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Eine jüdische Tradition

Eine jüdische Tradition

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Völlige sexuelle Enthaltsamkeit ist in manchen Religionen eine wichtige Vorschrift. Gandhi nennt sie in seiner Autobiographie Brahmacharya und rühmt ihre Kraft, den Geist auf eine höhere Ebene zu erheben.

Die römisch-katholische und die griechisch-orthodoxe Kirche verlangen ebenso wie einige östliche Religionen von ihren Geistlichen den Zölibat. Zu dieser strengen Forderung gibt es im Judentum kein Gegenstück. Die milden Vorschriften, die diesen Teil wie jeden anderen unseres Lebens regeln, gelten ohne Unterschied für alle Gläubigen. Jüdische Ehepaare folgen einer alten Regel, nach der Enthaltsamkeit mit sexuellen Freuden abwechselt.

Zwölf Tage vom Beginn der Menstruation an - oder sieben Tage nach dem Ende, je nachdem, wie lange die Periode dauert- schlafen Mann und Frau getrennt. In einem Handbuch für Ehepaare heißt es, dass er „ die einzige Lösung“ ist, um die eheliche Liebe frisch zu erhalten. Unabhängig davon hat diese Selbstbeherrschung immer zu einer im jüdischen Glauben geführten Ehe gehört. Die Frau beendet die Abstinenz damit, dass sie im Meer, einem Fluss oder einem See oder in einem nach uraltem Plan gebauten, rituellen Becken untertaucht. Dieses Becken, die Mikwe, war viele Jahrhunderte lang der Platz für diesen Ritus. Der Talmud hält diese Zeremonie für so wichtig, dass er verarmten Gemeinden empfahl, ihre Synagogen oder sogar ihre letzte Torarolle zu verkaufen, nur um ein solches Tauchbecken anlegen zu können.

Die fast völlige Aufgabe dieser religiösen Tradition in den USA ist wie eine kleine Geschichte des Judentums. Als um 1900 die große Einwanderungswelle Massen von Juden brachte, fanden sie keine rituellen Bäder vor. Und die, die fromme Juden mit mühsam zusammengekratzten Pfennigen errichteten, waren zwangsläufig armselig und hässlich. Im Gegensatz dazu gab es in jeder Wohnung, die nicht gerade im schlimmsten Elendsviertel lag, Badezimmer von einem Luxus, den man in Europa nicht kannte. Es kam einem seltsam vor, in die trübe Brühe einer abgelegenen Mikwe zu steigen, um einen Reinigungsritus zu vollziehen, wenn man zu Hause eine eigene Badewanne zur Verfügung hatte. Ein Feldzug gegen den Baderitus in der Mikwe setzte ein. Und die Einwände waren bald ebenso verbreitet wie der Einwand, dass die jüdischen Speisegesetze nur für heiße Länder gedacht gewesen seien. Es hießt, der Zweck der Mikwe sei, dafür zu sorgen, dass Frauen früher einmal im Monat ein Bad nahmen. Das Informationsniveau war erschreckend.

Auf das Bad zu verzichten, ist im Judentum ein Zeichen der Trauer. Häufiges, wenn möglich tägliches Baden gilt als normal. Der Ritus des Untertauchens, der nur ein paar Sekunden erfordert, ist rein symbolisch.

In allen großen Religionen war das Untertauchen immer ein Symbol der Reinheit und Wiedergeburt. Das Sinnbild ist so klar und deutlich, das es nicht erst erklärt werden muss.

Aber der Semantik geht es in Übergangszeiten schlecht! In den Übersetzungen wird eine Frau in der Trennungszeit als „unrein“ bezeichnet. In diesem Sinn ist ganz Israel “unrein“; wir sind es seit der Zerstörung des Tempels. Aber für diese Vorstellung gab es in der Neuen Welt keine passenden Worte. Das und die ärmlichen Mikwaot führten zu einer feindseligen Ablehnung der uralten Praxis.

Das sie überhaupt wieder auflebte, ist erstaunlich, allerdings nicht für Leute die die jüdische Geschichte kennen und um die Fähigkeiten des Judentums wissen. In vielen Städten der Vereinigten Staaten sind in letzter Zeit neue, hübsch gekachelte rituelle Tauchbecken entstanden, in deren Nebenräumen so etwas wie Schönheitssalons eingerichtet sind. Die Zeit ist vorbei, dass die Mikwe nur noch ein paar osteuropäischen Jüdinnen diente. Die Frauen, die heute in die Tauchbäder gehen, sind meisten junge, moderne Frauen.

Mit dem Wiedererstarken des Judentums - und dafür gibt es viele unmissverständliche Anzeichen, von der Zunahme des Hebräischen im konservativen und reformierten G-ttesdienst bis hin zu den Tempeln und Synagogen, die überall aus dem Boden sprießen - werden sicher auch die Ehevorschriften wieder aufleben und mehr Beachtung finden.

von Herman Wouk
Entnommen aus This Is My G-d von Herman Wouk
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