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Josefs Aufgabe ist auch die unsere

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In der dieswöchigen Sidra Wajeschew bezeichnet die Tora Josef als "schön von Gestalt und schön von Erscheinung" (Gen. 39, 6). Er pflegte sein Haar zu kämmen, und so fand ihn die Frau seines Meisters Potifar reizvoll. Er kam ins Gefängnis, und selbst dort "liess G-tt gelingen, was er tat" (ibid., Vers 23).

Die Schilderung dieses Vorfalles besteht aus zwei Teilen. Der eine Teil handelt von Josef und enthält die oben zitierte Angabe seiner Schönheit, der andere spricht von Potifars Weib. Aus beiden - wie aus allem, das in der Tora steht - kann man gültige Lehren für das tägliche Leben zu allen Zeiten entnehmen.

Bei Josefs Geburt hatte seine Mutter Rachel gesagt (Gen. 30, 24): "G-tt gebe mir noch einen anderen Sohn (Ben Acher)". Der dritte Lubawitscher Rebbe, der "Zemach Zedek" s.A., hat hierzu die Erklärung gegeben, dass Josefs Lebensaufgabe sein sollte, dass aus einem "Acher" (einem "anderen" oder "fremden") ein "Ben" (ein wahrer Sohn) würde, das heisst, dass durch ihn Menschen den Weg zu G-tt finden.

Diese Fähigkeit und Stärke Josefs lag in eben der Tatsache begründet, dass er "schön von Gestalt und schön von Erscheinung" war. In allem war Josef vollkommen: in der Einhaltung der positiven ("Gestalt") wie der negativen ("Erscheinung") Vorschriften. Und aus diesem Grunde war er in der Lage, andere zu beeinflussen.

Dies ist eine Lehre für jeden einzelnen: Von jedem wird erwartet, dass er nicht nur ständig an sich selbst "arbeitet" sondern auch an anderen. Um hierbei wirklich erfolgreich zu sein, muss man stets den Grundsatz im Auge behalten: "Erst bring dich selbst in Ordnung, und dann andere". Dies bedeutet allerdings nicht, dass man erst einmal abwarten muss, bis man selbst ganz vollkommen ist, bevor man es unternimmt, anderen zu helfen; das ist falsch. Nein, ungeachtet des eigenen Standortes muss man sich mit anderen abgeben - und zwar sofort, ohne Aufschub.

Auf der anderen Seite gehört dazu, dass man es nie unterlässt, seine eigenen Fehler und Mängel zu verbessern; man muss wissen, dass diese "Arbeit" an sich selbst sich auf andere genauso wie auf die eigene Person auswirkt. Denn der andere erkennt schnell genug diese unsere Mängel, und er könnte sich deshalb weigern, sich positiv beeinflussen zu lassen. Jeder einzelne muss sich deshalb der großen Verantwortung bewusst sein, die darin besteht, dass man seine eigenen Fehler verbessert; denn wenn dies ausbleibt, kommen auch andere zu Schaden. Folglich ist Selbstverbesserung nicht nur Sache der Einzelperson sondern Angelegenheit der ganzen Gemeinschaft.

Was den anderen Teil betrifft, der von Potifars Weib handelt, so geht die traditionelle rabbinische Ansicht dahin, dass sie auch ehrenwerte Absichten verfolgte; denn sie hatte vorausgesehen, dass Josef durch sie Kinder haben würde. Ihr großes Missverständnis bestand darin, dass dies nicht durch sie selbst geschehen würde, sondern durch ihre Tochter (die Josef später heiratete). Daraus müssen wir entnehmen, dass etwas, das nach aussen hin völlig unheilig, ja scheusslich aussieht, dennoch im tiefsten Grunde von G-tt gewollt sein kann, als Ansatzpunkt zum Emporstreben zu noch grösserer Heiligkeit.

In diesem Lichte kann man gut verstehen, was der "Alte Rebbe" im "Tanja" erwähnt, nämlich: Es kann vorkommen, dass ein Jude betet und gerade dann kommt ein Nichtjude und stört ihn dabei. Dann soll der Jude sich dadurch nicht behindern lassen, sondern er soll sich, im Gegenteil, noch mehr auf sein Gebet konzentrieren, so dass es aus tiefstem Herzen kommt. Dieser Standpunkt lässt sich damit erklären, dass der Nichtjude irgendwie im Verborgenen spürt, vielleicht sogar ganz unbewusst, dass auch er zur Heiligkeit beitragen muss. Selbst wenn sein äußeres Tun das Gegenteil anzuzeigen scheint, es sich also um eine Paradoxie handelt, ist doch eine innere Absicht zum Guten als vorhanden vorauszusetzen. Diese scheinbare Paradoxie müssen wir auch beim Verhalten von Potifars Weib postulieren.

Zusammenfassende Übersicht:

Josefs Lebensaufgabe ist ein Paradigma für die ständige Aufgabe jedes einzelnen Juden zu aller Zeit. Selbst aus dem Verhalten von Potifars Weib lässt sich eine positive Schlussfolgerung ziehen. Eine Lehre ist in bezug auf Juden wie auf Nichtjuden gegeben.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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