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Fremdes Feuer

Fremdes Feuer

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Im Wochenabschnitt Schmini wird vom Tod der zwei ältesten Söhne Aaron's, Nadaw und Awihu, berichtet: Als sie "fremdes Feuer" (Räucheropfer) in das Heiligtum (das Stiftzelt) vor G-tt brachten, welches ihnen nicht aufgetragen wurde zu bringen, ging ein Feuer von G-tt aus und verzehrte sie beide (d.h. ihre Seelen). Moses wendet sich daraufhin an Aaron mit den Worten: "Als G-tt sagte: 'Ich werde durch diejenigen geheiligt, die Ich auserwählt habe und (durch sie) werde Ich glorifiziert vor dem ganzen Volk', hat Er dieses (Ereignis) erwähnt." Und Aaron schwieg daraufhin.

Diese Begebenheit erscheint zunächst als widersprüchlich und schwerverständlich. Was war nun der Grund für das Hinscheiden von Nadaw und Awihu? Über die Gründe ihres Hinscheidens geben uns unsere Weisen s.A. denn auch recht unterschiedliche Erklärungen.

Zwei der anerkanntesten Erklärungen hierzu lernen wir von Raschi:

  1. Rabbi Elieser wird zitiert mit der Erklärung, daß Nadaw und Awihu starben, da sie eine halachische Entscheidung (nämlich Räucherropfer darzubringen) in der Gegenwart ihres Lehrers Moses trafen.
  2. Rabbi Ischma'el wird zitiert mit der Erklärung, daß sie starben, weil sie unter dem Einfluß von Wein das Heiligtum betraten. Als Beleg für diese Interpretation wird angeführt, daß direkt nach dem Hinscheiden von Nadaw und Awihu, die Tora die verbleibenden Priester ausdrücklich davor warnt, das Heiligtum unter dem Einfluß von Wein oder anderen starken Getränken zu betreten.

Folgt man der zuletzt erwähnten Erklärung, stellt sich die Frage, weshalb Nadaw und Awihu in das Heiligtum unter dem Einfluß von Wein gingen?

Ein chassidischer Gedanke hierzu ist der, daß alleine der Genuß von berauschendem Wein nicht in der Absicht von Nadaw und Awihu lag, sondern sie sich vielmehr durch den Weingenuß in einen Zustand höherer Empfänglichkeit für Spiritualität und Heiligkeit versetzen wollten. Nadaw und Awihu waren tatsächlich sehr heilig, so wie es Moses ausdrückt, indem er nach ihrem Hinscheiden zu ihrem Vater Aaron sagt: "Jetzt erkenne ich, daß sie (Nadaw und Awihu) größer sind als ich oder du." Sie betraten nicht nur das Heiligtum, um G-tt nahe zu sein, im einfachen Sinne des Wortes, sie taten es unter dem Einfluß von Wein, um G-tt so nahe wie irgend möglich zu kommen, indem sie sich durch den Genuß von Wein noch sensibler für diese spirituelle Erfahrung beziehungsweise Begegnung machen wollten.

Ihr Verlangen nach spiritueller Erfahrung war letztenendes aber nicht ausgewogen. Nadaw und Awihu's Seelen verließen bei diesem Ereignis diese Welt, da sie eine so hohe Stufe von Spiritualität sowie G-ttes-Erfahrung im Heiligtum gemacht haben, daß ihre Seelen nicht mehr zurück in die begrenzende Welt physischer Existenz zurückkehren wollten. Im Lichte dieser Betrachtung erklärt sich auch der Begriff des "fremden Feuers", welches ihnen zu bringen nicht aufgetragen wurde: Das innere Feuer Nadaw's und Awihu's, d.h. ihr brennendes Verlangen nach G-tt war außer Kontrolle geraten.

Obwohl es einerseits für Juden ein höchstes Ziel ist, nach Spiritualität zu streben und G-tt so nahe wie möglich kommen zu wollen, so wie bei Nadaw und Awihu, ist es jedoch andererseits notwendig, ja unsere Aufgabe, spirituelle Erfahrungen zurück in die einfache Welt des täglichen Lebens zurück zu reflektieren, um so diese Welt mit Heiligkeit und Spiritualität zu füllen.

(Basierend auf Likute Sichot, Band 32)

von Avichaj Schäfer
Basierend auf den Lehren des Lubawitscher Rebbe. Ins Deutsch übertragen von Avichaj Schäfer.
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