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Pioniere des Glaubens

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Die Geburt eines Kindes ist eine Erfahrung, die mehr Glauben und Hingabe erfordert, als jede andere Lebenserfahrung. Wie gut wir auch planen und organisieren, - der unvermeidliche Moment wird kommen, indem die gebärende Frau der Tatsache ins Auge sehen muss, dass hier eine Kraft im Spiel ist, die weitaus größer ist als sie selbst. Während ihr Baby in der schmalen Passage weiter nach unten drängt, dem Augenblick seiner Geburt entgegen, und die Wehen durch ihren Körper eilen, wie die Kraft der Gezeiten die Flut gegen das Land wogen lässt, sieht sich die gebärende Frau vor eine entscheidende Wahl gestellt: in tiefem Glauben sich vertrauenswürdig dieser Kraft zu unterwerfen, oder mit Händen und Füßen dagegen anzukämpfen. Da gibt es eine kostbare Gemeinschaft von Frauen, die seit vielen Jahrhunderten mit einer einfachen Wahrheit verbunden sind, und immer wieder von Neuem den Glauben wählen. Es sind die Hebammen!

Die Rolle einer Hebamme besteht im Ermutigen der gebärenden Frau, „loszulassen“

Die Rolle einer Hebamme besteht im Ermutigen der gebärenden Frau, „loszulassen“ und sich selbst zu gestatten, zu einem Kanal für diese mächtige Kraft zu werden, die durch sie hindurch strömt. Das Vertrauen in den natürlichen Prozess und den Körper der Frau, auf natürliche und sichere Art zu gebären, ist das Kennzeichen der Betreuung durch eine Hebamme. Jede Kultur und Religion hat ihre eigenen Worte und Bilder, um ihre Verehrung und Ehrfurcht für diesen Prozess zu beschreiben. Für jüdische Hebammen jedoch, stammt diese Ehrfurcht von dem tiefen Verständnis, dass eine Geburt von Natur aus ein „g-ttlicher“ Akt ist. Ihr Glaube an den Geburtsakt ist unendlich verbunden mit ihrem Glauben an G-tt.

Wir haben ein historisches Beispiel für den vorgegebenen Glauben der Hebammen an G-tt im Tora-Abschnitt Schmot, in dem wir zwei der stärksten jüdischen Führungspersönlichkeiten unserer Geschichte kennen lernen, beide sind auf herausragende Weise gläubig und rechtschaffen. Sie sind unsere ersten schriftlich belegten Hebammen, Schifra und Pua.

Sie übten ihren Beruf in einer Zeit aus, in der die gesamte Existenz des jüdischen Volkes an einem seidenen Faden hing. Pharaos Sterndeuter hatten vorhergesagt, dass ein männlicher Jude unter den Hebräern aufstehen und seinen Thron übernehmen würde. In einem paranoiden Versuch, die jüdische Geburtenrate zu drosseln, befahl er allen jüdischen Männern, mörderische Sklavenarbeit zu verrichten (Ibn Ezra). Als sich die Juden dennoch weiter vermehrten, befahl der vom Bösen und von Verzweiflung getriebene Pharao, dass Schifra und Pua jeden neugeborenen jüdischen Jungen umbringen.

„Die Hebammen jedoch hatten Ehrfurcht vor G-tt; so taten sie nicht, wie ihnen der König Ägyptens befohlen hatte, sondern sie ließen die Jungen am Leben.“ (Ex. 1:17)

Pharao hatte nicht mit der Missachtung des Befehls durch die Hebammen gerechnet, und auch nicht mit ihrer tiefen Ehrfurcht vor G-tt. Trotz der Gefahr, in die sie sich mit dieser Befehlsverweigerung brachten, entschlossen sich Schifra und Pua, ihrem heiligen Ruf zu folgen. Mit absolutem Glauben an den Schöpfer schwammen sie gegen einen starken und gefährlichen politischen Strom, wobei sie sich stets darüber bewusst waren, dass die Nichtachtung des Befehls ihren Tod bedeutete. Aber ihre G-ttes(ehr-)furcht ging weit über ihre Angst vor einem menschlichen König hinaus.

