Here's a great tip:
Enter your email address and we'll send you our weekly magazine by email with fresh, exciting and thoughtful content that will enrich your inbox and your life, week after week. And it's free.
Oh, and don't forget to like our facebook page too!
Kontakt

Die materiellen Dinge

Die materiellen Dinge

für Fortgeschrittene für Fortgeschrittene
 E-Mail

Der erste Vers der dieswöchigen Sidra lautet (Genesis 37, 1): Wajeschew Ja'akow Jakob verweilte – B'erez M'gurej Awiw – im Lande des Aufenthaltes seines Vaters – B'erez K'na'an – im Lande Kanaan. Der Meseritscher Maggid pflegte diesen Vers wie folgt zu erklären:

Wajeschew Ja'akow: Jakob hatte sich etabliert. B'erez: in irdischen Angelegenheiten. Zu welchem Zwecke? M'gurej (ein Ausdruck für Einsammeln): um die Heiligkeit zu gewinnen und zu sammeln, die dem Materiellen innewohnt, und sie emporzuheben zu – Awiw – seinem Vater im Himmel.

Obwohl es an sich zuerst einmal einen (geistigen) Niedergang bedeutet, wenn man sich zu sehr mit materiellen Dingen einlässt, so ist dies doch nur ein vorübergehender Zustand; in Wahrheit liegt darin die einzige Möglichkeit, um eine Besserung zu erzielen. Aus diesem Grunde – so geht die Erklärung weiter – fügt die Tora hinzu: B'erez K'na'an (K'na'an als ein Ausdruck für Handel und Geschäft – s. Secharja 14, 21 und Raschi z. St.); im Geschäft investiert man zuerst Kapital, um dann später einen Gewinn zu sehen.

Die hierin enthaltene Anweisung ist diese: Ein Jude soll sich nicht zu sehr für "große" Dinge interessieren, sondern seine Aufgabe besteht eher in der Wahl und im Einsammeln der Funken von Heiligkeit, die den kleinen weltlichen Angelegenheiten des Alltags innewohnen. Zu welchem Zweck? Für Awiw – seinen Vater im Himmel. Der Midrasch vergleicht die Juden mit den Bienen. So wie alles, das die Biene einsammelt, ihrem Besitzer gehört und ihm zugute kommt, so ist alles, was der Jude tut, für seinen Himmlischen Vater und nicht für seines persönlichen Profit bestimmt.

Um sicher zu gehen, dass man G-tt ohne Hintergedanken dient, bedarf es der kleinen alltäglichen Dinge; denn bei großem wichtigen Nachdenken kann es leicht geschehen, dass Hintergedanken aufkommen. Das für Juden sehr wichtige Anliegen von "Kabbalat Ol" – das Aufsichnehmen des (Himmlischen) Joches – beinhaltet genau diesen Punkt; denn auf diese Weise werden die Juden als die "Heerscharen G-ttes" begriffen, sie handeln ohne eigennützige Motive, so wie ein Soldat jeden Befehl ohne Frage entgegennimmt.

Die Erklärung dieses Verses, wie er sich auf Jakob bezieht, ist damit, dass er Jakobs Streben zum Himmlischen Vater hin anzeigt. Und eben dies musste durch das "kleine Tun" erfolgen, bei dem persönliche Motive nicht ins Spiel gebracht werden. In dieser Art und Weise wird an G-tt gebunden.

Die Person Jakobs bietet uns dieses Beispiel: Unaufhörlich war er damit beschäftigt, aus den materiellen Dingen Heiligkeit zu gewinnen. So wanderte er nach Charan und arbeitete schwer als Schafhirt für Laban, dauernd physischen Härten und Nöten ausgesetzt. Wohl hätte er die Frage stellen können, warum er überhaupt nach Charan gehen müsse. Zugegeben, dass es für ihn unmöglich war, mit Esau zusammenzuleben, hätte doch jener fortgeschickt werden und er selbst in Beerschewa verbleiben können, um unter Schem und Ewer zu lernen. Aber nein.

Jakob haderte nicht mit seinem Geschick; unterwürfig und in Ausgeglichenheit, ja mit Freude, machte er sich an seine Aufgabe. Was dann schließlich aus dieser seiner Haltung erwuchs, war nicht etwa Verfall oder Niedergang, sondern ein Haushalt, der (geistig) vollkommen war. B'erez K'na'an: Wie ein Geschäftsmann erwarb er großen Reichtum – materiellen sowohl wie spirituellen.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Diskutieren Sie mit
1000 verbliebene Zeichen