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Richtige Belehrung

Richtige Belehrung

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Mit der dieswöchigen Sidra beginnt die Tora die Schilderung der Lebensgeschichte unseres Vaters Abraham. Abraham wurde von G-tt sehr geliebt, und die Gründe dafür werden uns mitgeteilt (Genesis 18, 19): "Denn ich habe ihn anerkannt, damit er seinen Kindern und seinem Hause nach ihm anbefehle, dass sie den Weg G-ttes bewahren, Milde und Recht zu üben." Abraham wurde also deshalb von G-tt geliebt, weil er zu seinen Kindern von G-tt sprach; er belehrte und unterrichtete sie, er leitete sie an, er flösste ihnen die Liebe zu G-tt und Seiner Lehre ein.

Unsererseits müssen wir alles daran setzen, unseren jungen Leuten beizubringen, was ein "bleibender Wert" ist, also ihnen zeigen, wie ein Prinzip bestehen bleiben und gedeihen kann, was immer die Zeitumstände, und wie die Mizwot das einzige Wertgut sind, welches buchstäblich Tausende von Jahren in der Geschichte unseres Volkes überlebt hat.

Alles andere war wohl Änderungen unterworfen. Im Laufe dieser Jahrtausende hat unser Volk, zum Beispiel, nicht nur Hebräisch gesprochen, sondern aus – periodisch – Aramäisch, Aschdodisch und mehrere altertümliche, untergegangene wie auch moderne Sprachen. Essensgewohnheiten haben sich gleichfalls im Laufe der Jahrhunderte geändert. Selbst Denkweisen haben innerhalb der verschiedenen Kulturen Wechsel durchgemacht. Eines jedoch hat sich nicht verändert, und unsere Jugend hungert und dürstet gerade nach einem solchen Ideal, das nicht zeitgebunden und nicht vergänglich ist.

Der am Sinai geheiligte siebente Tag ist derselbe siebente Tag, den wir haben. Die Anweisung "Schärfe sie ein" (Deut. 6, 7) gilt heute genauso wie für unsere Vorfahren. "Binde sie zum Zeichen an deine Hand" (ibid., Vers 8) weist hin auf die Tefillin, die alle Generationen die ganze Geschichte hindurch gelegt haben. Die Mesusot, angeordnet in den Worten "Und schreibe sie an die Pfosten deines Hauses" (ibid., Vers 9), waren immer, und sind auch heute, die Wahrzeichen des jüdischen Hauses. Die Tora, die schriftliche wie die mündliche, ist nicht an die Zeit gebunden.

In den extremsten Lagen haben wir diese Vorschriften eingehalten, in Reichtum wie bei den schlimmsten Verfolgungen, in jeder Umgebung, unter welchen Leuten und in welchen Ländern wir auch gewohnt haben.

Unsere Jugend möchte hören: "Dies ist eure Aufgabe, nämlich ein Teil zu sein dieser immerwährenden Kette, ein Glied in der Ewigkeit." Wenn dies ihnen als Ziel und als Aufgabe vorgesetzt wird, dann sind unsere jungen Menschen sehr wohl bereit, ihren Mann zu stellen und den Auftrag anzunehmen; sie werden die Älteren geradezu beschämen mit ihrem Idealismus und ihrer Hingebung. Da mag sich eine Mutter allerdings bloß für die neueste Kleidermode interessieren, ihre Tochter dagegen sorgt sich allein darum, ob sie der von der Tora geforderten Bescheidenheit in der Wahl der Kleidung auch richtig folgt; und sie wird die Diktate eines Heiden mit Verachtung strafen, der da in Paris die neueste Mode festlegt. Solche Kinder – das sollten Eltern sich doch einmal vor Augen führen – sind es, die ihnen wirklichen "Naches" (innere Freude) schaffen; sie sollten nicht gesehen werden als ihr "Kaddisch" nach dem Tode, sondern zur Lebenszeit ihr Stolz und Glück sein.

