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Die Pflicht, die Wahrheit zu sagen

Die Pflicht, die Wahrheit zu sagen

Und wann es erlaubt ist, diplomatisch zu werden

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Im Buch Genesis1 lesen wir über Jaakow: Es ging darum, der Bitte seiner Mutter nachzukommen und sich als sein älterer Bruder Esau zu verkleiden, so dass er den Segen seines Vaters Jizchak, den dieser eigentlich Esau geben wollte, bekam. Und das trotz der Tatsache, dass Jaakow eine spirituell sehr erhabene Person und ein Musterbeispiel an Ehrlichkeit war! So ist die Eigenschaft der Wahrheit mit unserem Patriarchen Jaakow am stärksten verbunden, nachdem gesagt wird:2 "Gib Jaakow Wahrheit."

Kann es sein, dass der große Bedarf für diese Segen das allgemeine Verbot, eine andere Person zu täuschen, außer Kraft setzte? Dieser Artikel wird die Wichtigkeit der Wahrheit und die Zulässigkeit diplomatischer Änderungen unter berücksichtigungswürdigen Umständen erforschen.

Die Tugend der Wahrheit

Die Tora sagt: "Nehmt Abstand von Wörtern der Falschheit."3 Das ist die einzige Sünde, die uns die Tora nicht nur verbietet, sondern uns auch zum "Distanzieren" auffordert.4

Indem wir die Wahrheit sagen, eifern wir unserem Schöpfer nach, von dem gesagt wird: "Das Siegel G-ttes ist die Wahrheit."5 Das Buch der Chassidim schreibt: "Nur wer die Wahrheit spricht kann die Bestimmung ändern und Dekrete erlassen, die sich in Wirklichkeit umsetzen."6

Aus dem Talmud7 geht hervor, dass es nicht nur sehr wünschenswert ist, immer die Wahrheit zu sagen, sondern auch eine Segula (eine spirituell besonders günstige Tat), damit der Mensch alle Jahre, die G-tt ihm zugeschrieben hat, auch tatsächlich erlebt.

Der Talmud sagt,8 dass es vier Gruppen von Menschen gibt, die es nicht verdienen, der G-ttlichen Gegenwart zu begegnen. Eine dieser Gruppen sind die Lügner. Diese Strafe wurde maßgeschneidert: Indem sie logen, haben sie gezeigt, dass sie versuchten, einem Menschen zu gefallen, doch dabei haben sie die Gegenwart des allwissenden Allmächtigen ganz vergessen. Daher verdienen sie es nicht, dass der Ewige sich Seinerseits zu ihnen gesellt.9

Der Talmud sagt auch,10 dass es drei Arten von Menschen gibt, die G-tt verachtet. Eine von ihnen sind diejenigen, die das Gegenteil sagen, von dem was sie eigentlich denken.

In der Praxis ist es klar, dass die Leute derjenigen Person, die es sich angewöhnt hat, die Wahrheit zu sagen, Vertrauen schenken, wie der Vers sagt11: "Eine wahre Zunge wird für immer errichtet sein." Und so wird einem chronischen Lügner nicht getraut, wie der Vers weiterfährt: "Doch eine lügnerische Zunge, nur für einen kurzen Moment", d.h., seine Glaubhaftigkeit ist kurzlebig.

Die Notwendigkeit, die Wahrheit manchmal abzuändern

Trotz all dem gibt es Umstände, in denen es erlaubt oder sogar wünschenswert ist, diplomatisch zu werden. Der Grund dafür ist,12 dass das Tora-Gebot die Lüge als ein falsche Aussage definiert, die dazu benutzt wird, jemandem zu Schaden, wie der Vers sagt: "Haltet euch vor der Falschheit fern, tötet keinen unschuldigen oder gerechten Menschen." Daraus lernen wir, dass es verboten ist, auf eine Weise zu lügen, die das Leben einer anderen Person gefährden oder ihr Schaden zufügen könnte.

Unsere Weisen haben uns jedoch dazu aufgefordert, auch keine "klugen Lügen" zu erzählen, wie der Vers sagt13: "Sie täuschen einander und sagen nicht die Wahrheit; sie haben ihren Zungen das Lügen beigebracht, sie haben Frevel getrieben bis zur Erschöpfung." Und in den Worten König Salomons14: "Halte Falschheit und lügende Worte von mir fern." Doch in mildernden Umständen, wie sie weiter unten erklärt werden, waren die Rabbiner nachsichtig.

