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Die Geschichte eines "Niggun"

Die Geschichte eines "Niggun"

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Musik und Gesang nehmen einen wichtigen Platz im chassidischen Leben ein. Seinem ganzen Wesen nach ist der Chassidismus dem Pessimismus abhold; er legt Wert darauf, dass man G-tt mit Freude, mit innerer Fröhlichkeit dient und so eine Verbindung zum G-ttlichen anstrebt. Daher wird bei ihm das musikalische Element hervorgehoben als ein Mittel, wodurch düstere Verzweiflung vertrieben und durch den Glanz eines beglückten Herzens ersetzt werden kann. So denn kam es dazu, dass die ersten Führer des Chassidismus selbst entweder Melodien komponierten oder andere ermutigten, dieses zu tun – Melodien, die dem Gefühlvollen Ausdruck verleihen. Manchmal konnten diese Komponisten und Sänger einen "heiligen Funken" in den Volksliedern der Länder finden, in denen sie lebten, speziell in Bessarabien und in der Ukraine, und diese Motive verleibten sie ihrer eigenen Musik ein. Daraus erklärt sich, wieso chassidische Weisen manchmal mit fremdsprachlichen Texten gesungen werden.

Ungefähr zwölf Jahre nach dem Tode des Baal Schem Tow, des Begründers des Chassidismus, leuchtete ein neues chassidisches Licht in der jüdischen Welt auf, als ChaBaD bekannt, nach den Anfangsbuchstaben der Wörter "Chochma"(Weisheit), "Bina" (Erkenntnis) und "Da’at" (Wissen), den intellektuellen Grundlagen, auf denen diese Richtung aufgebaut war. Zwar stützte sich der ChaBaD-Chassidismus auf die Philosophie des Baal Schem Tow, doch entwickelte er gleichzeitig seinen eigenen Charakter. Rabbi Schneur Salman von Liadi, genannt der "Alte Rebbe", rief die ChaBaD-Bewegung ins Leben, wobei er den Inhalt des Chassidismus vertiefte und erweiterte; und er war es auch, der den chassidischen Gesängen eine neue Dimension gab. Der Baal Schem Tow selbst hatte das Singen im jüdischen Dasein wieder aufleben lassen; der "Alte Rebbe" enthüllte den tieferen Gehalt der chassidischen Musik.

Die ChaBaD-Musik weist einen nicht unbedeutenden Unterschied von der allgemein im Chassidismus üblichen auf. Sie ist nicht nur fröhlich und verzückt; sie ist gleichzeitig auch nachdenklich und mystisch, sie hat etwas Gedankenvolles und Sehnsüchtiges an sich. Ein Beispiel für einen ChaBaD-"Niggun" (Melodie), das eine tiefe Moral lehrt, ist die Geschichte von "Schamils Niggun'', die wie folgt lautet:

Vor über einem Jahrhundert lebte in Russland ein Führer der georgischen Stämme, die damals in der Gegend des Kaukasus wohnten. Sein Name war Schamil. Die russische Armee führte einen Krieg gegen die Georgier, mit dem Ziel, sie sich untertänig zu machen und ihrer Freiheit zu berauben. Die Georgier jedoch verteidigten sich tapfer gegen die Eindringlinge und waren nicht zu besiegen. Da schlugen die russischen Heerführer einen tückischen Friedensvertrag vor, und es gelang ihnen auf diese Weise, die Georgier dazu zu bringen, ihre Waffen niederzulegen. Sofort danach jedoch lockten die Russen den Führer der Georgier, Schamil, aus seiner befestigten Stellung heraus, um ihn dann ins Gefängnis zu sperren.

Schamil blickte aus dem Fenster seiner engen Zelle hinaus ins Freie und gedachte sehnsüchtig seiner verlorenen Freiheit. Er beklagte sein Leid, sein Exil und seine Hilflosigkeit und sehnte sich nach seinem früheren Glück zurück. Er tröstete sich aber in dem Bewusstsein, dass er eines Tages aus dem Gefängnis wieder entlassen werden würde und in seine ehemalige Stellung, vielleicht noch größer und mächtiger zurückkehren könnte. Diesem Gedanken gab er in seinem melancholischen, letzten Endes jedoch hoffnungsvollen, "Niggun" Ausdruck.

Daraus lässt sich eine Moral ableiten: Die Seele kommt auf diese Welt vom Himmel herunter, in den irdisch-menschlichen Körper gekleidet. Jedoch ist diese physische Kleidung der Seele hier in Wahrheit ihre Gefängniszelle, denn sie sehnt sich ständig nach der spirituellen, himmlischen Erfüllung. Die Seele sucht sich von dem "Exil" des menschlichen Körpers und der irdischen Reize zu befreien, indem sie ihre physische Existenz in die Pfade von Tora und Mizwot leitet.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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