Kontakt

Der Weg und das Ziel

Der Weg und das Ziel

 E-Mail

Ich komme eben von der Hochzeit meines Vetters (... danke, Simchas auch bei Ihnen!). Der Abend war wunderbar, L’Chaims wurden ausgetauscht, und alle freuten sich königlich. Sogar meine Kinder vergaßen meist, mich zu plagen.

Rabbi Mosche Feinstein, die bedeutende halachische Autorität in Amerika, ging einst zu einer Goldenen Hochzeit. Einer der Gäste, der eindeutig zu viel getrunken (oder zuviel Chuzpe) hatte, äußerte sein Erstaunen darüber, dass der Rabbi trotz seines vollen Terminkalenders Zeit für solch ein unwichtiges Ereignis hatte. Bei einer Hochzeit zu jubeln ist eine Mizwa, ebenso die Teilnahme an einer Bris, Bar Mizwa oder anderen Zeremonien. Aber welche religiöse Bedeutung hat eine Feier zum 50. Jahrestag?

Der Rabbi erklärte: Wir feiern eine Hochzeit, um das Potenzial dessen, was noch kommen soll, zu unterstreichen. Im wahren Leben beginnt die Geschichte ja erst. Das heutige Fest zum Gedenken an ein gemeinsames Leben, das von wahrer jiddischer Nachess und großen Leistungen erfüllt war, ist der Gipfel der Hochzeit und rechtfertigt das Glück und die Freude vor 50 Jahren.

Diese Geschichte fiel mir ein, weil ich diese Woche an den Unterschied zwischen Weg und Ziel dachte, zwischen Potenzial und Verwirklichung. Die ersten Worte des neuen Wochenabschnitts verkünden das Schabbatgebot:

„Sechs Tage soll gearbeitet werden ... und der siebente Tag soll heilig sein, völlige Ruhe für G-tt. (Exodus 35:1)

Wir müssen arbeiten, um zu leben. Wir brauchen Geld für die Hypothek, die Schule und das Essen. Zwar könnte G-tt, wenn er wollte, uns mühelos mit allem versorgen; aber er entschied sich für eine andere Lösung. Darum ist die Arbeit an sechs Tagen ebenso ein g-ttliches Gebot wie die Ruhe am siebten Tag.

Die Arbeitswütigen unter uns verwechseln den Weg mit dem Ziel. Im zitierten Vers heißt es ja: „Die Arbeit soll getan werden“ – im Passiv. Es ist ungesund und ein Verstoß gegen die Regeln, wenn wir von unserer Arbeit besessen sind. Mag sein, dass Sie arbeiten müssen, aber die Arbeit möge „getan werden“. Denken Sie immer an Ihr höchstes und wahres Ziel, dessen Symbol der Schabbat ist, der Tag, an dem wir die Sorgen der Woche beiseite schieben können, um Freude an der Familie und der Religion zu haben.

Wenn Sie das beachten, verspricht die Tora Ihnen totale Entspannung. Wenn Sie nur am Geschäft und am Geld interessiert sind, können Sie sich nie vollständig ausruhen, selbst wenn Sie nicht arbeiten; denn Ihre Gedanken wirbeln immer noch und beschäftigen sich mit Problemen, die Ihnen die wahre Gelassenheit rauben. Nur wenn Ihnen das Ergebnis wichtiger ist als der Weg und wenn Sie Ihr wahres Ziel kennen, sind Sie imstande, sich wirklich zu entspannen und zu feiern. Dann wissen Sie, dass Sie erfolgreich gearbeitet haben und dass die ganze Mühe sich gelohnt hat.

von Elisha Greenbaum
© Copyright, alle Rechte vorbehalten. Wenn Ihnen dieser Artikel gefallen hat, empfehlen Sie ihn weiter, vorausgesetzt Sie halten sich an unsere Urheberrechtsrichtlinien.
 E-Mail
Start a Discussion
1000 verbliebene Zeichen
Diese Seite in anderen Sprachen