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Ein bitter-süßes Paradoxon

Ein bitter-süßes Paradoxon

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Die augenblicklichen "Drei Wochen" sind eine Periode der Trauer für die Zerstörung unseres Tempels und die Verbannung des jüdischen Volkes in die Galut (Diaspora). Es handelt sich im wörtlichen wie im übertragenen Sinne, um ein "Herunterkommen", einen "Abstieg" in die Galut – in den Zustand von Exil und Zerstreuung also, in dem wir uns seit der Zerstörung unseres zentralen Heiligtums in Jerusalem befinden.

In unseren Gebeten erklären wir: "Wegen unserer Sünden sind wir aus unserem Land verbannt worden." Aber die Verbannung als solche, der Zustand von Galut, darf nicht als eine bloße Bestrafung angesehen werden; es ist damit nicht beabsichtigt, die Juden – G-tt behüte – zu quälen und ihnen unaufhörliche Leiden zuzufügen. Im Gegenteil, der eigentliche Zweck der Zerstreuung besteht darin, uns von dem hässlichen und schädlichen "Schmutz" allen Übels zu reinigen, damit dadurch, dass wir auf unserer inneren Reserven von geistiger Kraft und Stärke zur Überwindung der Widrigkeiten von Galut zurückgreifen, veredelt werden (und dies natürlich auch in der Läuterung durch Leiden allgemein) und uns so zum höchsten Niveau emporschwingen, zum wahrhaften Höhepunkt von Vervollkommnung – sogar noch über das die vorexilische Niveau hinaus.

Mit anderen Worten: In ihrem tiefsten Wesen ist die Galut (sozusagen) eine Mission, ein Auftrag – als Weg, als Zugang und Methode, um ein besonders erhabenes Ziel zu erreichen.

Wenn man dies stets berücksichtigt, dann lässt sich leichter verstehen, warum die Tora-Gelehrsamkeit in all ihren Dimensionen – in Breite wie in Tiefe – im Verlaufe des Exils ein so viel größeres Anwachsen zu verzeichnen gehabt hat, als dies in irgendeiner anderen Epoche der Fall gewesen ist. Gleich zu Beginn des jetzigen Exils vertiefte und verbreitete sich im jüdischen Volke das Studium der Mischna; darauf folgte ein noch intensiveres und extensiveres Lernen, und zwar das Studium der Gemera (das ist die riesige Sammlung von Tora-Gesetzen, Diskussionen, Grundsätzen, Gleichnissen usw., die umfassend als "Talmud" bezeichnet wird).

In späteren Jahren entwickelte sich die geradezu unermessliche Gelehrsamkeit, wie sie in den Darstellungen und Verdeutlichungen der "Rischonim" (das sind die frühen Kodifizierer) ihren Ausdruck fand; und so ging es das ganze lange Exil hindurch weiter. Dieser riesige Ozean von gelehrter Beweisführung, Debatte und Erläuterung der Tora ist in allen Perioden unseres Exils in Erscheinung getreten. Es ist ein von G-tt geschenktes Licht, und dass es so hell und stark erstrahlt, ist nur deshalb, weil es unter dem Druck und Drang von Galut entstanden und hervorgebracht worden ist, und weil es den Zweck hat die Galut-Dunkelheit zu erleuchten.

Der Midrasch illustriert dieses bittersüße Paradoxon des Exils auf diese Weise:

Um Öl aus der Olive zu gewinnen, muss man diese auspressen. Die Olive selbst ist eine sehr nützliche Frucht und hat viele gute Eigenschaften; doch ihr wesentlichster und nützlichster Bestandteil, die Substanz, welche die Quintessenz ihrer Qualität darstellt, kann nur durch Druck herausgepresst, herausgequetscht werden. Je stärker der Druck, desto besser das Öl. Dasselbe gilt für unser Volk. Unter dem Druck des Lebens in der Galut werden die innersten und besten Eigenschaften der Seele, ihr reinstes Licht "herausgepresst", herausgeholt und freigelegt.

von Dr. William Stern
Nach den Werken von Rabbi Menachem M. Schneerson. Herausgegeben von der Lubavitch Foundation, London unter dem Titel "Betrachtung für die Woche".

Dr. Stern arbeitete als Lehrer in Manchester, später in London. Er verstarb am ersten Tag von Chanukka im Jahre 5756 (1995). Der Rebbe persönlich beauftragte Dr. Stern Anfang der 1970-iger Jahre mit der Übersetzung der "Thought for the Week" von Rabbi Yitzhak Meir Kagan. Dr. Stern lehnte zunächst mit der Bemerkung ab, dass "Deutschland eine spirituelle Wüste sei". Der Rebbe antwortete ihm: "Aber die Tora wurde in der Wüste gegeben!"
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