Eine Lüge, die dazu dient, Frieden zu stiften15 (wie das später noch erklärt wird), ist nicht mit eingeschlossen im Verbot, Lügen zu erzählen. Es scheint, dass nachdem diese Lüge ein positives Endziel hat, sie nicht verboten ist.

Beispiele für erlaubte Lügen (diplomatische Abänderungen)

Es ist erlaubt, "die Wahrheit aus Friedensgründen abzuändern".16 Wir lernen das aus einem Gespräch zwischen G-tt, Sara und Abraham in Genesis.17 Als Sara mitgeteilt wurde, dass sie einen Sohn auf die Welt bringen würde, lachte sie nur und sprach: "Nachdem ich schon verwelkt bin soll ich wieder eine glatte Haut bekommen? Und mein Ehemann ist alt." Als G-tt Abraham diesen Kommentar von Sara übermittelte, meldete Er ihm, dass Sara gesagt hatte: "Wie soll ich Kinder gebären, nachdem Ich schon alt bin." Und Raschi18 erklärt, dass G-tt Saras Worte abänderte, damit Abraham nicht erfahren würde, dass Sara eine etwas abwertende Bemerkung über ihn fallen gelassen hatte.

Aaron der Hohepriester wendete diese Methode oft an, als er versuchte, zwischen streitenden Eheleuten und Freunden Frieden zu stiften. Er würde sich zuerst an eine der beiden Parteien wenden und ihr "weiß machen", dass es der anderen Partei Leid tut und dass sie sich wieder mit ihr versöhnen will. Als die Person das hörte, zeigte sie ein Interesse daran, die Meinungsverschiedenheit zu regeln. Aaron würde sich dann an die andere Partei wenden und ihr diese Neuigkeit überbringen, worauf alle zu einer Wiedervereinigung einverstanden waren.19 Der Rif20 sagt, dass es sogar eine Mizwa ist, die Tatsachen auf eine Weise zu verdrehen, dass sie es vermögen, den Frieden zu bewahren.

Andere Fälle, in denen weiße Lügen erlaubt oder sogar erwünscht sind:

  1. Die Wahrheit aus Gründen der Bescheidenheit verändern. Es ist z.B. erlaubt zu behaupten, ein bestimmtes Traktat des Talmuds nicht zu kennen, obgleich wir es in Wirklichkeit kennen.21
  2. Die Wahrheit verändern, um Diskretion zu bewahren.22
  3. Die Wahrheit verändern, um einen Anderen vor Schaden oder Unannehmlichkeiten zu beschützen. Wenn z.B. ein Gastgeber sehr großzügig war, und wir auf dieses Thema angesprochen werden, sollten wir nicht jedem von seiner Freigebigkeit erzählen, weil er dann riskiert, von Gästen regelrecht überflutet zu werden.23
    Wenn bei einem Menschen eine unheilbare Krankheit entdeckt wurde, und diese Information riskiert, negativen Einfluss auf seine Gesundheit zu haben, könnte es besser sein, diese Tatsache vor ihm zu verstecken.24
  4. Eine weiße Lüge wird gesagt, um zu vermeiden, jemanden in Verlegenheit zu bringen. So sollen wir über eine Braut sagen, dass sie hübsch und anmutig ist, selbst wenn das nicht unserer persönlichen Ansicht entspricht.25
  5. Wenn wir einen übertriebenen Ausdruck benutzen, um etwas zu beschreiben, und es allen klar ist, dass es sich lediglich um eine Übertreibung handelt,26 wie z.B. "Du siehst bleich wie ein Leinentuch aus."
  6. Es gibt Umstände, in denen es erlaubt ist, jemanden zu täuschen, um den Verlust einer Sache zu vermeiden, die uns eigentlich zusteht. Unser Patriarch Jaakow musste diese Methode mehrere Male anwenden, um sein rechtmäßig verdientes Einkommen davor zu schützen, von Lawan unterschlagen zu werden.27 Die Einzelheiten dieser Angelegenheit liegen jedoch jenseits des Rahmens dieses Artikels.28
  7. Falls wir etwas für uns selbst tun, aber ein Anderer denkt, wir hätten es getan, um ihn zu würdigen, können wir diesem Menschen "die Freude lassen", und brauchen dieses Missverständnis nicht zu korrigieren. Der Talmud29 erzählt, dass einige Rabbiner von Stadt zu Stadt reisten. Ein Rabbiner, der sich zufällig in einer jenen Stadt befand, dachte, dass sie extra gekommen waren, um ihn zu begrüßen. In diesem Fall, folgert der Talmud, ist es nicht nötig, diese falsche Annahme zu korrigieren.30

