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Tun oder Verstehen – was kommt zuerst?

Tun oder Verstehen – was kommt zuerst?

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In diesem Buch erörtern wir Kernfragen des Judentums. Eine andere Frage ist aber noch grundlegender: Sollte ein Jude die Gebote oder die Wege G-ttes erst verstehen, bevor er sie hält?

Als wir Tora und Mizwot am Berg Sinai entgegennahmen, haben wir zuerst nach dem Prinzip Na’ase (‚wir werden sie halten’) und dann nach W’Nischma („wir werden sie lernen und verstehen“) gelebt, d.h. auf der Grundlage uneingeschränkten Gehorsams, ob wir die Mizwot verstehen oder nicht. Obwohl wir soviel wie möglich lernen und zu verstehen versuchen sollen, dürfen wir vorheriges Wissen und Verständnis niemals zur Vorbedingung für das Ausführen der G-ttlichen Lebensrichtlinien machen.

Zuerst sollten wir die Mizwot halten. Allmählich werden wir dann sicherlich auch ein besseres Verständnis für ihre Bedeutung bekommen. Dies andersherum anzugehen, d.h. erst zu verstehen und nur dann auszuführen, ist in zweifacher Hinsicht falsch. Erstens ist der Verlust, den wir beim Nichtausführen der Mizwot erleiden, nicht aufzuholen. Zweitens gibt uns das Einhalten der Mizwot, was eine direkte Verbindung mit G-tt herstellt, zusätzliche Kräfte, die uns wiederum helfen, die Mizwot zu verstehen und zu schätzen. Wenn wir z. B. krank sind und ein Medikament verschrieben bekommen, warten wir auch nicht seine Wirkung ab, bevor wir es einnehmen. In der Zwischenzeit blieben wir krank und schwach, ja vielleicht würde sich die Krankheit sogar noch verschlimmern. Schon der Gedanke wäre unsinnig, denn wir können von einem Medikament nur profitieren, wenn wir es einnehmen. Außerdem erhält der Kranke einen klareren Kopf, nachdem er die Medizin genommen hat, und kann somit die Wirkungsweise des Medikaments besser verstehen.

Die Welt ist ein von G-tt gut-abgestimmtes System, wo es weder etwas Überflüssiges gibt, noch etwas fehlt. Der Schöpfer hat aus nur Ihm bekannten Gründen dem Menschen freien Willen gegeben. Der Mensch kann mit diesem System kooperieren und es vervollständigen, oder er kann das Gegenteil tun und es zerstören. Daraus folgt, dass die menschliche Zeitspanne auf Erden gerade lang genug ist, um seinen Sinn im Leben zu erfüllen. Das Leben ist weder zu lang noch zu kurz. Daher ist es ein unwiderruflicher Verlust für den Menschen und das Gesamtsystem, wenn man einen einzigen Tag, oder eine Woche oder einen Monat ohne Erfüllung seines Auftrages vorbeigehen lässt.

Die physische Welt und der menschliche Körper existieren nicht getrennt von der geistigen Welt und der Seele. Wir haben nicht zwei separate Einflusssphären, wie es sich die Heiden vorstellen. Es gibt vielmehr eine vereinigende Kraft, die das Gesamtsystem, das wir Monotheismus nennen, kontrolliert. Daher können wir die Seele in vieler Hinsicht verstehen, wenn wir Parallelen zum Körper ziehen.

Der Körper braucht tagtäglich eine bestimmte Menge Luft und Nahrung, die nicht durch Denken oder Sprechen darüber befriedigt werden kann. Es macht den Körper kein bisschen gesünder, wenn er nicht die notwendige Luft und Nahrung erhält. Im Gegenteil, durch Nichtessen und Nichttrinken schwinden die geistigen Kräfte. Daher ist es offensichtlich, dass wir unsere Gesundheit nur dadurch aufrecht erhalten können, indem wir ausreichend atmen, essen und trinken. Dadurch kräftigen wir auch die geistigen Kräfte und nicht umgekehrt.

