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Unser Anteil am Schöpfungsplan

Unser Anteil am Schöpfungsplan

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Die dieswöchige Parascha heißt Teruma. Teruma bedeutet Spende, da der Mischkan (auch Tabernakel oder Stiftzelt genannt) von den Spenden des Jüdischen Volkes gebaut wurde. Weshalb wird aber die Parascha, in der sich alles um die Wohnstätte G-ttes in dieser Welt dreht, ausgerechnet nach den Spenden von Menschen benannt?

Die Chassidische Lehre besagt, daß G-ttes Schöpfungsplan, namentlich die Tora, einen Zweck sowie eine Bedingung in sich birgt. Zweck der Tora ist es, die G-ttliche Herrschaft und Glorie in dieser Welt zu offenbaren. Die hiermit verbundene Bedingung lautet, daß dieser Zweck durch die Bemühungen bzw. das Zutun von Menschen erreicht werden soll. Die Voraussetzung hierfür wurde mit der Offenbarung der Tora am Berg Sinai geschaffen. G-tt lehrte uns am Sinai, daß wir durch das Lernen von Tora sowie die Ausübung von Mizwot Seine Herrlichkeit in dieser Welt offenbaren können. Bis zu diesem Zeitpunkt, d.h. bis zur Übergabe der Tora, gelangte G-ttlichkeit indes auch ohne das Zutun von Menschen in diese Welt.

Doch erst mit der Errichtung des Mischkan begann die zuvor erwähnte Bedingung des G-ttlichen Plans praktisch zu greifen. Von nun an bedarf es der menschlichen Mitwirkung dafür, daß G-ttlichkeit in diese Welt gelangt. Aus diesem Grund wird die Parascha, in der es um den Bau von G-ttes Wohnstätte in unserer Mitte geht, auch nach den Spenden von Menschen benannt - denn das Haus G-ttes kann nunmehr nur unter der Bedingung menschlicher Beteiligung in dieser Welt errichtet werden.

Eine sich in diesem Zusammenhang ergebende Frage lautet, ob die Lehre über den Bau des Mischkan mittlerweile nicht 'überholt' zu sein scheint, da der Mischkan nur eine vorübergehende Wohnstätte darstellt und zwischenzeitlich durch die beiden Tempel in Jerusalem ersetzt worden ist? Warum ist es also weiterhin von Bedeutung die Gesetze über den Mischkan zu lernen, wenn es sich schließlich um eine nur temporäre Einrichtung handelt?

Der Mischkan verfügt über einen bestimmten Vorzug, über den die Tempel nicht verfügen: Der Mischkan ist mobil und gelangt daher an die entlegensten Orte, selbst in einer - auch spirituellen - Wüste und erfüllt diese mit G-ttlichkeit. Die Lehre des Mischkan soll uns somit daran erinnern, daß es unsere Aufgabe ist, Jüdischkeit an die entlegensten Orte zu bringen und unsere Brüder und Schwestern dort zu erreichen, wo immer sie sich auch befinden.

(Basierend auf Likute Sichot, Band 21, S. 146ff)

von Avichaj Schäfer
Basierend auf den Lehren des Lubawitscher Rebbe. Ins Deutsch übertragen von Avichaj Schäfer.
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