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Die letzte Reise

Die letzte Reise

Aus „Rabbi Schneur Salman von Liadi“, Kehot Publication Society

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Im Jahr 1812 fiel Napoleon in Russland ein. Sein Weg führte durch Weißrussland.

Rabbi Schneur Salman, das Oberhaupt der chassidischen Bewegung in Weißrussland, der zweimal des Hochverrats angeklagt worden war, erwies sich als überaus loyaler Patriot. Obwohl der französische Eroberer in einigen religiösen jüdischen Kreisen als Bote einer neuen Ära der politischen und wirtschaftlichen Freiheit begrüßt wurde, sah Rabbi Schneur Salman in Napoleon eine Bedrohung für die fundamentalen religiösen Grundsätze und spirituellen Werte.

Der Rebbe verachtete den Mann, dessen Arroganz und Machtgier keine Grenzen kannte und der alles andere als demütig und fromm war. Der Rebbe drängte seine zahlreichen Anhänger, die Russen auf jede erdenkliche Weise im Kampf gegen die Invasoren zu unterstützen. Dank seiner Anhänger hinter den feindlichen Linien – von denen einige für die Franzosen arbeiten mussten – konnte Rabbi Schneur Salman den russischen Generälen an der Front wertvolle Informationen liefern.

Als die französische Armee Ladi erreichte, rieten die russischen Offiziere dem Rebbe zur Flucht. Im August 1812 verließ er eilig die Stadt. Er ließ alles zurück und floh mit seiner Familie nach Smolensk. Etwa fünf Monate lang litten sie alle unter den Entbehrungen und Gefahren auf der Straße und unter einem ungewöhnlich harten Winter, bis sie ein Dorf im Bezirk Kursk erreichten. Dort wurde der Rebbe gegen Ende der anstrengenden Reise schwer krank und starb im Alter von achtundsechzig Jahren.

Die Traditionen und Aufzeichnungen der Familie von Rabbi Schneur Salman enthüllen interessante Details über die letzte und schicksalhafte Reise des Rebbe. Rabbi Nachum, ein Enkel des Rebbe, berichtete über seine persönlichen Erlebnisse:

Am Freitag, den 29. Menachem Aw, floh der Rebbe auf Anraten der russischen Generäle aus Liadi. Man stellte ihm sechzig Wagen zur Verfügung, aber sie reichten nicht aus, und viele mussten zu Fuß gehen. Einige Bewaffnete begleiteten und schützten die Karawane.

Da die Franzosen sich schnell näherten, schlugen die Generäle dem Rebbe vor, durch die Stadt Bajew zu reisen. Doch der Rebbe entschied sich für den Weg nach Krasna und trieb die Karawane zur Eile an, um den Fluss Dnjepr so bald wie möglich zu überqueren.

Nach einer Fahrt von gut drei Kilometern verlangte der Rebbe plötzlich von seinem Begleitschutz, ihn zurück nach Liosna zu bringen. Kaum war er in seinem verlassenen Haus, wies er seine Männer an, das Haus sorgfältig zu durchsuchen, damit sie nicht das Geringste übersahen. Alles, was sie fanden, waren ein Paar abgenutzte Pantoffeln, ein Nudelholz und ein Sieb auf dem Dachboden.

Der Rebbe befahl, diese Sachen mitzunehmen und das Haus dann anzuzünden, bevor der Feind eintraf. Vorher mussten seine Leute jedoch die heiligen Torarollen aus der benachbarten Synagoge holen. Dann segnete er die Einwohner, die in der Stadt blieben, und reiste erneut in aller Eile ab.

Als er sich auf der Straße zum Dnjepr befand, erreichte die Vorhut der Franzosen den Stadtrand. Napoleon galoppierte mit seinem Gefolge hinein und fragte nach dem Haus des Rebbe. Aber als er dort war, brannte das Gebäude lichterloh. Napoleon wollte etwas haben, was dem Rebbe gehörte, und versprach jedem eine hohe Belohnung, der ihm etwas brachte. Aber es war nichts mehr da. (Möglicherweise praktizierte Napoleon eine Art Magie, für die er einen Gegenstand vom Rebbe brauchte.)

Während der langen, mühsamen Reise ließ der Rebbe sich ständig über die Lage der Juden informieren, die der russisch-französische Krieg überrollt hatte. Das russische Heer zog sich zurück und nutzte die Taktik der verbrannten Erde, um dem Feind alles zu nehmen, was er brauchte. Das verlangte große Opfer vom eigenen Volk. Gleichzeitig plünderten die Eindringlinge alles, was sie noch fanden. Überall herrschten Hunger und Not, und der Rebbe litt mit seinen Brüdern und Schwestern, die von der Invasion am stärksten betroffen waren.

Der Rebbe hatte Napoleons Invasion in Moskau und seine Niederlage dort vorhergesehen, und er sagte auch voraus, dass die Napoleon den letzten Stoß von seinem eigenen Volk erhalten würde. Er wusste, dass die fliehenden Franzosen, die hungrig und verzweifelt waren, die jüdischen Gemeinden plündern würden, die auf ihrem Weg lagen. Als der Rebbe in Piena ankam, startete er eine Aktion, um den jüdischen Kriegsopfern zu helfen. Dazu gehörten ein Umsiedlungsplan, Geldsammlungen und die Verteilung von Nahrungsmitteln.

Zehn Tage lang arbeitete er fieberhaft an seinem Projekt. Dann wurde er krank, und sein Zustand verschlimmerte sich täglich. Am Ende des Schabbats schrieb er einen Brief voller mystischer Anspielungen, und wenige Minuten später kehrte seine Seele zu ihrem Schöpfer zurück.

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