So ist es auch mit der Seele: Der Schöpfer weiß, was die Seele braucht, nämlich Mizwot. Das Verständnis dafür kann später kommen.

Für einen Juden bedeutet das, dass jeder Tag, an dem er nicht der Tora entsprechend lebt, einen unersetzbaren Verlust für ihn und das ganze Volk beinhaltet, da wir alle eine Einheit bilden und füreinander verantwortlich sind. Das hat sogar Auswirkungen auf die Weltordnung.

Wir sind Gläubige, die Söhne Gläubiger

In der Tora steht geschrieben, dass die Juden „Gläubige, die Söhne Gläubiger“ sind. Das bedeutet, dass wir außer unserem eigenen G-ttesglauben auch noch das Glaubenserbe der endlosen Generationen jüdischer Väter und Vorväter haben, das mit unserem Vater Abraham anfing. Er war der erste, der an G-tt, den Schöpfer und Herrscher der Welt, glaubte. Wenn Menschen, die ein neues System entwickeln, um Anleitungen für die Behandlung dieses System gebeten werden, dann ist es nur folgerichtig, dass G-tt Richtlinien dafür gibt, wie Menschen und vor allem Juden leben sollen. Diese Anleitung hat Er am Berg Sinai durch die Tora und Mizwot, die Er uns gab, offenbart, und zwar sowohl in Bezug auf den Inhalt, als auch dessen exakte Ausführung. Daher beinhaltet die Tora die Anleitung dafür, wie Juden ihr Leben und insbesondere ihr Familienleben gestalten sollen.

Da G-tt uns Tora, Mizwot und den jüdischen Lebensstil gegeben hat, können die Gebote nicht vom Menschen bestätigt oder ausgewählt werden. Der menschliche Verstand ist nicht vollkommen, sondern begrenzt.

In unserer langen Geschichte gab es sehr kluge Köpfe, die aber ihre Begrenzungen in Bezug auf das Wissen um G-tt und Seine Gesetze erkannten. Sie waren unsere Vorbilder.

Wenn wir unsere Tradition bedingungslos akzeptieren, dann heißt das nicht, dass wir uns unseres Verstandes nicht bedienen sollten. Innerhalb unserer begrenzten Möglichkeiten gibt es Vieles, das wir verstehen können, wenn wir den richtigen Ansatz anwenden. G-tt hat uns nämlich in seiner unendlichen Güte die Möglichkeit gegeben, viele seiner Gebote zu verstehen. Dieses Verständnis wird gestärkt, wenn wir die Gebote tagtäglich ausüben. Dadurch werden wir gelassener und können ein harmonisches und frohes Leben führen. Wir sind dann dankbar dafür, diesem heiligen Volk, d.h. den Juden, angehören zu dürfen.

Wie können wir Zweifel bewältigen

Als begrenzte Menschen ist es für uns eigentlich unmöglich, G-ttes Gründe für Seine Mizwot zu verstehen. Es wäre lächerlich, G-ttes Verstand so begrenzen zu wollen, dass die Menschen ihn jederzeit verstehen können. Wir erwarten ja auch nicht von einem Kleinkind, dass es versteht, was ein Professor über die Ernährung herausgefunden hat. Der Unterschied zwischen einem Kleinkind und einem Professor ist nur ein relativer Alters- und Wissensunterschied, während unser Verstand mit dem Schöpfer nicht zu vergleichen ist.

Daher ist es offensichtlich, dass unsere Zweifel an der Tora und den Mizwot einen Glaubenstest darstellen. Die Menschen haben die Möglichkeit, solche Tests zu überwinden. Es wäre unlogisch, anzunehmen, dass G-tt uns Pflichten auferlegt, die wir nicht erfüllen können. Und wenn sich jemand schwierigeren Tests ausgesetzt sieht, dann ist es ein Hinweis auf seine größeren Fähigkeiten.

