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Der Laternenanzünder

Der Laternenanzünder

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Im ersten Teil der dieswöchentlichen Sidra beschäftigt sich die Tora mit dem täglichen Entzünden des siebenarmigen goldenen Leuchters im Mischkan (dem Heiligtum in der Wüste) durch Aaron, den "Kohen Gadol" (Hohepriester).

In der chassidischen Philosophie wird die Seele des Menschen mit einer Flamme verglichen, wie es ja schon König Salomon ausdrückt: "Ein Licht G-ttes ist die Seele des Menschen" (Sprüche Salomons 20, 27). Genauso wie die Flamme flackert und immer nach oben weist (wenn man eine brennende Kerze umdreht, stellt sich die Flamme herum und zeigt auch dann weiter hartnäckig nach oben), so strebt die menschliche Seele ständig danach, emporzusteigen. Mit Aarons Entzünden der Menora war symbolisch seine Aufgabe angezeigt, die Seelen der Juden zu "entzünden". Jeder einzelne Jude hat in sich eine "Flamme"; nur ist sie oft verborgen und tief in seinem Inneren vergraben. Es war Aarons Aufgabe, dieses Licht aufzudecken und bloßzulegen.

Rabbi Schalom Baer von Lubawitsch wurde einmal gefragt: "Was ist ein Chassid?", und er erwiderte: "Ein Chassid ist ein Straßenlaternen-Anzünder". (Bekanntlich pflegten in alten Zeiten Männer die Straßenlampen anzuzünden; sie trugen lange Stangen, an deren Ende eine offene Flamme oder Fackel brannte.) Die Laternen standen wohl bereit, aber sie waren dunkel und bedurften des Anzündens.

Manche der Straßenlampen sind nicht so leicht zu erreichen wie zum Beispiel diejenigen, die an Straßenecken stehen. Es gibt auch Laternen an entlegenen Plätzen oder inmitten der See; immer aber muss jemand da sein, der sogar diese Lampen anzündet, damit sie nicht unbenutzt bleiben sondern anderen den Weg erhellen.

Wir haben schon den Ausspruch erwähnt: "Ein Licht G-ttes ist die Seele des Menschen." Ebenso heißt es in den Sprüchen Salomons (6, 23): "Denn eine Mizwa (ein Gebot) ist eine Kerze, und die Tora ist Licht."

Ein Chassid ist jemand, der seine persönlichen Belange beiseite stellt und in der Welt herumgeht, um die Seelen von Juden mit dem Licht von Tora und Mizwot zu entflammen. Jüdische Seelen stehen fürwahr zum Anzünden bereit; manchmal finden sie sich gleich um die nächste Ecke, und manchmal sind sie tief in einer Wüste oder inmitten der See. Es muss jemanden geben, der, ohne Rücksicht auf seine eigene Behaglichkeit oder Bequemlichkeit, große Umwege macht, um diese "Lampen" anzuzünden. Das ist die Aufgabe jedes wahren Chassid.

Die hieraus zu entnehmende Lehre ist klar. Wir müssen jedoch als wesentlich hinzufügen, dass diese Berufung nicht nur auf den Chassid beschränkt ist, sondern jeder einzelne Jude hat diese gleiche Pflicht; und früher oder später werden alle Juden zu Chassidim in diesem Sinne sowie auch in anderer Hinsicht. Die G-ttliche Vorsehung entsendet Juden zu den entlegensten Stellen, gerade damit sie dort diesen Auftrag ausführen.

Möge G-tt es geben, dass jeder einzelne von uns ein getreuer "Straßenlaternen-Anzünder" ist und diese seine Aufgabe freudig und mit innerer Willigkeit versieht.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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