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Zwei Rabbiner, eine Synagoge

Zwei Rabbiner, eine Synagoge

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Hört sich das an wie ein Machtkampf, wie Überbeschäftigung oder wie die neuste Komödie? Wahrscheinlich. Aber jüdische Geschichte ist nie wahrscheinlich.

So fing es an: Mosche konnte und wollte das Volk nicht allein führen. Aharon musste dabei sein. Mosches älterer Bruder war mehr als sein rabbinischer Gehilfe – er war viel beliebter; er war der nette Kerl; er schlichtete Streit in der Gemeinde, zwischen Eheleuten, zwischen Geschwistern, zwischen Eltern und Teenagern.

Mosche war eher autoritär als väterlich. Er war Lehrer, nicht Berater; er war Gesetzgeber, nicht Therapeut. Er war derjenige, der Recht hatte (tut mir Leid für Relativisten und künftige Bräute).

Mosche verkörperte die Wahrheit, Aharon den Frieden. Die Wahrheit verlangt Integrität, der Friede fordert Kompromisse. Die Tora legt Wert auf beides; darum wurde ein Team – kein Individuum – gebraucht, um ein Volk zu formen. Mosche genoss selten öffentliche Unterstützung. Seine Methoden, seine Führungsqualitäten und seine Integrität wurden immer wieder herausgefordert, und man beschuldigte ihn der Vetternwirtschaft. Aharon wurde selten kritisiert, und wenn, dann nur als Verwandter von ... Sie wissen schon.

Die Unterschiede zwischen den Brüdern hörten nach ihrem Tod nicht auf. An Aharons Begräbnis nahmen fast doppelt so viele Leute teil wie an Mosches. Aber – und das ist nicht überraschend – nur nach Mosches Tod drohte das Volk zu verzweifeln. Doch während Aharons Beliebtheit ihm eine große Begräbnisfeier verschaffte, wurde Mosche zum Oberhaupt des Volkes, weil er auch Lehrer war. Aharons Tod löste Trauer aus, Mosches Tod erzeugte eine schreckliche Leere. Wir sehnen uns nach Führung, wenn wir sie nicht haben (ähnlich ist es mit dem Geld).

Wir brauchen unsere Aharons und wir brauchen unsere Mosches (auch in uns selbst, in unserer Persönlichkeit). Der eine ist ohne den anderen unausgewogen. Wenn wir den Frieden über die Wahrheit stellen, weil der Friede, anders als die Wahrheit, nichts von uns fordert, bekommen wir beides nicht. Das passt nicht gut in Situationskomödien, aber die jüdische Geschichte ist keine Komödie.

von Shimon Posner
Rabbi Shimon Posner ist der Direktor von Chabad in Rancho Mirage, Kalifornien.
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