Wir sollten uns auch nicht darüber wundern, wenn wir tora-untreue Gefühle und Gedanken hegen. Rabbiner Schneur Salman von Liadi erklärt am Anfang seines Werkes ‚Tanja’, dass jeder Jude auch eine tierische Seele besitzt, die mit dem Körper verbunden ist, den Juden verwirrt, ihn vom rechten Weg abzubringen versucht und ihm seine Gelassenheit nimmt. Gleichzeitig hat jeder Jude auch eine G-ttliche Seele, die Teil G-ttes ist und den eigentlichen wahren Kern jedes Juden darstellt. Wir können diese Ablenkungen mit G-ttes Hilfe überwinden. Ein Zitat unserer Weisen belegt das: „Wer sich verbessern möchte, dem wird von Oben Hilfe zuteil“.

Vor allem ist es wichtig, totales G-ttvertrauen zu entwickeln: „Vertraue G-tt deinem G-tt ganz und gar“. Dadurch vertreiben wir Verwirrungen und Sorgen, und entwickeln ein Sicherheitsgefühl, denn wir wissen, dass es einen Herrn und Herrscher der Welt gibt, der sich um die ganze Welt und auch um jeden einzelnen Menschen liebevoll kümmert.

Wenn wir Fragen oder Zweifel haben

Wir sollten uns nicht schämen, diese aufzuklären, d.h. keine Zweifel für sich behalten, sondern Antworten suchen. Dies alles gilt unter der Bedingung, dass diese Fragen und Zweifel nicht unseren Glauben an G-tt und Seine Tora und Mizwot beeinflussen. Diese Bedingung kommt vom Berg Sinai, als die Juden die Tora annahmen. Das haben sie mit Na’ase (wir werden sie tun) vor Nischma (wir werden sie studieren) getan, was ein Leitmotiv aller nachfolgenden Generationen geworden ist. Nach dem Na’ase folgt Nischma, denn G-tt, als Inbegriff alles Guten möchte, dass wir den Weg der Wahrheit im Vertrauen auf Ihn gehen. Dann sollen wir aber auch lernen und die Gebote verstehen und G-tt mit all unseren Fähigkeiten dienen.

Keine Heuchelei

Selbst wenn wir im Allgemeinen Tora und Mizwot halten, manchmal jedoch anders handeln, können wir nicht von Heuchelei sprechen. Denn das Einhalten der Mizwot ist der natürliche Zustand des Juden.

Das zeigt Maimonides’ Aussage, dass ein Jude, der zur Ausübung einer Mizwa gezwungen wurde, diese Mizwa genauso angerechnet bekommt, als ob er sie freiwillig ausgeführt habe. Wieso? Jede Tat basiert auf der natürlichen Anlage, und die natürliche Veranlagung eines Juden ist es, Tora und Gebote zu halten. Manchmal gibt es jedoch Umstände, die dieses Verlangen lähmen. Der Rambam nennt dies die Jezer Hara – böse Neigung –, die den Juden davon abbringen will, seiner Natur gemäß zu handeln. Daher bewirkt die Drohung, die den Juden zwingt, eine Mizwa auszuüben, keine Änderung der natürlichen Neigung, sondern die Drohung entfernt die Umstände, die ihn von der Ausübung seines wahren Willens abhalten.

Wie kann man anfangen, toratreu zu leben?

In der Tora steht geschrieben, dass die Eroberung des Heiligen Landes schrittweise vor sich gehen sollte. Gleiches gilt auch bei der Veränderung unserer Lebensweise. Natürlich gibt es gewisse Lebenssituationen, in denen drastische Veränderungen nötig sind, aber im Allgemeinen ist es besser, langsam aber sicher Fortschritte zu machen.

von Nissan Dovid Dubov
Rabbi Dubov ist der Direktor von Chabad of South London in Wimbledon, England. Er ist der Gründer der "KabbalahUK" Webseite und Autor vieler Bücher. Rabbiner Dubov lebt in Wimbledon mit seiner Frau Sarah und ihren Kindern.
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