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Wasserplage

Wasserplage

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Einer der Gründe für die fundamentale Wichtigkeit des Auszugs aus Ägypten im Judentum ist die tiefe Bedeutung dieser körperlichen und geistigen Befreiung. Denn der Auszug aus Ägypten ist nicht nur ein historisches Ereignis, das viele tausend Jahre zurückliegt. Der jüdischen Mystik1 zufolge ist im spirituellen Sinn der „Auszug aus Ägypten“ ein tagtäglicher Prozess im Leben des Menschen, nämlich unsere eigenen, inneren Begrenztheiten zu überwinden. So z.B. verhält es sich mit der Gewohnheit. Der Mensch muss große Anstrengungen aufbringen um Dinge zu tun, die über seiner Gewohnheit stehen. Indem wir uns aus den Fesseln unserer Enge befreien, geben wir dem Geistigen in uns die Freiheit sich stärker ausdrücken zu können. Somit lassen wir unser wahres, g-ttliches Wesen zu Wort kommen!

Wasser und Blut

Unser Wochenabschnitt erzählt von den Zehn Plagen, welche den Anfang des Auszugs aus Ägypten bildeten. Und diese lehren uns, wie wir auch aus unserem „Ägypten ausziehen“ können.

Die erste Plage war Blut – alles Wasser in Ägypten verwandelte sich in Blut. Der erste Schritt also uns aus unserem Ägypten zu befreien, ist die Verwandlung von „Wasser“ in „Blut“. Wasser symbolisiert Kälte und Gefühllosigkeit. Blut hingegen steht für Wärme, Begeisterung und Lebenskraft. Wenn ein Jude aus seinem Ägypten ausziehen will, seine Begrenztheit überwinden möchte, so muss er als erstes das „Wasser“ in „Blut“ verwandeln! Sein Dienst zu G-tt soll nicht gefühllos und ohne Lebensfreude praktiziert werden, sondern eher in der Symbolik des „Bluts“, lebendig und voller Begeisterung!

Begeisterung ist notwendig

Dazu gibt es das Argument: „Wozu die dringende Notwendigkeit für so große Begeisterung beim Begehen einer Mitzwa oder bei der Teilnahme an einem Schiur? Auch ohne sie kann ich G-tt dienen! Was soll denn so schlimm daran sein, wenn ich mal keine Lust habe in die Synagoge zu gehen? Ich halte mich ja an die jüdischen Traditionen, und ganz bestimmt begehe ich kein Verbot!“

Doch die Wahrheit ist härter; denn eine gefühllose Einstellung in Sachen Judentum führt letztendlich zur Entwicklung einer Abneigung bis hin zum Verlassen jüdischer Werte! Kälte und Gefühllosigkeit bedeuten, dass der Mensch kein wirkliches Interesse an einer gewissen Sache hat. Wenn ein Mensch wirklich an etwas interessiert ist, bemüht er sich darum mit all seinen Kräften, mit voller Hingabe, Lebenskraft und Freude. Denn es ist ihm wichtig. Gefühllosigkeit gegenüber dem Judentum zeigen nur, dass die Thora und ihre Gebote für einen nur eine Gewohnheitssache sind; Mitzwot werden wie rein technische Tätigkeiten behandelt. Und diese Begrenztheit in Bezug auf jüdische Werte ist der Beginn des weiteren Absinkens!

Der erste Schritt also ist es diese Gleichgültigkeit abzuschaffen und an ihrer statt neuen Schwung in die Mitzwot zu bringen! Mitzwot sind nicht eine Sache, die man schnell hinter sich zu bringen hat, als wolle man bei G-tt nur seine Schuld begleichen. Das Gebet, das Thorastudium, die Gebote sollen mit Lebensfreude, Begeisterung, Liebe und Hingabe behandelt werden!

Hidur Mitzwot

Und ein praktischer Ausdruck dafür ist das „Ehren der Mitzwot“. Jemand, der G-tt nur aus Gewohnheit „dient“, ohne Begeisterung dafür, dem reichen billige Tefillin von mäßiger Qualität, ein schnell abgespultes Gebet, und Lebensmittel, die „gerade noch koscher sind“ (nebenbei: bei materiellen Gütern achtet er sehr wohl auf die Qualität, auch wenn er dafür tiefer in die Tasche greifen muss). Denn er will ja nur seine Pflicht erfüllen. Aber jemand, der sein Judentum ehrlich angeht, bemüht sich um „Qualitätsware“ – nur beste Tefillin, ein Gebet im Minjan usw.! Denn er dient G-tt aus Liebe und mit reinem Herzen!

Das ist der erste Schritt für den Auszug aus Ägypten, und am Ende erreicht man schließlich seine individuelle Erlösung; und von der individuellen Erlösung kommt man zur universalen, vollkommenen Erlösung – und das sofort in unseren Tagen!

(Likutej Sichot, Band 1, Seite 119)

Fußnoten
von Benjamin Sufiev
Benjamin Sufiev ist Publizist und Thoralehrer in Wien. Er ist Vater von vier Kindern und hat 2016 sein erstes Buch verfasst: Belebende Parascha – Thoradeutungen des Lubawitscher Rebben für die Gegenwart. Es ist hier erhältlich.
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