsse – eine heilige Abweichung.

Der Dienst im Stiftszelt und Tempel dient dem Zwecke, eine Abweichung "nach unten" (zu einem Tiefstand hin) in eine heilige Abweichung "nach oben" zu verwandeln, zu einem Niveau, das über den Möglichkeiten menschlicher Logik steht.

Man darf sich mit dem Mittelweg nicht zufrieden geben, sondern man muss immer nach oben streben, über das Verstehen hinaus. Denn nachdem die Welt von einem Geiste von Unreinheit erfüllt ist, von einem "Druck nach unten" (verursacht durch die Sünde mit dem Baum der Erkenntnis im Garten Eden), kann dieser Zustand nur durch einen "Druck nach oben" überwunden werden.

Dies gilt für jeden einzelnen Menschen: Hat er einmal eine Sünde begangen, dann ist der Mittelweg nicht mehr angebracht, sondern um sein Vergehen zu tilgen, muss er nun – wie Maimonides es darlegt – nach oben abweichen. In diesem Sinne kann die Talmudstelle (Schabbat 118b) verstanden werden, wo es heißt, dass das Wort "Ufarazta" ("du sollst durchbrechen") die höchste Tugend zum Ausdruck bringt, nicht wie Abraham ... noch wie Isaak ..., sondern wie Jakob, dem im Traume bedeutet wurde (Genesis 28, 14): "Du sollst durchbrechen, nach Westen und nach Osten, und nach Norden und nach Süden."

Beim ersten Hinblick erscheint es schwer zu verstehen, warum der Talmud "Ufarazta" für eine größere Tugend hält als die anderen. Die Antwort ist diese: Dieser Ausdruck "du sollst durchbrechen" kann niemals auf einen offenen, freien Platz Anwendung finden (dort würde man sagen: du sollst dich "ausdehnen"), sondern nur auf eine Stelle eines Bauwerkes oder einer Mauer, die einen Flächenraum umschließt, so dass dann eine solche Sperre "durchbrochen" werden muss. In der Tora nun kann sich der Vorgang des "Durchbrechens" nur auf ein Bauwerk beziehen, das an sich heilig ist; andernfalls würde es sich ja nur um ein Zerstören, ein Niederreißen handeln.

Wenn dem so ist, welchem Zweck ist dann damit gedient, dass man ein gutes, heiliges Gebäude durchbricht? Die Antwort liegt in dem bereits Gesagten: Wenn man – wie wir ausgeführt haben – stets "nach oben" abweichen soll, über die Möglichkeiten der Logik hinaus, kann man begreifen, warum dies ein "Durchbruch" genannt wird. Denn da ist man angehalten, alle Begrenzungen zu durchbrechen, selbst heilige Begrenzungen, um diesen größtmöglichen Hochstand anzustreben. Und es war die Tugend Jakobs, des "Erwählten" der Vorväter, dass er einen solchen "heiligen" Durchbruch machte.

Auf die Praxis angewandt, ist die Bedeutung diese: Wer Tora lernt, darf so leicht nicht mit sich zufrieden sein, auch wenn dieses Studium ein hervorragendes ist, sondern man muss immer danach streben, "durchzubrechen". Geschäftsleute, deren Haupttugend in der Erfüllung der Mizwot allgemein und in Wohltätigkeit im besonderen liegt, dürfen sich damit nicht zufrieden geben, sondern jedermann muss "durchbrechen" und noch mehr von sich selbst hergeben.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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