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Kabbalistisch!

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KABBALA. Die bloße Erwähnung des Wortes ruft Bilder von magischen und mystischen, außerweltlichen Dimensionen hervor, von spirituellen Geheimnissen, die zutiefst wundervoll und inspirierend sind. Es scheint, dass heutzutage jeder und jede – jüdisch oder nicht-jüdisch, berühmt oder namenlos, die g-ttlichen Wahrheiten der Kabbala entdeckt und aufdeckt. Oder nicht?

Diese Frage bringt drei, deutlicher zugespitzte Fragen hervor: Was ist die Essenz von Kabbala? Wird das Öffnen von Kabbala für die Massen diese sehr schwierige und hochgeistige Materie verfälschen und zerstören, durch Reduktion auf das Niveau von Pop-Kultur? Wenn Kabbala für verbreitetes Studium nicht angemessen ist, ist sie dann immer noch in irgendeiner Weise relevant für unser Leben?

Kabbala bedeutet wörtlich „bekommen“; im heutigen Israel wird die Rechnung, die man bei einem Einkauf bekommt, eine „Kabbala“ genannt. Die Tora, oder das geschriebene Gesetz, ist von G-tt gegeben und jedermann zugänglich, der lesen kann. Das mündliche Gesetz – welches die Kabbala inkludiert – erhält man durch direkte Weitergabe von Lehrer zu Schüler.

Der größte Teil der Tora wird als „Tora haniglet“ betrachtet, - die aufgedeckte Tora, von allen jüdischen Menschen zu lernen. Kabbala jedoch würde als „chochma nisteret“ angelegt, als „verborgenes Wissen“. Tatsächlich war Kabbala nie wirklich völlig versteckt, aber sie wurde nicht in weiter Verbreitung, oder gar öffentlich, gelernt.

Der Grund für das Einschränken des Kabbala-Studiums liegt in ihrem Wesen. Kabbala umfasst zwei Themenbereiche: „Ma´ase bereschit“, die Theorie von bzw. Beschreibung der Schöpfung, sowie „ma´ase merkava“, beschrieben vom Propheten Ezechiel im der Vision vom „Himmlischen Thronwagen“, welche uns über die Beziehung zwischen Menschen und dem Allmächtigen lehrt.

Wenn ich Angelegenheiten bespreche, welche für alle greifbar, offen zu sehen und einsichtig sind, - Dinge, die bereits aufgedeckt sind, - ist es einfach für Andere, die Richtigkeit dessen, was ich behaupte, festzustellen. Wenn ich jedoch, zum Beispiel von Engeln spreche, muss ich sehr vorsichtig sein. Spekuliere ich aus einer Unwissenheit heraus, wird das, was ich sage, Unsinn sein. Und es kann gefährlicher Unsinn werden, wenn ich nicht in der Lage bin, die Kraft und Bedeutung dessen, was ich sage, zu erkennen, und ich könnte letztlich die Majestät G-ttes beschmutzen.

Ebenso esoterisch wie ihr Thema ist die Sprache der Kabbala. Sie präsentiert sich als ein Strom abstrakter Formeln, in einem der Kabbala eigenen Jargon verfasst, den nur eine ausgewählte Elite von Gelehrten, welche darin trainiert wurden, entschlüsseln kann. Um Missverständnisse zu vermeiden, musste Kabbala eins-zu-eins von einem gelehrten Meister unterrichtet werden, in genauer Abstimmung mit den Fähigkeiten und der Auffassungsgabe jedes einzelnen Studenten. Man kann nicht so einfach die klassischen kabbalistischen Texte öffnen, und ihre Wahrheiten sozusagen in einem Vakuum einsammeln.

Leider wurde Kabbala heutzutage durch Solche verkommerzialisiert, die vorgeben, ihre innersten Geheimnisse erfasst zu haben. Diese Heuchler geben vor, zu lehren – und zu verkaufen – was sie selbst nicht verstehen, an Leute, die nicht dazu gerüstet sind, es zu empfangen. Die mystifizierenden Formeln der Kabbala werden zu nichts Anderem als zu berauschenden Mantras für diejenigen, welche sie verständnislos wiederholen. Das ist so als wollte man ein Krankheit dadurch heilen, dass man die chemische Formel des Heilmittels vorsingt.

Das soll nicht heißen, dass Kabbala nicht studiert und gelernt werden soll. Tatsächlich ist es Aufgabe jüdischer Gelehrter, sich im gesamten Feld der Tora auszukennen, vom Anfang zum Ende, das „Verborgene Gesetz“ nicht weniger als das „Aufgedeckte Gesetz“. Durchwegs gab es im Lauf der Geschichte diejenigen, welche, sehr still, umfassendes Wissen des Verborgenen Gesetzes erlangten.

Doch die meisten von uns heutzutage sind schlicht nicht in der Lage, Kabbala zu verstehen. Für uns ist die Frage: „Gibt es einen Weg, wie auch wir die bemerkenswerten Lehren der Kabbala in einer sinnvollen Weise ‚empfangen‘ können, ohne ihre g-ttliche Essenz mit Füßen zu treten?“

Eine Antwort liegt im chassidischen Zugang zu Kabbala.

Es ist ein grundlegendes chassidisches Konzept, dass die menschliche Seele sozusagen ein Funke g-ttlicher Offenbarung in der Welt ist, und dass jeder Mensch ein Mikrokosmos des gesamten Universums ist. Chassidismus zeigt, wie die schwebenden Lehren der Kabbala, welche zum Makrokosmos des Universums sprechen, in eine Form mit ethischer und praktischer Bedeutung für unser individuelles Leben gebracht werden können.

In diesem Sinne ist Chassidismus eine Form angewandter Kabbala. So wie das „Aufgedeckte Gesetz“ das Verhalten unserer Körper umfasst, kann die Verinnerlichung kabbalistischer Begriffe des „Verborgenen Gesetzes“ uns mit unserer Seele in Einklang bringen, sie zur Verbindung mit dem G-ttlichen erziehend. In diesem Modell wird die Macht der Kabbala nicht zur Befriedigung unserer Bedürfnisse eingespannt, sondern bringt diese auf eine Linie mit den Wünschen des Allmächtigen.

Eine der wichtigsten chassidischen Schriften heißt „Sohar Chaj“, der lebende Sohar. Das ist das, was der Chassidismus tut: Er gibt der Kabbala Leben, indem er sie in etwas übersetzt, das für unsere Beziehung zu Anderen von Bedeutung ist, und – besonders wichtig – in der Lage ist, das Streben in der eigenen Seele zu kontrollieren und den inneren Kampf im eigenen Selbst zu beruhigen.

von Adin Even-Israel (Steinsaltz)
Rabbi Adin (Steinsaltz) Even-Israel leitet das Israel-Institut für talmudische Veröffentlichungen und eine neue Jeschiwa in Moskau.
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des omek Magazine Chabad/Zurich
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2 Kommentare
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Anonym München, Deutschland via chabadgermany.com 23. Januar 2009

Ja, klipp und klar aber bitte mehr ! und weiter so
= Sohar + Chassidismus Reply

Anonymous München, Deutschland via chabadgermany.com 20. Januar 2009

klipp und klar. Danke! Reply