Ausnahmen zu den Ausnahmen

  • Trotz dieser Genehmigungen, sollen wir stets vermeiden, eine vollständige Lüge zu erzählen, sondern uns möglichst auf Halbwahrheiten beschränken.31
  • Selbst in jenen Fällen ist Kindern gegenüber größere Vorsicht geboten. Wir sollen uns stets bemühen, Kinder nicht anzulügen, damit sie sich nicht an Lügen gewöhnen.32
  • Und selbst unter diesen Umständen sollen wir nicht fortlaufend lügen.33
  • Der Magen Abraham34 sagt, dass wir selbst in den oben erwähnten Umständen nur über die Vergangenheit lügen dürfen, jedoch nicht die Zukunft betreffend. Wir dürfen z.B. nicht sagen: "Ich werde das und das tun", um Frieden zu stiften. Andere beanstanden diese Entscheidung.35
Fußnoten
1.

Kap. 27.

2.

Micha 7:20 und Me'am Lo'ez ad loc.

3.

Ex. 23:7.

4.

Pele Jo'ez, Eintrag Scheker.

5.

Talmud, Schabbat 55a, Sanhedrin 64a.

6.

Sefer Chassidim S. 47.

7.

Sanhedrin 97a.

8.

Sota 42a.

9.

Ben Jehojada, ibid.

10.

Psachim 113b.

11.

Sprüche Salomons 12:19.

12.

Jera'im 235, wie in To'afot Re'em erklärt.

13.

Jeremia 9:4.

14.

Sprüche Salomons 30:8.

15.

Ritwa zu Ketuwot 17a.

16.

Talmud, Jewamot 65b.

17.

Kap. 18.

18.

Zum Talmud, Baba Mezia 23b.

19.

Sprüche der Väter 1:12 und Bartenura ad loc.

20.

Baba Mezia 13a (in den Seiten des Rif).

21.

Bava Mezia, ibid.

22.

Ibid.

23.

Ibid.

24.

Siehe Enzyklopädie der jüdischen, medizinischen Ethik von Abraham Steinberg, Eintrag Bekanntgabe der Krankheit an den betreffenden Patienten.

25.

Talmud, Ketuwot 17a.

26.

Piskej Tschuwot 156:21.

27.

Siehe Pardes Josef Paraschat Wajeze Nr. 66 in den dort erwähnten Quellen.

28.

Siehe Pitchej Choschen, Kap. 6, Gesetze betreffend Darlehen, Anm. 5.

29.

Chulin 94b.

30.

Siehe Kodex des jüdischen Gesetzes, Choschen Mischpat 228:6.

31.

Das kann vom Wortlaut in Baba Mezia und Jewamot, ibid., abgeleitet werden, wo gesagt wird, 'wir dürfen für Friedensgründe "abändern"' statt 'wir dürfen für Friedensgründe "lügen"'.

32.

Siehe Talmud, Sukka 46b.

33.

Talmud Jewamot 63, wie das vom Maharscha erklärt wird. Das scheint ein Widerspruch zu Aarons Verhalten (siehe oben) zu sein. Doch siehe Ijun Jaakow zu Jewamot für eine alternative Erklärung.

34.

Orach Chaim 156, basierend auf Sefer Chassidim 426.

35.

Schulchan Aruch HaRav, Orach Chaim 156:2, in Klammern.

von Aryeh Citron
Rabbi Aryeh Citron genoss eine jeschiwische Ausbildung in Los Angeles, New York, Israel & Australien. Er war Rosch Kolel von The Shul of Bal Harbor Florida und ist jetzt in der Erwachsenenbildung in Surfside, Florida tätig. Er gibt Vorträge zum Talmud, Chassidismus, Jüdischer Geschichte & Jüdischem Gesetz.
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2 Kommentare
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Peter Münstedt wien 31. Oktober 2013

Wenn wir nicht manchmal lügen würden, könnten wir keinen Trost spenden.
Oft müssen wir den Nächsten Hoffnung geben, auch wenn wir nicht selbst davon überzeugt sind.
Denn die Hoffnung stirbt zuletzt. Reply

Marina Engelhardt Edermünde 31. Oktober 2013

Ihr laßt im Positiven schmunzeln. Nicht nur wir Philosophen, die wir eindeutig , aus dem jüdischem Volke erwachsen sind , sind der Wahrheit verpflichtet ,sondern wir können die Wurzel der Verpflichtung in Eurem Wissen über die Wahrheitspflicht finden. Reply

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