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Brief an einen Trauernden

Brief an einen Trauernden

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Für die augenblicklichen "Neun Tage", die zum "Tischa beAw" hinüberleiten, ist es angebracht, frei übersetzte Auszüge aus einem Briefe zu zitieren, den der Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem M. Schneerson, sel. A. an einen israelischen General nach dem "Sechstage-Krieg" schrieb.

Es hat mich zutiefst betrübt, von Ihrem großen Verluste zu hören – von dem tragischen Tode Ihres jungen Sohnes, möge er in Frieden ruhen.

Es ist uns nicht gegeben, die Wege des Allmächtigen zu erforschen. Wir können unsere intellektuelle Fähigkeit mit der Seinen überhaupt nicht messen. Wenn ein kleines Kind die Denkprozesse eines alten und weisen Mannes nicht versteht, dann wundern wir uns ja auch nicht; und hier ist der Unterschied doch nur relativ.

Selbst bei einer so großen Tragödie wie der Ihrigen kann man einen Trost in den Worten finden, mit denen wir traditionell die Leidtragenden trösten – einem Satze, der durch den Brauch vieler Generationen unseres Volkes seine Weihung erfahren hat: "Möge der Allmächtige dich trösten zusammen mit all den anderen, die um Zion und Jerusalem trauern." Warum – so darf man fragen – werden die "um Zion und Jerusalem" Trauernden erwähnt, wenn man jemand in seinem persönlichen Verluste trösten will? Eine eingehendere Betrachtung zeigt jedoch, dass der Leidtragende eine Tröstung gerade durch diesen Vergleich mit der Zerstörung und Verbannung Zions finden kann, und zwar aus mehreren Gründen.

Erstens haben alle Juden, auf der ganzen Welt, an der Trauer um die Zerstörung Zions und Jerusalems teil. Zugegeben dass die Bewohner Jerusalems selbst, die die Westliche Mauer und den in Trümmer gelegten Tempel täglich vor Augen haben, den Schmerz wohl tiefer spüren; aber auch diejenigen, die weit davon entfernt leben, sind betrübt. So auch die einen Todesfall beweinende Einzelperson oder Familie: sie findet ihren Trost in dem Bewusstsein, dass "alle Kinder Israel eine Einheit bilden" (Likute Tora, Anfang von Nizawim), dass alle unsere Brüder ihr Leid teilen.

Zweitens vertrauen wir absolut darauf, dass G-tt die Ruinen von Zion und Jerusalem wieder erbauen wird; Er wird die verstreuten Überreste Israels von allen Enden der Erde sammeln, wenn unser gerechter Maschiach kommt, so dass sie freudenvoll den erneuten Glanz Zions und Jerusalems miterleben werden. Ebenso gewiss sind wir, dass – wie G-tt es versprochen hat (Jes. 26, 19) "... die im Staube Ruhenden erwachen und lobpreisen" werden. Dann wird in der Tat eine große Freude herrschen, wenn mit der Auferstehung der Toten alle wieder zusammenkommen werden.

Drittens haben ja die Babylonier und die Römer nur den Tempel aus Holz und Steinen, aus Gold und Silber niedergerissen; sie waren aber nicht in der Lage, den "inneren Tempel" im Herzen eine jeden Juden zu vernichten, denn dieser ist ewigwährend. Genauso dürfen wir sagen, dass die Hand des Todes nur den Körper anrühren kann, nicht aber die Seele, die von Ewigkeit ist; die Seele ist lediglich in die Welt der Wahrheit emporgestiegen. Jede gute Tat, die wir G-ttes Willen gemäß ausüben, vermehrt die Verdienste der Seele und trägt zu ihrem spirituellen Wohlbefinden bei.

Möge es G-ttes Wille sein, dass Sie und Ihre Familie Leid und Schmerz überwinden werden. Mögen Sie einen Trost in Ihrer großen Aufgabe zum Wohle der Gemeinschaft finden, in Ihrer Verteidigung des Heiligen Landes, "... über welches der Ewige dein G-tt Wache hält vom Anfang des Jahres bis zum Endes des Jahres" (Deut. 11, 12), und ebenso in den Bestrebungen Ihres privaten Lebens – der Beobachtung der Mizwa von Tefillin, wobei eine Mizwa die nächste, und dann wieder eine weitere, auf sich folgen lässt (s. Sprüche der Väter 4, 2).

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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