Von nun an halfen Schifra und Pua nicht nur den jüdischen Frauen bei der Geburt, sondern standen ihnen auch bei der Stärkung und Erziehung der Neugeborenen bei. Vor jeder Geburt beteten sie zu G-tt, dass er den jüdischen Frauen helfen möge, schnell und sicher zu gebären und schickten darüber hinaus ein Gebet für Gesundheit und Wohlbefinden aller unter ihrem Schutz stehenden Säuglinge zum Himmel. Der Midrasch gibt an, dass Schifra und Pua wahrhaftig G-ttes Partnerinnen bei der Schöpfung wurden, die jüdischen Kindern das Leben schenkten (Schmot Rabba 1:19).

„G-tt gewährte den Hebammen Güte, und das Volk mehrte sich und wurde sehr stark. Weil die Hebammen G-tt fürchteten, machte er ihnen Häuser.“ (Ex. 1:20-21)

Diese „Häuser“, die G-tt für Schifra und Pua baute, waren in der Tat Dynastien, die durch sie geboren waren. Unsere Weisen erklären, dass Schifra ein Pseudonym für Jochewed, und Pua ein anderer Name für Miriam war. Der Name „Schifra“ stammt vom hebräischen Wort für „meschaperet“, was „verschönern“, „wickeln, säubern“ in Zusammenhang mit einem Baby bedeutet. Miriam wurde „Pua“ genannt, abgeleitet vom hebräischen Wort „Po´ah“, und bedeutet „weinen, gurren, stöhnen“, wegen der Art, weinende Neugeborene zu besänftigen.

Jochewed war gesegnet, nicht nur ihre Tochter Miriam zur Welt zu bringen, sondern auch Mose und Aaron. Somit wurde durch Jochewed (Schifra) eine ganze Nation von Priestern geboren. Und Miriam (Pua) bekam den Segen, die Mutter der königlichen Dynastie des „Hauses David“ zu werden.

Ein Menschen wird verwandelt, wenn er bei einer Geburt dabei ist. Es hat wohl etwas damit zu tun, dass er in einem Grenzbereich von ungeboren und geboren steht. Vielleicht kam es durch ihren Beruf, dass Schifra und Pua soviel Glauben in ihrer Weltanschauung entwickelten. Vielleicht war es deshalb, weil sie zu Zeugen von sich vor ihren Augen entfaltenden Leben wurden, und die Stärke fanden, der Herausforderung entgegenzutreten, zu töten oder getötet zu werden ... und sie mit Kraft und Huld überwanden.

Schifra und Pua haben zu keiner Sekunde in Betracht gezogen, gegen den Willen G-ttes zu kämpfen. Stattdessen kämpften sie FÜR G-ttes Willen. Und sie gewannen! Diese Kraft wurde von unseren ursprünglichen Hebammen zu den modernen Hebammen unserer Zeit weitergegeben. Möge G-tt sie segnen, den Weg von Schifra und Pua weiterzuführen, nur G-tt und keinen Menschen zu fürchten, und durch ihren tiefen Glauben an die G-ttlichkeit der Geburt ihnen den Segen zu verleihen, SEINE Partner in der Schöpfung zu sein.

von Sarah Zadok
Sarah Zadok leitet Geburtsvorbereitungskurse, Doula und schreibt als freie Redakteurin für TheJewishWoman.org. Sie lebt auf den Golanhöhen in Israel mit ihrem Mann und ihren fünf Kindern.
Über die Künstlerin: Sonia Young besuchte das Pratt Institute und setzte ihre Ausbildung an der Universität von Buffalo fort. Sonya erlernte das Malen mit Pastellfarben von der Künsterlin Barbara Greene und lernte das professionelle Zeichnen von Maler Gustavo Glorioso. Sonya wohnt mit Ehemann und Kindern in Buffalo, NY.
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1 Kommentar
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Anonym Karlsruhe, D 3. Januar 2013

Die Zeichnung von Sonia Young Sehr originell ist diese Zeichnung von Sonia Young von zwei Händen, die ein schützendes Dach bilden über dem Füßchen eines Neugeborenen. In der Bildenden Kunst kennt man sonst nur das Motiv der Hände, die ein winziges Kind beschützen, aber das von Sonia Young erfundene Motiv ist tiefgründiger, weil es Symbol ist für den Beginn eines neuen Lebensweges. Dass ein Mensch einen anderen Menschen tragen, nähren und beschützen darf, ist eine wunderbare Erfindung von Haschem. Reply

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