Die ungeschminkte Wahrheit, ohne "Zuckerguss" oder andere Ausschmückung, sogar ohne spezielle akademische Titel oder eine nur auf Reichtum basierende Autorität, die aus ehrlichem Herzen hervorquellende Wahrheit: dies ist die einzige Bedingung, die unsere Jugend stellt. Wir haben eine junge Generation vor uns, die sich nicht leicht beeinflussen lässt, nicht von Vater und Mutter, nicht von älteren Leuten, von keinem. Sie bestehen lediglich darauf, dass man sie nicht "missbraucht", nicht täusch, nicht wie verwöhnte Kinderchen behandelt; vielmehr wollen sie ganz und gar wie denkende Erwachsene behandelt werden. Sie wünschen für sich durchaus nicht das "leichte Leben"; Kompromisse locken sie nicht, noch lassen sie sich von Kompromissen überzeugen.

Der bedeutende Tora-Kommentator Nachmanides erläutert den zitierten Vers so: G-tt sagt gleichsam: "Ich weiß, das ihm (Abraham) sehr wohl bekannt ist, dass Ich der G-tt bin, der Rechtschaffenheit und Gerechtigkeit liebt; und deshalb wird er auch seinen Kindern und seinen Hausgenossen auftragen, diese Tugend beizubehalten."

Chinuch, Tora-Belehrung und -Ausbildung, besteht nicht einfach darin, dass man ein Kind "schließlich auch" zur Schule schickt, in die Religionsschule, nachdem es bereits alle Fernsehprogramme kennt und sein Verständnis insgesamt schon zu 80 Prozent gereift ist. Es handelt sich vielmehr darum, dass die Kinder Abraham folgen und (wie oben aus der Tora zitiert) "die Wege G-ttes bewahren, Milde und Recht zu üben". Dies ist ein fortwährender Vorgang, der schon seinen Anfang nimmt, wenn das Kind seine ersten wenigen Worte aussprechen kann. Dann bereits sollte ihm der hebräische Satz beigebracht werden, dessen Übersetzung lautet: "Die Tora, die Moses uns geboten hat, ist Erbgut der ganzen Gemeinde Jakobs." Und selbst das ist noch nicht der erste Ansatz von Chinuch; denn viele Generationen hindurch haben jüdische Mütter das Kleinkind beruhigt, besänftigt und in Schlaf gewiegt mit einem Wiegenlied, in dem der Wert und die Schönheit von Tora gerühmt werden.

Sogar noch früher, also wenn das Embryo sich im Mutterleib entwickelt, sogar dann besteht (so wird uns gelehrt) ein gewisser Aspekt von Chinuch.

Wenn unsere Lehrer und Erzieher – das möchte man sich wünschen – sich wirklich darauf konzentrieren würden, die Kinder in den Wegen von "Milde und Recht" anzuweisen, dann würden sie so manchen der sogenannten "Fortschritte" im Bereich von Erziehung und Unterrichten sehr kritisch gegenüberstehen. Im Lichte dieser "Fortschritte", so wird behauptet, sollen den Kindern wertvolles Wissen und wesentliche Fertigkeiten vermittelt werden, damit sie sich in der heutigen Welt zurechtfinden. Wollten wir uns allein auf derlei Dinge verlassen, dann würden wir einen tragischen Fehler machen; denn manche dieser sogenannten "Fortschritte" sind äußerst fragwürdig.

Unter solchen Auspizien also haben wir die Erziehung unserer Kinder Psychologen, Psychiatern oder Pädagogen anvertraut die sich mit Hypothesen abgeben, mit unbewiesenen philosophischen und wissenschaftlichen Theorien. Alles im Klassenzimmer muss da – es ist fast wie eine Manie – "neu" sein, von der "neuen Mathematik" bis hin zur "neuen Moral" (die in Wirklichkeit eine nur dünn getarnte Unmoral ist). Im Verfolg dieser "modernen" Tendenzen haben wir unsere Kinder den bewahrten Händen und dem erprobten System von "Melamdim" (Tora-Lehrer) und "Cheder" (Tora-Schule) entzogen.

Was sind die hervorragenden Ergebnisse dieser Tendenzen? Nur ein Beispiel sei hier gegeben: Im amerikanischen Staate Michigan können 47 Prozent der Kinder in der siebten Klasse noch nicht lesen! Ähnliche Statistiken, manchmal sogar noch schlimmere, gehen anderswo in den Vereinigten Staaten ebenfalls an. In jenem "altmodischen" Cheder jedoch, unter den "altmodischen" Melamdim, waren Kinder im Alter von 4 ½ Jahren in der Lage, fließend zu lesen und zu schreiben, und zwar in zwei Sprachen. Müssen wir also "Neuerungen" und "Fortschritte" um jeden Preis einführen?

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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